Atlantiküberquerung / Bilbao – Colon (Panama)

Atlantiküberquerung / Bilbao – Colon (Panama)

Kontinente durchquert, zu den heiligen Städten des Christentums gepilgert, auf jeden bewohnbaren Kontinent einen Fuß gesetzt … Antarktis unbezahlbar, Weltraumtourismus noch nicht kommerziell verfügbar … was soll jetzt noch kommen?

Ein Blick auf den Globus zeigt, mir fehlen noch Mittelamerika, Karibik und die großen blauen Flächen der Ozeane. Mit Hawaii habe ich einen Außenposten im Pazifik gesetzt, der Atlantik wird mein nächstes Ziel.


Aus meinen Zeiten in Kiel (Hochschule mit einem Zweig in Schiffbau) ist mir bekannt, Überführungsfahren (Trans-Schiffsfahrten) sind günstig.

Drei wesentliche Punkte sind hierfür verantwortlich
1) Das Schiff muss so oder so überführt werden. Für die Rederei ist es somit nahezu egal, ob Passagiere an Board sind, oder nicht.
2) Die Crew wird vor der Überführung gewechselt. Noch nicht eingespielter Service wird durch Preisnachlässe ausgeglichen.
3) Die lange Zeit auf See. Acht Tage auf See schreckt viel Reisende.

Allein reisend ist für mich ein weiterer Punkt von größter Wichtigkeit. Kein Einzelzimmer-Zuschlag. Eine Reederei ist mit etwas Suche gefunden (glücklicherweise ist mein Spanisch lesen noch in Ordnung). Pullmantours.

Früh im Jahr buche ich die Tour mit der MS Monarch von Bilbao nach Colon (Panama) mit Zwischenstopp auf Aruba und St.Martin.

 

Die nahezu perfekte Reiseplanung wurde in der Realität durch mehrere Faktoren durchkreuzt:

  • eine schwere Sommergrippe streckte mich die ersten Tage nieder.
  • ein deutsches Reiseportal bot die Fahrt ab Portugal an, deshalb sind, entgegen meiner Planung, viele Deutsche an Board. Leider genau die Sorte, der ich im Urlaub nicht begegnen will. Pauschalreisende, im Übermaß Alkohol konsumierende, bunte T-Shirts und Sandalen mit Socken tragende dickbäuchige ungebildete Menschen. Trotz erkennbar fehlender Bildung bereits zum Frühstück politische Reden führend und über Ausländer, Juden und die öffentliche Verwaltung schimpfend.
  • der Hurrikan Matthew verhinderte das Anlaufen in Aruba.
  • eine fehlerhafte Preispolitik der Rederei. Rechtlich nicht belangbar, jedoch die wahren Preise verschleiernde Preisangaben. Am Ende zahlte ich 600 Euro mehr als geplant. Günstig war es, im Vergleich zu anderen Angeboten, weiterhin.

Die Atlantiküberquerung, an sich bereits ein Erlebnis, beinhaltet Zwischenstopps in Lissabon, St. Marteen und Panama. Stadt und Hafen Bilbao wussten ebenso mit einem gewissen Charme zu überzeugen.

Das auf den Niederländischen Antillen gelegene St. Marteen ist zum einen Teil autonomes Gebiet des Königreiches Niederlande (Schreibweise: Sint Maarten) und zum andern Teil der Republik Frankreich zugehörig (Schreibweise: Saint-Martin). Geschichtlich und politisch unbedeutend ist die Insel vielen Reisenden durch den berühmten Airport-Strand geläufig.

Als Janosch „oh, wie schön ist Panama“ schrieb, hatte er gewiss nicht Colon im Hinterkopf. Die Stadt am Eingang des Panama-Kanals erzeugt, mit Ausnahme der zweitgrößten Freihandelszone der Welt, einen ärmlichen und schmutzigen Eindruck. Aber, es wird etwas dagegen unternommen. Panama-Stadt und die Fahrt entlang des Kanals entschädigen dafür umso mehr.

Zusammengefasst
Eine schöne Reise, hat sich gelohnt. Wiederholungsgefahr = eher nein. Andere Tour = möglich.

Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Den schlechten Zugverbindungen zwischen den Hauptstädten des Baltikums geschuldet, erledigen wir die nächsten Teilstrecken per Bus. Die Zug-Alternative über Weißrussland war zum damaligen Zeitpunkt, visabedingt, keine Option.

Nahezu scheiterte unsere Fahrt mit dem Busunternehmen ecolines an Weißrussland. Der Streckenverlauf im Internet zeigte eine Durchfahrt durch weißrussisches Gebiet. Eine Anfrage beim Unternehmen klärte dieses und verleitete das Unternehmen, ihren Internet-Streckenplan abzuändern.

Tallinn – Riga

In Tallinn hieß es nun zunächst zum Busbahnhof zu gelangen. Die Haltestelle des Linienbusses im Hafenbereich war schnell gefunden. Leider kein Fahrkartenautomat. Mein Vater stieg in den hinteren Teil des Busses und ich wollte beim Fahrer eine Fahrkarte kaufen. Dieser sprach ausschließlich russisch. Meiner Aussage, dass ich kein russisch verstehe, beantworte er mit einem „Fuck off“, schloss die Tür und fuhr los. Wenige Meter später, mein Vater verschaffte sich lautstark Gehör, stoppte er und öffnete die hintere Tür. Auf meine E-Mail an Tallinns Verkehrsverbund erhielt ich die freundlich Rückantwort (auf Deutsch), dass der Fahrer „come in“ sagen wollte. Mein Angebot, die Fahrtgebühr zu überweisen, wird abgelehnt.

Bushaltestelle Tallinn punktet mit bequemen Sitzen, sauberen Toiletten und einem kleinen Kiosk mit u.a. englischsprachigen Zeitungen und frisch belegten Sandwiches.

Eine Streckenführung entlang der Küste führt uns mit kurzen Zwischenhalt in Parnu (kleiner Busbahnhof mit leckerem Eis) nach Riga. Die 315 km sind in 4:05 Stunden hinter uns. Dem rüden Fahrstil des Fahrers zu verdanken erreichen wir somit 20 Minuten vor dem Zeitplan unser Ziel.

Die Sitze des Busses erinnern an Flugzeugsitze. Ein Klapptisch und ein Bildschirm mit teilweise kostenlosen Filmen sind in jeden Sitz integriert. Jede Busstrecke bietet stets gratis Kaffee und gratis Wifi an. Mein Bildschirm und das Bus-Wifi funktionieren nicht. Mein Sicherheitsgurt ist defekt und beim Greifen nach den Gurt schneide ich mich am Metall. Das Unternehmen reagiert mit einer nichtssagenden Standardmail auf unsere Beschwerde.

Riga – Vilnius

Rigas Busbahnhof liegt zentral zwischen Hauptbahnhof und dem Fluss Düna. Linkerhand am kleinen Kanal, welchen wir im Rahmen unserer Bootsfahrt durchfuhren. Spät in der Nacht beziehungsweise sehr früh am Morgen ist das Haltestellengebäude verschossen. Wir warten in den gut beleuchteten Unterständen des Terminals. Gottseidank ist es Sommer und noch angenehm warm.
295 km sind in 4:04 Stunden zurückgelegt. Die Fahrt in der Nacht bietet optisch keine Höhepunkte. Um 05:00 Uhr früh vertreten wir uns in Panevezis kurz die Beine, für Raucher ist es eine willkommene Rauchpause. Unser klimatisierter Bus bietet dieses Mal keine Bildschirme in den Sitzen, aber funktionierendes Gratis W-Lan.
Der über der Stadt gelegene Busbahnhof  Vilnius Autobusu stotis ist um 06:30 Uhr erreicht.

Vilnius – Warschau

Um 22:15 Uhr beginnen wir unsere letzte Busfahrt der Reise. In 08:40 Stunden  wartet Polens Hauptstadt auf uns. Um 23:40 Uhr erreichen wir Kaunas, eine Stunde später das polnische Suwalki. Nach zwei Stunden Fahrt mit etwas Schlaf auf den dieses Mal unbequemen Sitzen (kein Entertainment System, Rückenlehnen-Verstellung defekt) erfolgt ein Zwischenstopp in Bialystok. Durch die für fünf Minuten geöffneten Türen zieht die Kälte in den Bus, die nächsten Stunden bis zur Ankunft um 05:55 in Warschau friert es uns leicht.  In Warschau hält der Bus seitlich zum Hauptbahnhof. Es ist eine Parkbucht an der Straße und kein Busbahnhof. Schnell wird uns unser Gepäck in die Hand gedrückt und der Bus fährt weiter. Für uns heißt es nun Zeit totschlagen, bis wir unsere Taschen im Hotel abgeben und am Nachmittag das Zimmer beziehen.

Hurrikan Matthew (auf See) – Riders on the Storm

Hurrikan Matthew (auf See) – Riders on the Storm

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well auf Well sich ohn Ende drängt […]
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.

(aus: Der Taucher, 1797, Friedrich von Schiller)


Das Schiff zwischen Wellentälern und Wellenbergen, die Gicht spritzt, der Wind peitscht, Blitze zucken … ich pfeife  „Here I am / Rock you like a hurricane“ und  halte Ausschau nach dem Schiff des fliegenden Holländers. Welch Potential für Geschichten und Seemannsgarn. Die Wahrheit: Auf Deck haben wir von Hurrikan Matthew nur wenig mitbekommen. Die Sonnenliegen wurden beiseite geräumt, der Pool geschlossen, der Zugang zu Deck 13 und Deck 7 verwehrt und die Bar verriegelt.

Reisetechnisch durchkreuzte der Hurrikan das Anlaufen Arubas. Dieses bringt für einige Passagiere, die sich Aruba zum Zielort wählten,  Probleme mit sich. Lange Schlangen bilden sich vor der Information und dem Internet-Point. Bei den Wolken hält keine Internetverbindung lange. Schlechter Kundenservice, für den notwendigen Internetzugang musste bezahlt werden. Um 14:00 Uhr des darauffolgenden Tages, informiert die Crew die Reisenden mit Endstation Aruba.

Kreuzfahrtschiffe haben die strikte Anweisung Gefahren auszuweichen. Lediglich Ausläufer der Hurrikans streiften das Schiff. Am nächsten Morgen erinnerte nur der bewölkte Himmel und leichte Schaumkronen an die entgangene Gefahr. In der Nacht war auf meinem Deck, Deck 7, am Schwanken der Blumen der Seegang zuerkennen. Die wohlbetuchten Gäste auf Deck 10 erlebten eine schwankende Fahrt. Der Absatz an Spucktüten war deutlich größer. Vom Pazifik weiß ich, Seekrankheit ist keine Schande. Ingwer und die Konzentration auf einen festen Punkt verhindern das Übergeben.

Persönlich bemühte ich mich am Morgen des nächsten Tag Informationen über die Flüge zu erhalten. Mir war klar, dass der Hurrikan nicht einfach verschwindet, sondern in Richtung Dom.Rep und Miami weiterzieht. Genau dorthin müssen circa 80% der weiteren Passagiere nach Anlegen in Panama. Ausfall der Flüge sind somit wahrscheinlich. Erneut bietet die Crew kein gutes Bild zur Informationspolitik. Teilweise den Airlines geschuldet, welche auf ihren Webseiten lediglich vor der Wahrscheinlichkeit von Flugausfällen berichten. Ich entschließe mich die Sache gelassen zu sehen. Wenn keine Flüge rausgehen, gehen auf keine Flüge rein. Es sollte ein leichtes sein, mein Hotelzimmer in Panama zu verlängern. Ein, zwei Tage mehr in Panama – warum nicht.

 

Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Drei der acht Moskauer Fernbahnhöfe liegen direkt nebeneinander. Der Komsomoskaja-Platz, im Volksmund „Platz der drei Bahnhöfe genannt“, war für uns entscheidender Ankunfts- und Abfahrtsort.  Im nordöstlichen Teil Moskaus gelegen ist der Platz mit der U-Bahn gut zu erreichen. Unsere Transib-Fahrt endete am Jarsolawer Bahnhof, nach Helsinki starten wir am Leningrader Bahnhof.

Gegen 19:00 Uhr, mit Sonnenuntergang, erreichten wir Bahnhof Leningrad. Bis zur Abfahrt 23:10 Uhr heisst es nun  Zeit totzuschlagen. Zunächst wollen wir unser Gepäck zur Aufbewahrung bringen. Um das Gebäude zu betreten, folgte eine aus Peking bereits bekannte Prozedur. Gepäck in den Durchleuchter geben, Metalldetektor passieren, nochmals mit Handdetektor abgetastet werden, Pass vorzeigen und anschließend Gepäck in Empfang nehmen.

Die in Marmor gehaltene Eingangshalle bietet ein verglastes Reisezentrum und eine zwischen kyrillisch und lateinischer Schrift wechselnde Anzeigetafel. Die Beschilderung ist neben kyrillisch ebenfalls in lateinischer Schrift und mit Piktogrammen gekennzeichnet.

Im zweigeschossigen Keller finden wir eine schlecht ausgeschilderte Gepäckaufbewahrung. Das System ist, trotz Video, unverständlich. Zunächst wird das Gepäck gewogen, mit dem ausgedruckten Beleg anschließend ein neues Ticket mit Nummer und Strichcode gekauft. Hier ist zu wählen, wie lange das Gepäck aufgegeben wird. Auf der anderen Seite des Ganges wird die Drehschleuse mit diesem neuen Ticket passiert. Das Gepäck wird in ein Schließfach gegeben und die auf dem Ticket angegebene Nummer ins Schließfach eingegeben. Mit dieser Nummer kann das Schließfach, im Rahmen der gekauften Zeit, wieder geöffnet und geschlossen werden.

Die große Bahnhofshalle ist rechterhand im dritten Stock mit allerlei Restaurants und Cafe´s bestückt. Durch eine große Glasfront sind diese von der Halle getrennt. Kurz unter dem durch Quadern, nahezu wellenförmige aussehenden, bestehenden Dach verläuft rund eine Glasfront, die den Bahnhof hell erscheinen lässt. Im unteren Stockwerk sind neben den Eingängen zu den Restaurants  kleiner Fastfoodstände  und Souvenirgeschäfte untergebracht. In der Mitte der Halle kann an kleineren Verkaufsständen Schmuck und Elektronik gekauft werden.

Im zweiten Stock führt seitig ein Gang entlang. Nach meiner Erinnerung finden sich dort keine Geschäfte. Für uns ist der zweite Stock der Zugang zu den Wartehallen. Dort essen wir belegte Brote und Gurken, die wir im gegenüberliegenden Einkaufszentrum auf dem Hinweg noch schnell eingekauft haben. An den Getränke- und Süßwaren-Automaten  investieren wird unsere letzten Rubel-Münzen. Die Wartezeit ist auch dank Gratis-Wlan (leider langsam und auf eine Stunde begrenzt) recht erträglich.

Gegen 22:50 Uhr geht es zu den Gleisen. Die Gleise des Kopfbahnhofs sind durch eine elektronische Schiebetür verschlossen. Erst nach Einfahrt des Zuges ist die jeweilige Gleisanlage betretbar. Vor der Gleisanlage muss noch einmal eine Sicherheitsschleuse durchlaufen werden. Dieses Mal ist neben Pass auch das Ticket vorzuzeigen.

Manege-Platz (Manezhnaya)

Der Manege-Platz (Manezhnaya) verbindet den Roten Platz mit der vielbefahrenen Tverskaya Straße.

Er ist Metro-Knotenpunkt mit drei U-Bahn-Stationen: Okhotny Ryad, Ploshchad Revolyutsii und Teatralnaya. Neben diesen drei Bahnhöfen ist in unmittelbarer Nähe ein weiterer zentraler Bahnhof. Der Alexandrowski Sad, einziger unterirdischer Moskauer U-Bahnhof mit zwei Seitenbahnsteigen anstatt des sonst üblichen breiten Mittelbahnsteig.

Auf dem Manege-Platz wird zum Zeitpunkt unseres Besuches ein Markt mit Fürchten, Gemüse und Brot abgehalten. Am Rande des Platzes bieten Händler T-Shirts mit dem Abbild Putins und allerlei Matroschka -Figuren an.
Benannt ist der Platz nach dem 180 Meter langen im klassizistischen Stil erbauten Gebäude, der ehemaligen Reitschule eines Infanterieregiments. Heute beinhaltet dieses Gebäude eines der größten kulturellen Ausstellungskomplexe Moskaus.
In Kremlrichtung ist über der unterirdischen gelegenen Shopping-Mall Ochotny Rjad eine rotierende Kuppel angebracht. Diese Kuppel ist eine Weltzeituhr (nördliche Hemisphäre) mit Kennzeichnung der wichtigsten Städte der Welt. Aus den unter der Kuppel verlaufenden Uhrzeitband ist die jeweilige Uhrzeit ablesbar. Umgeben ist die Kuppel mit einem kleinen Fontänen beinhaltenden Wasserbecken.

Das ehemalige Flussbett des Neglinnaja Flusses ist durch eine großflächige Brunnenanlage nachgebildet. Zentraler Punkt dieser Anlage, an welcher diverse Figuren aus russischen Märchen angebracht sind, ist ein Brunnen mit vier Pferden. Nach langer Internetrecherche habe ich herausgefunden, dass es der Voskresenskiy Brunnen ist, was übersetzt Vier-Jahreszeiten bedeutet. Der Brunnen ist von Z. Tsereteli gestaltet, welcher ebenfalls für das Denkmal für Peter den I. verantwortlich ist und gerüchtweise federführend am Design des  Euro-Disneyland in Paris mitwirkte.
Östlich des Platzes steht das Hotel Moskau. Auffällig ist die unterschiedliche Bauart der Ecken der Hauptfassade. Die bekannteste Geschichte hierzu lautet, dass Stalin eigenhändig Zeichnungen an den Entwürfen zum Gebäude vornahm. Dieses auf einer Seite des Planes. Keiner der beteiligten Personen traute sich nachzufragen, könnte es doch als Kritik verstanden werden, Stalin habe die andere Seite vergessen oder übersehen. Heute ziert das Gebäude das Label der Wodkamarke Stolichnaya .

Vom Rand der Tverskaya Straße ist die Duma, das russische Parlament, zu sehen. Für uns ist es der Startpunkt der hop-on-hop-off Stadtrundfahrt.

 

 

Fähre: Helsinki – Tallin

Fähre: Helsinki – Tallin

In Helsinki wechseln wir das Transportmittel. Nach Flugzeug, Bus, Zug und Metro wird es maritim. Per Fähre geht es nach Tallinn.

Am frühen Morgen verlassen wir unser Hostel, um uns auf die Suche nach dem Fähranleger zu begeben. Die Beschreibung im Internet ist dürftig und die Karte gibt keine Auskunft, welche der beiden möglichen Anlegestellen die Richtige ist. Es ist ein schöner Morgen und wir brechen zu Fuss zur ersten Mole auf. Sollte diese nicht die richtige sein,  ist es Möglichkeit Zwei in weiteren 500 Metern. Glücklicherweise führt der Weg bergab und wir erreichen früher als gedacht die erste Anlegestelle. Kein Schiff zu sehen, nach 200 Meter Fußmarsch entlang des Anlegedammes verrät ein Schild: wir sind richtig.

Das Reisezentrum ist klein. Es bietet ein kleines Cafe, das Frühstück ist somit geregelt. Beim Herannahen des Schiffes werden die Zugänge für Fußgänger-Passagiere freigeschaltet. Nach 15 Minuten Wartezeit im Gang betreten wir über eine lange Gangway das Schiff. Uns wundert: keine Sicherheitsüberprüfung des Gepäcks.

Unsere Taschen sind schnell in der Gepäckaufbewahrung auf Deck 7 verstaut. Wir sichern uns zwei Plastikstühle am hinteren Ende des Schiffes. Von dort aus beobachten wir die Ausfahrt und spätere Einfahrt der LKWs, Wohnmobile und PKWs.

Wir haben uns den besten Ausblick gesichert. Es folgt die Ausfahrt aus dem Hafen Helsinki. Diese Ausfahrt gilt als eine der schönsten in Europa und führt an kleinen Inseln, Leuchttürmen etc.

In der von uns gebuchten Holzklasse „Star-Class“ sind die Sitze nicht nummeriert. Im PUB Seaport, auf Deck 7, finden wir ausreichend freie Plätze vorhanden. Hier essen wir die zuvor in Helsinki gekauften und zubereiteten belegten Brote. Alternativ stehen auf Deck 8 warme Speisen in einem Buffet  und Alla-Card-Restaurant gegen Bezahlung zur Auswahl. Deck 8 bietet zusätzlich einen Snack-Pint mit Getränken, Salaten und Sandwiches. Auf Deck 9 künden Bauarbeiten von der Eröffnung eines Burger-Kings.

Vorbei am Kinderspielzimmer Tivoli geht es in den Einkaufsbereich. Eine Parfümerie, ein Laden für Sonnenbrillen/Accessoires und ein 1.500 m² Supermarkt mit den Schiffsklassikern Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Spielwaren, Souvenirs und Lebensmittel animieren zum Geldausgeben. Uns locken die finnischen Süßigkeiten als beliebtes Mitbringsel. Wir kaufen Lakritz-Pfeifen. Wäre uns bekannt gewesen, dass diese vor einem Verbot stehen, wir hätten deutlich mehr davon mitgenommen.

Die 90 bis 110 Minuten auf dem Wasser sind schnell um. Nach drei bis vier Minuten mit Sicht auf Land kündet ein großer Luftballon die Einfahrt in den Hafen Tallinn´s an. Schnell das Gepäck geholt und durch den Ausgang vis-a-vis der Gepäckausgabe geht es raus nach Tallinn. Erneut, für uns zwischenzeitlich ungewohnt,  ohne jegliche Sicherheitsüberprüfung.

Nachtzug Lev Tolstoy

Nachtzug Lev Tolstoy

Der Lev Tolstoy ist ein täglich, mit Ausnahme Silvester, verkehrender Nachtzug der Russischen-Bahn zwischen Moskau und Helsinki. Er ergänzt die durch den Alegro angebotenen, fünf Male täglich verkehrenden Schnellzüge, zwischen beiden Hauptstädten.

Neben der Bezeichnung Lev Tostoy sind in den Zugunterlagen die Bezeichnungen Alexei Tolstoi und Nikolay Tolstoy zu lesen. Obgleich es sich bei Alexei Tolstoi um einen beliebten russischen Schriftsteller handelt (russische Nacherzählung Cloddis Pinocchios) ist der Zug mit aller größter Wahrscheinlichkeit nach Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi (Leo Tolstoi – „Krieg und Frieden“) benannt. Tolstois Ableben hat einen Bezug zur Eisenbahn. Sich seines nahenden Todes wohl bewusst, verließt Tolstoi seine Frau und brach zu einer letzten Zugreise nach Süden auf. Auf dieser Reise in einem offenen Zug erkrankte er an einer Lungenentzündung. Am frühen Morgen des 20. November 1910 starb der Dichter im Bahnwärterhäuschen von Astapowo.

Im nach ihm benannten Zug wäre dieses mit größter Wahrscheinlichkeit nicht passiert. Der Zug ist voll klimatisiert und jede Kabine verfügt über eine eigene Temperaturreglung. Tolstoi, im späteren Leben militanter Nichtraucher, hätte sich über den – mit Ausnahme des Raucherabteils – rauchfreien Zug sicher gefreut. Trotz seines Vegetarismus hätte er im bereit gestellten „Fresspaket“ und Restaurant reichlich Auswahl gefunden.

Beim Einsteigen in unser in blau gehaltenes Abteil bemerken wir allerlei Veränderungen zur Transsib. In den oberen Klappbetten sind Leselampen eingelassen, ebenso sind in den seitlichen Kopfstützen Leselampen. Dieses kennen wir bereits aus dem letzten Transsib-Zug.  220 Volt Steckdosen sind für jedes Bett verfügbar. Einen kleinen Tisch hatten wir ebenfalls in der Transsib. Unterhalb des Tisches liegt die Neuerung, ein eigener Müllbehälter im Abteil.

Für das leibliche Wohl steht ein Restaurant mit 24 komfortablen Sitzgelegenheit und eine Snackbar-Bereich mit 17 weiteren Sitzgelegenheiten zur Verfügung. In jedem Abteil ist pro Fahrgast ein Care-Paket mit (in unserem Fall) Wasser, Apfelsaft- Brötchen, Wurst, Apfel, Keks und Schoko-Pudding bereitgestellt.

Das Restaurant akzeptiert Rubel, US-Dollars und Euros, jedoch nicht Kreditkarte. Ein Katalog bietet allerlei „Nippes“ zum Kauf an. Tax-Refund wird im Zug angeboten. Im Grenzbereich zwischen Vainikkala und Kouvola bietet der Zug die Serviceleistung des Umtausches von Rubel in Euro an.

Durch das Umklappen der unteren Sitzbank entsteht ein 110 cm breites und circa 205 cm langes Bett. Das obere Bett hat ist etwas schmaler und kürzer. Toilette, Dusche und Waschbecken befinden sich am jeweiligen Ende des Wagens. Für die Toilettensitze werden Papierabdeckungen angeboten. Desinfektionsmittel ist vorhanden.

Ist etwas nicht in Ordnung, das freundliche Personal steht bereit. Unsere Abteilnachbarn wollten beispielsweise ein weiteres Kissen – kein Problem.

 

 

Zugfahrt: Warschau-Berlin

Die Strecke Warschau-Berlin bewältigten wird mit dem seit 2002 auf dieser Strecke unter dem Namen „Berlin-Warszawa-Express“ vermarkteten Euro-City. Der Zug besteht immer aus sechs Großraumwagen mit Fahrradabteil (unser Wagen), drei Abteilwagen, ein Bordrestaurant und Bordbistro sowie einen Wagen für die erste Klasse. Alle Wagen sind klimatisiert und die Breite der Sitze ist mit deutschen Standardzügen vergleichbar. Die in der Grundfarbe gehaltenen Wagen tragen unterhalb der Fensterkante zusätzlich einen dunkelblauen Streifen mit der integrierten Beschriftung „Berlin-Warszawa-Express“.

In rund 5 1/2 Stunden sind die 570 km zwischen Wasrzawa Centrain und Berlin Hauptbahnhof zurückgelegt. Vier Minuten nach Einstieg stoppt der Zug am Bahnhof Warszawa Zachodnia, anschließend durchfahren wir ländliches Gebiet mit Halt in Kutno, Konin und Poznan Glowny. Vor dem Halt in der  ehemaligen Grenzstadt Zbąszynek unterbrechen Bahngleise und Güterzüge das Landschaftsbild. Mehr Ausblick, trotz zwischenzeitlich immer dunkler werdenden Himmel, bietet die Gegend vor Rypin mit ausgedehnten Wäldern und Heidelandschaft.  Über die Oder wechseln wir nach Frankfurt an der Oder und sind zurück auf deutschen Boden. Ohne patriotischen Unterton stellen wir fest: schön, wieder zuhause zu sein. 70 km weiter beginnt die Einfahrt nach Berlin. Zwischenhalt in Berlin-Ost und Ankunft im Hauptbahnhof.

Was fällt uns zuallererst auf? Bettelnde Roma und verschleierte Frauen. Ein Anblick, der uns in den letzten drei Wochen nahezu fremd wurde. Insgesamt haben wir von Peking bis Warschau drei Frauen mit Schleier (kein Vollschleier wie in Berlin) und in Moskau maximal zweimal bettelnde Roma gesehen. Hier sehen wir beides im Überfluss.

Für uns gilt es nun, im Bahnhof etwas Zeit totzuschlagen, bis wir in den Nachtzug nach Frankfurt am Main wechseln. In weniger als 12 Stunden werde ich meinen Arbeitsplatz aufsuchen und die angefallenen 400 E-Mails lesen.
Nach mehreren Wochen kommt mir zu hier zum ersten Mal meine Arbeit wieder in den Sinn.

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Pünktlich um 23:10 Uhr verlassen wir im Nachtzug „Tostoy“ Moskau. Zwei Stunden später werden wir in Tver halten und um 05:46 Uhr St. Petersburg erreichen. Kurz überlegen wir, ob wir das Transsib-Ritual mit einem Ausstieg an jedem Bahnhof in diesem Zug fortsetzen. Schlaf ist mir wichtiger, Haltestelle Tver wird verschlafen. Bahnhof St.Petersburg  hat in Regen, Dunkelheit und Kälte nichts zu bieten. Mein Vater läuft kurz auf den Bahnsteig. Ich halte nur einen Fuß nach draußen und bin nach wenigen Sekunden wieder in meiner „Koje“.

Zwischen Wyborg und Vainikkala erwartet uns der Grenzübertritt in Buslovskaya. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt die Passkontrollen, sowie die Schließung des Restaurants für den Zeitraum des Übertrittes an. Die Kontrolle findet im Zug statt. Auf russischer Seite sind die Grenzer freundlich und erledigen die Passausgabe in wenigen Sekunden. Überraschenderweise sprechen die Grenzer englisch und verabschieden sich mit einem Deutschen „Auf Wiedersehen“. Die Lautsprecherdurchsage mahnt, dass das Aussteigen aus dem in unmittelbarer Grenznähe teilweise mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Zug unter allen Umständen zu unterlassen ist. Die russische Seite der Grenze ist Sperrgebiet, eine mehrjährige Freiheitsstrafe droht und im Ernstfall wird von der Schusswaffe gebrauch gemacht. An der tatsächlichen Grenze patrouillieren Hundeführer mit Deutschen Schäferhunden den Zug von außen. Für diesen Zweck ist extra ein kleiner Weg zwischen den einzelnen Gleisen angelegt. Der Zugang und Abgang zum Bahnhof ist für Fußgänger durch einen mit Stacheldraht gesicherten Weg möglich.

Die finnischen Grenzer kotrollieren uns eher nachlässig. Lediglich das Passfoto meines Vaters wird besprochen. Den Grenzern scheint es ungewöhnlich, dass der auf dem Bild vorhandene lange weise Bart zwischenzeitlich deutlich gekürzt ist. Der finnischen Sprache nicht mächtig verstehe ich nur die Worte „Santa Claus“.

Einerseits freuen wir uns wieder in Europa zu sein. Andererseits wirken die Sicherheitsvorkehrungen hier – im Vergleich zu China und Russland – deutlich lascher. In Anbetracht von Terror und der aufkommenden Flüchtlingsgriese für uns zu lasch.

Der Zug fährt mit den Zwischenstationen in Kouvola und Lathi durch eine beeindruckende Landschaft mit viel Wald und Seen. Teilweise fahren wir über einen Bahndamm zwischen größeren Seen an beiden Seiten vorbei. Die Haltestellen in Tikkurila und Pasila sind Industriell geprägt. Holzindustrie, Speditionen, große Hallen und Einkaufscenter sind links und rechts der Strecke immer wieder zusehen. Uns fallen die Bahnhofsbezeichnungen in den zwei Amtssprachen auf.

Um 12:27 Uhrfahren wir pünktlich in Helsinki ein.

Zugfahrt: Berlin – FFM – nach Hause

Nach Flügen, kontinentübergreifenden Zugfahrten, Ostseequerung per Fähre sowie länderübergreifenden Busfahrten endet unsere Fahrt nahezu unspektakulär mit einer nächtlichen Zugfahrt von Berlin nach Frankfurt-Süd.

Der Zug ist auf nächtliche Pendler ausgelegt. Die Sitze sind angenehm und lassen sich zurückstellen. 15 Minuten nach Abfahrt dimmt der Zugbegleiter das Licht und zumindest für mich sind mehrere Stunden Schlaf am Stück möglich. Ausstieg in Frankfurt-Süd. Niemand auf dem Bahnsteig, im Bahnhofsgebäude halten sich zwei, drei Betrunkene warm und warten, wie wir, auf den ersten Bus beziehungsweise die erste S-Bahn des Tages.

Mein Vater nimmt die S-Bahn bis zum Hauptbahnhof und anschließend die Regionalbahn. Ich fahre mit der Straßenbahn bis zur Stadtgrenze. Unabhängig von einander,  überlegen wir beide die restlichen Meter von Bahnhof zur Wohnung per Taxi zurückzulegen, um ein weiteres Verkehrsmittel hinzuzufügen. Die „sparsame schwäbische Hausfrau“-Prägung ist stärker. Nach den langen Fußmärschen im Urlaub sind die 10 Minuten mit Gepäck nun nahezu lächerlich.

Auf mich warten eine Dusche und vier Stunden schlaff. Über Umweg mit Haarschnitt beim  Frisör geht es noch vor zwölf Uhr für fünf Stunden zurück zur Arbeit. Am Abend betrachte ich meine Fotos und beende zufrieden den letzten Tag der Reise.