Bahnhof Peking

Die Stadt Peking verfügt über mehr als 50 verschiedene Bahnhöfe für den Zugverkehr. Die größte Bedeutung für Touristen haben der West-, Süd- und der Zentral-Bahnhof (bzw. Bahnhof Peking). Dieser Kopfbahnhof wird vorwiegend für Züge in die Mandschurei, nach Shanghai, in die innere Mongolei und als Start- bzw. End-Station der trans-mongolischen Eisenbahn genutzt. Zwei Schnellzugstrecken verkehren von hier, sodass der überwiegende Teil der täglich 120.000 bis 150.000 Reisende mit Gepäck anreist bzw. abfährt. Es verwundert somit nicht, dass der im sozialistischen Klassizismus erbaute Bahnhof großflächig angelegt ist.

Der Bahnhof befindet sich innerhalb der zweiten Ringstraße und ist gut mit Linie 2 der U-Bahn-Peking zu erreichen. Interessanterweise liegt der Ausgang der U-Bahn seitlich bzw. hinter dem Bahnhof. Zunächst führt der Weg somit automatisch zu den Nebengebäuden, in welchen sich die Schalter zum Fahrkartenverkauf befinden. Der Eingang des Bahnhofes befindet sich zwischen zwei Türmen (mit Uhr) und ist mittig im Gebäude untergebracht.
Geschätzte 15 Meter vor dem Eingang beginnen metallene Absperrgitter, welche zur Vereinzelung bzw. zur Bildung von Reihen führen. Hier patrouillieren Polizisten und Bahnmitarbeiter, welche sich sporadisch Pass und Fahrkarte zeigen lassen. Direkt hinter der Eingangstür ist das Gepäck in einen Durchleuchter zu legen. Ein Metalldetektor ist zu passieren. Anschließend ist jeder Reisende aufgefordert, sich auf eine 15 cm hohe hölzerne Kiste zu stellen, um nochmals – dieses Mal per Hand – mit einem Metalldetektor kontrolliert zu werden. Nach Kontrolle von Pass und Fahrkarte darf das Gepäck wieder in Empfang genommen werden. Es bleibt mir unklar, warum nun nochmal ein Metalldetektor zu durchqueren ist. Da hier keine Polizei mehr steht, gehe ich davon aus, dass diese Detektoren außer Funktion sind.

Der Eingangsbereich ist ein hoher, nahezu quadratischer Raum mit einer Galerie im ersten Stock. Der helle steinerne Boden ist in insg. neun Felder aufgeteilt, welche durch eine steinerne, braune, circa einen Meter breite Linie optisch getrennt sind. In der Mitte des Fußbodens findet sich ein grauer Kreis (geschätzt sechs Meter Durchmesser) mit einem Stern bzw. einer stilisierten Kompassnadel. Die braunen Farben der Streifen des Bodens setzen sich an den Wänden und den Säulen fort.

Zunächst fällt der Blick auf eine große Anzeigetafel in der Mitte des Raumes. Links und rechts davon führen jeweils drei Rolltreppen pro Seite in den ersten Stock. Über der Anzeigentafel ist eine Art Gemälde, welches von Werbebannern eingerahmt wird, angebracht. Unter der Anzeigentafel ist ein kleiner Informationsschalter zu erkenne (leider sprechen die Damen dort kein Englisch). Im Raum befinden sich mehrere Verkaufstresen mit Uhren und Schmuck. An den hinteren Ecken (in beiden Stockwerken) führen Gänge nach links und rechts. Im ersten Stock, entlang der Galerie, sowie an den Ecken im unteren Stockwerk sind Schaufenster von kleineren Geschäften und Restaurants sichtbar.

Die Orientierung im Bahnhof ist nicht einfach. Die Anzeigentafel springt alle zwei Minuten für circa 20 Sekunden, auf lateinische Schriftzeichen um. Ist die Gleisnummer ausfindig gemacht, steht die Herausforderung bevo,r dieses Gleis im Bahnhof zu finden. Einen Bahnhofsplan war nicht auffindbar. Die sporadisch angebrachte englischsprachige Beschriftung verweist auf den ersten Stock, um zu den Gleisen zu gelangen. Dort gab es das angezeigte Gleis nicht.
Meinem Vater ist es gelungen, den nicht englisch sprechenden Info-Damen klar zu machen, dass wir unser Gleis suchen. Diese verwiesen auf die Mitarbeiterin eines Fast-Food-Restaurants, welche uns schließlich die Richtung zeigte.
Die trans-mongolische Eisenbahn beginnt ihre Fahrt auf Gleis eins. Gleis eins ist unten, rechts.

Am Ende des Ganges befindet sich ein großer Wartesaal. Mülleimer sind ausreichend vorhanden – der Bahnhof ist sauber – die Toiletten im ersten Stock sind ebenfalls sauber und gepflegt. Die Preise der kleinen Shops sind günstig und somit bietet sich hier eine gute Gelegenheit, sich mit frischen Obst, Getränken und Instant-Nudeln für die Fahrt zu versorgen. Interessant ist es, die anderen Reisenden zu beobachten. Ich habe zuvor noch nie so häufig gesehen, dass Kinder auf dem Boden einer Wartehalle oder den Stühlen gewickelt wurden. Das scheint bzw. schien niemanden zu stören.

Der Eingang zu den Gleisen ist mit einer eisernen Tür verschlossen. An dieser Tür ist ein Schild befestigt, welches angibt, welcher nächste Zug (zu welcher Uhrzeit) einfährt. Sobald der Zug eingefahren ist und die Passagiere den Bahnsteig verlassen haben, werden die Reisenden, nach erneuter Pass und Fahrkartenkontrolle, auf das Gleis gelassen.

Hin und wieder patrouillieren Polizisten im Gebäude. Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass diese nicht nur das Gefühl von Sicherheit erzeugen, sondern vorwiegend auf der Suche nach geflohenen Nord-Vietnamesen sind. Peking ist zentrale Anlaufstelle, um von hier aus weiter nach Thailand zu gelangen.

Aus dem Zugfenster hatten wir einen guten Blick auf die weiteren Gleise bzw. Bahnsteige. Interessant sind die mittig über die Treppen gelegten Metallplatten. Diese werden genutzt, um das Gepäck über die Treppen zu ziehen. Eine kostengünstige und praktikable Lösung, mit unseren Sicherheitsstandards keinesfalls vereinbar.