Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Den schlechten Zugverbindungen zwischen den Hauptstädten des Baltikums geschuldet, erledigen wir die nächsten Teilstrecken per Bus. Die Zug-Alternative über Weißrussland war zum damaligen Zeitpunkt, visabedingt, keine Option.

Nahezu scheiterte unsere Fahrt mit dem Busunternehmen ecolines an Weißrussland. Der Streckenverlauf im Internet zeigte eine Durchfahrt durch weißrussisches Gebiet. Eine Anfrage beim Unternehmen klärte dieses und verleitete das Unternehmen, ihren Internet-Streckenplan abzuändern.

Tallinn – Riga

In Tallinn hieß es nun zunächst zum Busbahnhof zu gelangen. Die Haltestelle des Linienbusses im Hafenbereich war schnell gefunden. Leider kein Fahrkartenautomat. Mein Vater stieg in den hinteren Teil des Busses und ich wollte beim Fahrer eine Fahrkarte kaufen. Dieser sprach ausschließlich russisch. Meiner Aussage, dass ich kein russisch verstehe, beantworte er mit einem „Fuck off“, schloss die Tür und fuhr los. Wenige Meter später, mein Vater verschaffte sich lautstark Gehör, stoppte er und öffnete die hintere Tür. Auf meine E-Mail an Tallinns Verkehrsverbund erhielt ich die freundlich Rückantwort (auf Deutsch), dass der Fahrer „come in“ sagen wollte. Mein Angebot, die Fahrtgebühr zu überweisen, wird abgelehnt.

Bushaltestelle Tallinn punktet mit bequemen Sitzen, sauberen Toiletten und einem kleinen Kiosk mit u.a. englischsprachigen Zeitungen und frisch belegten Sandwiches.

Eine Streckenführung entlang der Küste führt uns mit kurzen Zwischenhalt in Parnu (kleiner Busbahnhof mit leckerem Eis) nach Riga. Die 315 km sind in 4:05 Stunden hinter uns. Dem rüden Fahrstil des Fahrers zu verdanken erreichen wir somit 20 Minuten vor dem Zeitplan unser Ziel.

Die Sitze des Busses erinnern an Flugzeugsitze. Ein Klapptisch und ein Bildschirm mit teilweise kostenlosen Filmen sind in jeden Sitz integriert. Jede Busstrecke bietet stets gratis Kaffee und gratis Wifi an. Mein Bildschirm und das Bus-Wifi funktionieren nicht. Mein Sicherheitsgurt ist defekt und beim Greifen nach den Gurt schneide ich mich am Metall. Das Unternehmen reagiert mit einer nichtssagenden Standardmail auf unsere Beschwerde.

Riga – Vilnius

Rigas Busbahnhof liegt zentral zwischen Hauptbahnhof und dem Fluss Düna. Linkerhand am kleinen Kanal, welchen wir im Rahmen unserer Bootsfahrt durchfuhren. Spät in der Nacht beziehungsweise sehr früh am Morgen ist das Haltestellengebäude verschossen. Wir warten in den gut beleuchteten Unterständen des Terminals. Gottseidank ist es Sommer und noch angenehm warm.
295 km sind in 4:04 Stunden zurückgelegt. Die Fahrt in der Nacht bietet optisch keine Höhepunkte. Um 05:00 Uhr früh vertreten wir uns in Panevezis kurz die Beine, für Raucher ist es eine willkommene Rauchpause. Unser klimatisierter Bus bietet dieses Mal keine Bildschirme in den Sitzen, aber funktionierendes Gratis W-Lan.
Der über der Stadt gelegene Busbahnhof  Vilnius Autobusu stotis ist um 06:30 Uhr erreicht.

Vilnius – Warschau

Um 22:15 Uhr beginnen wir unsere letzte Busfahrt der Reise. In 08:40 Stunden  wartet Polens Hauptstadt auf uns. Um 23:40 Uhr erreichen wir Kaunas, eine Stunde später das polnische Suwalki. Nach zwei Stunden Fahrt mit etwas Schlaf auf den dieses Mal unbequemen Sitzen (kein Entertainment System, Rückenlehnen-Verstellung defekt) erfolgt ein Zwischenstopp in Bialystok. Durch die für fünf Minuten geöffneten Türen zieht die Kälte in den Bus, die nächsten Stunden bis zur Ankunft um 05:55 in Warschau friert es uns leicht.  In Warschau hält der Bus seitlich zum Hauptbahnhof. Es ist eine Parkbucht an der Straße und kein Busbahnhof. Schnell wird uns unser Gepäck in die Hand gedrückt und der Bus fährt weiter. Für uns heißt es nun Zeit totschlagen, bis wir unsere Taschen im Hotel abgeben und am Nachmittag das Zimmer beziehen.

Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Drei der acht Moskauer Fernbahnhöfe liegen direkt nebeneinander. Der Komsomoskaja-Platz, im Volksmund „Platz der drei Bahnhöfe genannt“, war für uns entscheidender Ankunfts- und Abfahrtsort.  Im nordöstlichen Teil Moskaus gelegen ist der Platz mit der U-Bahn gut zu erreichen. Unsere Transib-Fahrt endete am Jarsolawer Bahnhof, nach Helsinki starten wir am Leningrader Bahnhof.

Gegen 19:00 Uhr, mit Sonnenuntergang, erreichten wir Bahnhof Leningrad. Bis zur Abfahrt 23:10 Uhr heisst es nun  Zeit totzuschlagen. Zunächst wollen wir unser Gepäck zur Aufbewahrung bringen. Um das Gebäude zu betreten, folgte eine aus Peking bereits bekannte Prozedur. Gepäck in den Durchleuchter geben, Metalldetektor passieren, nochmals mit Handdetektor abgetastet werden, Pass vorzeigen und anschließend Gepäck in Empfang nehmen.

Die in Marmor gehaltene Eingangshalle bietet ein verglastes Reisezentrum und eine zwischen kyrillisch und lateinischer Schrift wechselnde Anzeigetafel. Die Beschilderung ist neben kyrillisch ebenfalls in lateinischer Schrift und mit Piktogrammen gekennzeichnet.

Im zweigeschossigen Keller finden wir eine schlecht ausgeschilderte Gepäckaufbewahrung. Das System ist, trotz Video, unverständlich. Zunächst wird das Gepäck gewogen, mit dem ausgedruckten Beleg anschließend ein neues Ticket mit Nummer und Strichcode gekauft. Hier ist zu wählen, wie lange das Gepäck aufgegeben wird. Auf der anderen Seite des Ganges wird die Drehschleuse mit diesem neuen Ticket passiert. Das Gepäck wird in ein Schließfach gegeben und die auf dem Ticket angegebene Nummer ins Schließfach eingegeben. Mit dieser Nummer kann das Schließfach, im Rahmen der gekauften Zeit, wieder geöffnet und geschlossen werden.

Die große Bahnhofshalle ist rechterhand im dritten Stock mit allerlei Restaurants und Cafe´s bestückt. Durch eine große Glasfront sind diese von der Halle getrennt. Kurz unter dem durch Quadern, nahezu wellenförmige aussehenden, bestehenden Dach verläuft rund eine Glasfront, die den Bahnhof hell erscheinen lässt. Im unteren Stockwerk sind neben den Eingängen zu den Restaurants  kleiner Fastfoodstände  und Souvenirgeschäfte untergebracht. In der Mitte der Halle kann an kleineren Verkaufsständen Schmuck und Elektronik gekauft werden.

Im zweiten Stock führt seitig ein Gang entlang. Nach meiner Erinnerung finden sich dort keine Geschäfte. Für uns ist der zweite Stock der Zugang zu den Wartehallen. Dort essen wir belegte Brote und Gurken, die wir im gegenüberliegenden Einkaufszentrum auf dem Hinweg noch schnell eingekauft haben. An den Getränke- und Süßwaren-Automaten  investieren wird unsere letzten Rubel-Münzen. Die Wartezeit ist auch dank Gratis-Wlan (leider langsam und auf eine Stunde begrenzt) recht erträglich.

Gegen 22:50 Uhr geht es zu den Gleisen. Die Gleise des Kopfbahnhofs sind durch eine elektronische Schiebetür verschlossen. Erst nach Einfahrt des Zuges ist die jeweilige Gleisanlage betretbar. Vor der Gleisanlage muss noch einmal eine Sicherheitsschleuse durchlaufen werden. Dieses Mal ist neben Pass auch das Ticket vorzuzeigen.

Manege-Platz (Manezhnaya)

Der Manege-Platz (Manezhnaya) verbindet den Roten Platz mit der vielbefahrenen Tverskaya Straße.

Er ist Metro-Knotenpunkt mit drei U-Bahn-Stationen: Okhotny Ryad, Ploshchad Revolyutsii und Teatralnaya. Neben diesen drei Bahnhöfen ist in unmittelbarer Nähe ein weiterer zentraler Bahnhof. Der Alexandrowski Sad, einziger unterirdischer Moskauer U-Bahnhof mit zwei Seitenbahnsteigen anstatt des sonst üblichen breiten Mittelbahnsteig.

Auf dem Manege-Platz wird zum Zeitpunkt unseres Besuches ein Markt mit Fürchten, Gemüse und Brot abgehalten. Am Rande des Platzes bieten Händler T-Shirts mit dem Abbild Putins und allerlei Matroschka -Figuren an.
Benannt ist der Platz nach dem 180 Meter langen im klassizistischen Stil erbauten Gebäude, der ehemaligen Reitschule eines Infanterieregiments. Heute beinhaltet dieses Gebäude eines der größten kulturellen Ausstellungskomplexe Moskaus.
In Kremlrichtung ist über der unterirdischen gelegenen Shopping-Mall Ochotny Rjad eine rotierende Kuppel angebracht. Diese Kuppel ist eine Weltzeituhr (nördliche Hemisphäre) mit Kennzeichnung der wichtigsten Städte der Welt. Aus den unter der Kuppel verlaufenden Uhrzeitband ist die jeweilige Uhrzeit ablesbar. Umgeben ist die Kuppel mit einem kleinen Fontänen beinhaltenden Wasserbecken.

Das ehemalige Flussbett des Neglinnaja Flusses ist durch eine großflächige Brunnenanlage nachgebildet. Zentraler Punkt dieser Anlage, an welcher diverse Figuren aus russischen Märchen angebracht sind, ist ein Brunnen mit vier Pferden. Nach langer Internetrecherche habe ich herausgefunden, dass es der Voskresenskiy Brunnen ist, was übersetzt Vier-Jahreszeiten bedeutet. Der Brunnen ist von Z. Tsereteli gestaltet, welcher ebenfalls für das Denkmal für Peter den I. verantwortlich ist und gerüchtweise federführend am Design des  Euro-Disneyland in Paris mitwirkte.
Östlich des Platzes steht das Hotel Moskau. Auffällig ist die unterschiedliche Bauart der Ecken der Hauptfassade. Die bekannteste Geschichte hierzu lautet, dass Stalin eigenhändig Zeichnungen an den Entwürfen zum Gebäude vornahm. Dieses auf einer Seite des Planes. Keiner der beteiligten Personen traute sich nachzufragen, könnte es doch als Kritik verstanden werden, Stalin habe die andere Seite vergessen oder übersehen. Heute ziert das Gebäude das Label der Wodkamarke Stolichnaya .

Vom Rand der Tverskaya Straße ist die Duma, das russische Parlament, zu sehen. Für uns ist es der Startpunkt der hop-on-hop-off Stadtrundfahrt.

 

 

Fähre: Helsinki – Tallin

Fähre: Helsinki – Tallin

In Helsinki wechseln wir das Transportmittel. Nach Flugzeug, Bus, Zug und Metro wird es maritim. Per Fähre geht es nach Tallinn.

Am frühen Morgen verlassen wir unser Hostel, um uns auf die Suche nach dem Fähranleger zu begeben. Die Beschreibung im Internet ist dürftig und die Karte gibt keine Auskunft, welche der beiden möglichen Anlegestellen die Richtige ist. Es ist ein schöner Morgen und wir brechen zu Fuss zur ersten Mole auf. Sollte diese nicht die richtige sein,  ist es Möglichkeit Zwei in weiteren 500 Metern. Glücklicherweise führt der Weg bergab und wir erreichen früher als gedacht die erste Anlegestelle. Kein Schiff zu sehen, nach 200 Meter Fußmarsch entlang des Anlegedammes verrät ein Schild: wir sind richtig.

Das Reisezentrum ist klein. Es bietet ein kleines Cafe, das Frühstück ist somit geregelt. Beim Herannahen des Schiffes werden die Zugänge für Fußgänger-Passagiere freigeschaltet. Nach 15 Minuten Wartezeit im Gang betreten wir über eine lange Gangway das Schiff. Uns wundert: keine Sicherheitsüberprüfung des Gepäcks.

Unsere Taschen sind schnell in der Gepäckaufbewahrung auf Deck 7 verstaut. Wir sichern uns zwei Plastikstühle am hinteren Ende des Schiffes. Von dort aus beobachten wir die Ausfahrt und spätere Einfahrt der LKWs, Wohnmobile und PKWs.

Wir haben uns den besten Ausblick gesichert. Es folgt die Ausfahrt aus dem Hafen Helsinki. Diese Ausfahrt gilt als eine der schönsten in Europa und führt an kleinen Inseln, Leuchttürmen etc.

In der von uns gebuchten Holzklasse „Star-Class“ sind die Sitze nicht nummeriert. Im PUB Seaport, auf Deck 7, finden wir ausreichend freie Plätze vorhanden. Hier essen wir die zuvor in Helsinki gekauften und zubereiteten belegten Brote. Alternativ stehen auf Deck 8 warme Speisen in einem Buffet  und Alla-Card-Restaurant gegen Bezahlung zur Auswahl. Deck 8 bietet zusätzlich einen Snack-Pint mit Getränken, Salaten und Sandwiches. Auf Deck 9 künden Bauarbeiten von der Eröffnung eines Burger-Kings.

Vorbei am Kinderspielzimmer Tivoli geht es in den Einkaufsbereich. Eine Parfümerie, ein Laden für Sonnenbrillen/Accessoires und ein 1.500 m² Supermarkt mit den Schiffsklassikern Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Spielwaren, Souvenirs und Lebensmittel animieren zum Geldausgeben. Uns locken die finnischen Süßigkeiten als beliebtes Mitbringsel. Wir kaufen Lakritz-Pfeifen. Wäre uns bekannt gewesen, dass diese vor einem Verbot stehen, wir hätten deutlich mehr davon mitgenommen.

Die 90 bis 110 Minuten auf dem Wasser sind schnell um. Nach drei bis vier Minuten mit Sicht auf Land kündet ein großer Luftballon die Einfahrt in den Hafen Tallinn´s an. Schnell das Gepäck geholt und durch den Ausgang vis-a-vis der Gepäckausgabe geht es raus nach Tallinn. Erneut, für uns zwischenzeitlich ungewohnt,  ohne jegliche Sicherheitsüberprüfung.

Nachtzug Lev Tolstoy

Nachtzug Lev Tolstoy

Der Lev Tolstoy ist ein täglich, mit Ausnahme Silvester, verkehrender Nachtzug der Russischen-Bahn zwischen Moskau und Helsinki. Er ergänzt die durch den Alegro angebotenen, fünf Male täglich verkehrenden Schnellzüge, zwischen beiden Hauptstädten.

Neben der Bezeichnung Lev Tostoy sind in den Zugunterlagen die Bezeichnungen Alexei Tolstoi und Nikolay Tolstoy zu lesen. Obgleich es sich bei Alexei Tolstoi um einen beliebten russischen Schriftsteller handelt (russische Nacherzählung Cloddis Pinocchios) ist der Zug mit aller größter Wahrscheinlichkeit nach Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi (Leo Tolstoi – „Krieg und Frieden“) benannt. Tolstois Ableben hat einen Bezug zur Eisenbahn. Sich seines nahenden Todes wohl bewusst, verließt Tolstoi seine Frau und brach zu einer letzten Zugreise nach Süden auf. Auf dieser Reise in einem offenen Zug erkrankte er an einer Lungenentzündung. Am frühen Morgen des 20. November 1910 starb der Dichter im Bahnwärterhäuschen von Astapowo.

Im nach ihm benannten Zug wäre dieses mit größter Wahrscheinlichkeit nicht passiert. Der Zug ist voll klimatisiert und jede Kabine verfügt über eine eigene Temperaturreglung. Tolstoi, im späteren Leben militanter Nichtraucher, hätte sich über den – mit Ausnahme des Raucherabteils – rauchfreien Zug sicher gefreut. Trotz seines Vegetarismus hätte er im bereit gestellten „Fresspaket“ und Restaurant reichlich Auswahl gefunden.

Beim Einsteigen in unser in blau gehaltenes Abteil bemerken wir allerlei Veränderungen zur Transsib. In den oberen Klappbetten sind Leselampen eingelassen, ebenso sind in den seitlichen Kopfstützen Leselampen. Dieses kennen wir bereits aus dem letzten Transsib-Zug.  220 Volt Steckdosen sind für jedes Bett verfügbar. Einen kleinen Tisch hatten wir ebenfalls in der Transsib. Unterhalb des Tisches liegt die Neuerung, ein eigener Müllbehälter im Abteil.

Für das leibliche Wohl steht ein Restaurant mit 24 komfortablen Sitzgelegenheit und eine Snackbar-Bereich mit 17 weiteren Sitzgelegenheiten zur Verfügung. In jedem Abteil ist pro Fahrgast ein Care-Paket mit (in unserem Fall) Wasser, Apfelsaft- Brötchen, Wurst, Apfel, Keks und Schoko-Pudding bereitgestellt.

Das Restaurant akzeptiert Rubel, US-Dollars und Euros, jedoch nicht Kreditkarte. Ein Katalog bietet allerlei „Nippes“ zum Kauf an. Tax-Refund wird im Zug angeboten. Im Grenzbereich zwischen Vainikkala und Kouvola bietet der Zug die Serviceleistung des Umtausches von Rubel in Euro an.

Durch das Umklappen der unteren Sitzbank entsteht ein 110 cm breites und circa 205 cm langes Bett. Das obere Bett hat ist etwas schmaler und kürzer. Toilette, Dusche und Waschbecken befinden sich am jeweiligen Ende des Wagens. Für die Toilettensitze werden Papierabdeckungen angeboten. Desinfektionsmittel ist vorhanden.

Ist etwas nicht in Ordnung, das freundliche Personal steht bereit. Unsere Abteilnachbarn wollten beispielsweise ein weiteres Kissen – kein Problem.

 

 

Zugfahrt: Warschau-Berlin

Die Strecke Warschau-Berlin bewältigten wird mit dem seit 2002 auf dieser Strecke unter dem Namen „Berlin-Warszawa-Express“ vermarkteten Euro-City. Der Zug besteht immer aus sechs Großraumwagen mit Fahrradabteil (unser Wagen), drei Abteilwagen, ein Bordrestaurant und Bordbistro sowie einen Wagen für die erste Klasse. Alle Wagen sind klimatisiert und die Breite der Sitze ist mit deutschen Standardzügen vergleichbar. Die in der Grundfarbe gehaltenen Wagen tragen unterhalb der Fensterkante zusätzlich einen dunkelblauen Streifen mit der integrierten Beschriftung „Berlin-Warszawa-Express“.

In rund 5 1/2 Stunden sind die 570 km zwischen Wasrzawa Centrain und Berlin Hauptbahnhof zurückgelegt. Vier Minuten nach Einstieg stoppt der Zug am Bahnhof Warszawa Zachodnia, anschließend durchfahren wir ländliches Gebiet mit Halt in Kutno, Konin und Poznan Glowny. Vor dem Halt in der  ehemaligen Grenzstadt Zbąszynek unterbrechen Bahngleise und Güterzüge das Landschaftsbild. Mehr Ausblick, trotz zwischenzeitlich immer dunkler werdenden Himmel, bietet die Gegend vor Rypin mit ausgedehnten Wäldern und Heidelandschaft.  Über die Oder wechseln wir nach Frankfurt an der Oder und sind zurück auf deutschen Boden. Ohne patriotischen Unterton stellen wir fest: schön, wieder zuhause zu sein. 70 km weiter beginnt die Einfahrt nach Berlin. Zwischenhalt in Berlin-Ost und Ankunft im Hauptbahnhof.

Was fällt uns zuallererst auf? Bettelnde Roma und verschleierte Frauen. Ein Anblick, der uns in den letzten drei Wochen nahezu fremd wurde. Insgesamt haben wir von Peking bis Warschau drei Frauen mit Schleier (kein Vollschleier wie in Berlin) und in Moskau maximal zweimal bettelnde Roma gesehen. Hier sehen wir beides im Überfluss.

Für uns gilt es nun, im Bahnhof etwas Zeit totzuschlagen, bis wir in den Nachtzug nach Frankfurt am Main wechseln. In weniger als 12 Stunden werde ich meinen Arbeitsplatz aufsuchen und die angefallenen 400 E-Mails lesen.
Nach mehreren Wochen kommt mir zu hier zum ersten Mal meine Arbeit wieder in den Sinn.

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Pünktlich um 23:10 Uhr verlassen wir im Nachtzug „Tostoy“ Moskau. Zwei Stunden später werden wir in Tver halten und um 05:46 Uhr St. Petersburg erreichen. Kurz überlegen wir, ob wir das Transsib-Ritual mit einem Ausstieg an jedem Bahnhof in diesem Zug fortsetzen. Schlaf ist mir wichtiger, Haltestelle Tver wird verschlafen. Bahnhof St.Petersburg  hat in Regen, Dunkelheit und Kälte nichts zu bieten. Mein Vater läuft kurz auf den Bahnsteig. Ich halte nur einen Fuß nach draußen und bin nach wenigen Sekunden wieder in meiner „Koje“.

Zwischen Wyborg und Vainikkala erwartet uns der Grenzübertritt in Buslovskaya. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt die Passkontrollen, sowie die Schließung des Restaurants für den Zeitraum des Übertrittes an. Die Kontrolle findet im Zug statt. Auf russischer Seite sind die Grenzer freundlich und erledigen die Passausgabe in wenigen Sekunden. Überraschenderweise sprechen die Grenzer englisch und verabschieden sich mit einem Deutschen „Auf Wiedersehen“. Die Lautsprecherdurchsage mahnt, dass das Aussteigen aus dem in unmittelbarer Grenznähe teilweise mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Zug unter allen Umständen zu unterlassen ist. Die russische Seite der Grenze ist Sperrgebiet, eine mehrjährige Freiheitsstrafe droht und im Ernstfall wird von der Schusswaffe gebrauch gemacht. An der tatsächlichen Grenze patrouillieren Hundeführer mit Deutschen Schäferhunden den Zug von außen. Für diesen Zweck ist extra ein kleiner Weg zwischen den einzelnen Gleisen angelegt. Der Zugang und Abgang zum Bahnhof ist für Fußgänger durch einen mit Stacheldraht gesicherten Weg möglich.

Die finnischen Grenzer kotrollieren uns eher nachlässig. Lediglich das Passfoto meines Vaters wird besprochen. Den Grenzern scheint es ungewöhnlich, dass der auf dem Bild vorhandene lange weise Bart zwischenzeitlich deutlich gekürzt ist. Der finnischen Sprache nicht mächtig verstehe ich nur die Worte „Santa Claus“.

Einerseits freuen wir uns wieder in Europa zu sein. Andererseits wirken die Sicherheitsvorkehrungen hier – im Vergleich zu China und Russland – deutlich lascher. In Anbetracht von Terror und der aufkommenden Flüchtlingsgriese für uns zu lasch.

Der Zug fährt mit den Zwischenstationen in Kouvola und Lathi durch eine beeindruckende Landschaft mit viel Wald und Seen. Teilweise fahren wir über einen Bahndamm zwischen größeren Seen an beiden Seiten vorbei. Die Haltestellen in Tikkurila und Pasila sind Industriell geprägt. Holzindustrie, Speditionen, große Hallen und Einkaufscenter sind links und rechts der Strecke immer wieder zusehen. Uns fallen die Bahnhofsbezeichnungen in den zwei Amtssprachen auf.

Um 12:27 Uhrfahren wir pünktlich in Helsinki ein.

Zugfahrt: Berlin – FFM – nach Hause

Nach Flügen, kontinentübergreifenden Zugfahrten, Ostseequerung per Fähre sowie länderübergreifenden Busfahrten endet unsere Fahrt nahezu unspektakulär mit einer nächtlichen Zugfahrt von Berlin nach Frankfurt-Süd.

Der Zug ist auf nächtliche Pendler ausgelegt. Die Sitze sind angenehm und lassen sich zurückstellen. 15 Minuten nach Abfahrt dimmt der Zugbegleiter das Licht und zumindest für mich sind mehrere Stunden Schlaf am Stück möglich. Ausstieg in Frankfurt-Süd. Niemand auf dem Bahnsteig, im Bahnhofsgebäude halten sich zwei, drei Betrunkene warm und warten, wie wir, auf den ersten Bus beziehungsweise die erste S-Bahn des Tages.

Mein Vater nimmt die S-Bahn bis zum Hauptbahnhof und anschließend die Regionalbahn. Ich fahre mit der Straßenbahn bis zur Stadtgrenze. Unabhängig von einander,  überlegen wir beide die restlichen Meter von Bahnhof zur Wohnung per Taxi zurückzulegen, um ein weiteres Verkehrsmittel hinzuzufügen. Die „sparsame schwäbische Hausfrau“-Prägung ist stärker. Nach den langen Fußmärschen im Urlaub sind die 10 Minuten mit Gepäck nun nahezu lächerlich.

Auf mich warten eine Dusche und vier Stunden schlaff. Über Umweg mit Haarschnitt beim  Frisör geht es noch vor zwölf Uhr für fünf Stunden zurück zur Arbeit. Am Abend betrachte ich meine Fotos und beende zufrieden den letzten Tag der Reise.

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Unterhalb des Roten Platzes liegen der Manegeplatz sowie der an die nordwestliche Kremlmauer anschließende Alexandergarten.
Will man in den Kreml führt der Weg unweigerlich durch den Park zum Ticketcenter in der Mitte der Parkanlage. Seitlich wird der zur Straße führende Steg am Kuafya Turm, nach Sicherheitskontrolle, betreten.
Durch ein großes eisernes Tor gehen wir in den Alexandergarten, um zum Ticketverkauf des Kremls zu gelangen. Das Fundament des zum Gedenken an des an den Sieg über Napoleon erschaffene Tores besteht aus dem Schutt der im Rahmen der französischen Besatzung zerstörten Moskauer Häuser.
Der Park ist in drei Abschnitte untergliedert.
Am Eingang des Parks befindet sich das Grab des unbekannten Soldaten mit einer ewigen Flamme. Im Grab finden sich die Gebeine eines einzelnen, an der Kilometermarke 41 der Leningradskoe Straße gefallenen, Soldaten. Kilometer 41 repräsentiert die kürzeste Entfernung zwischen Moskau und den vorrückenden Truppen des Dritten Reiches. Das Grab wird durch eine Ehrengarde bewacht, welche in der Vergangenheit für die Bewachung bzw. Ehrenbezeugung am Lenin-Mausoleum Zuständigkeit zeichnete.
Unterhalb des mitteleren Turmes des Kreml-Arsenals sehen wir den Nachbau einer Grotte. Vor dieser Grotte ist ein Obelisk aufgestellt. Ursprünglich waren auf dem Obelisken alle Zaren der Romanov-Ära und die Wappen der russischen Provinzen aufgelistet. Lenin ließ den Obelisken umarbeiten und die Namen von 19 Persönlichkeiten des Kommunismus und Sozialismus einarbeiten. Ein schmiedeeiserner Zaun (oder Gitter) trennt diesen Parkabschnitt vom nächsten. In diesem Zaun sind verschieden Gesichter tragende Zweigbündel eingearbeitet. Meiner Interpretation nach handelt es sich um Fasces, Amtssymbole der höchsten Machthaber im Römischen Reich. Der Zaun dient weniger der Abgrenzung, sondern ist dem Gedenken des Sieges über Napoleon gewidmet
Der mittleren Teil, der sich durch gepflegte Grünflächen und großflächige Blumenarrangements auszeichnenden Parkanlage, wird durch den Kuafya Turm, den Eingang zum Kreml, dominiert. Ein einstöckiges, mit großen Glasflächen versehendes, Gebäude dient der Verkauf der Eintrittskarten. Wir sind frühzeitig dort und müssen somit lediglich 30 Minuten warten. Schneller wären wir vorangekommen, wenn die mitanstehenden Personen die umfangreichen Aushänge bzw. Anzeigen auf den Monitoren beachtet hätten. Preise und Umfang der verschiedenen Angebote (mit Arsenal oder ohne, Einzel/Gruppe, Student/Rentner/Behinderte oder Vollzahler) sind umfangreich beschrieben. Unbegreiflich, dass jeder italienische Besucher (bzw. italienisch sprechend) es sich nochmals von den Verkäufern erklären ließ. Wer davon ausgeht, dass die Erklärung an sich zwei hinter einander stehenden Personen aus Italien ausreichen würde, der irrt. Der oder die nächste Italiener/in ließ sich das gleiche nochmals erklären. Natürlich könnte es Zufall sein. In 30 Beobachtungsminuten, acht Beobachtungen, an acht unterschiedlichen Ticketschaltern zeigt uns jedoch ein deutliches Bild.
Der untere Teil der Parkanlage endet am Borovitskaya Turm, einen von zwei Fahrzeugzugängen zum Kreml. Dieser Teil wird augenscheinlich mehr von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt frequentiert und dient der Erholung. Durch den Besucherausgang verlassen wir den Park und laufen über die darüber verlaufende Straße zurück, entlang der heute als Kunstausstellung dienenden Manege, zum Manegeplatz.

Metro Moskau

Metro Moskau

Mancher Tourist fährt nur deshalb mit Moskaus Metro, weil diese als eine der prachtvollsten öffentlichen Verkehrsmittel weltweit gilt. Für diese Touristen ist die eigentliche Fahrt mit den häufig heillos überfüllten Zügen nur Mittel zum Weg, um die mit hochwertigen Marmor, prächtigen Stuckdeken und Mosaiken verzierten Wartehallen der U-Bahn Stationen zu erreichen. Die schönsten Stationen (meiner persönlichen Meinung nach) sind Novokuzneskaya (eine Station mit großen Deckenmosaiken und Buntglasscheiben), Komsomolskaya (mit Goldmosaiken), Kropotkinskaya (Granit und Marmor mit einer klaren Formensprache) und Kievskaya (eine Station mit Mosaikbildern, die der Freundschaft Russlands und der Ukraine gewidmet ist).

Wie täglich sieben Millionen Russen nutzen wir die im 90 Sekunden Takt fahrende Metro vorwiegend zum Zwecke der Fortbewegung. Mit einem Fahrpreis unter einem Euro die preisgünstigste Alternative, um lange Fußwege zu vermeiden.
Die 1935 eröffnete Metro hat 12, farblich voneinander getrennte, Linien mit über 200 Stationen. 331,5 km Strecke, auf welcher Rauchen, das Trinken von Alkohol und das Mitführen von Fahrrädern verboten ist.

Zum Fahrkartenkauf stehen Automaten und an den meisten Stationen Kassenstationen bereit. Eine Fahrkarte ist, nach Entwertung in der elektronischen Zugangsschranke, 90 Minuten gültig. Neben Einzelfahrten sind Universaltickets mit entweder einer definierten Anzahl an Fahrten (1 bis 60) oder Tagen (1 bis 365) preisgünstig zu erwerben. Nahezu jeder Gleiszugang der Metro ist an irgendeiner Stelle mit Metalldtektoren versehen. Häufig konnten wir feststellen, dass diese entweder aufgeschaltet waren oder es dem Sicherheitspersonal egal ist, ob Personen neben den Detektoren vorbeiging.

Die Orientierung gestaltet sich ambivalent. Der Streckenplan ist neben kyrillischer auch in lateinischer Schrift abgedruckt. Die Wegweiser der Metro, häufig sind lange Strecken zurückzulegen, sind auf russisch. Schnell lernten wir und zumindest die ersten drei Buchstaben des Wortes zu merken und uns somit die Orientierung zu erleichtern. Unabdingbar ist es sich den Namen der Umsteigestation und die entsprechende Nummer der gewünschten Linie zu merken. Umsteigestationen haben, je nach Linie, unterschiedliche Namen.

Alle Stationen verfügen über die aus Deutschland bekannten blau-roten Info- und Notrufsäulen. Videokameras sind auf allen Bahnhöfen und zumindest auch in den Wagen der Ringlinie und Linie 1 vorhanden.

Die Zügen verfügen Gratis-Wlan, welches sich selbst ohne Kenntnis der kyrillischen Schrift mit etwas ausprobieren einstellen lässt. Alle Züge, aber nicht alle Stationen, verfügen über W-Lan-Empfang.

Die eingesetzten Züge sind ausschließlich russischer Bauart und unterscheiden sich je nach Linie vorwiegend durch das Baujahr. Alle Züge haben seitlich an den Aussenwänden angebrachte lange Bänke. Sichtbar sind diese Züge auf den Transport großer, stehender, Menschenmengen ausgelegt.

Kaum haben wir einen gut besetzen Zug betreten, stehen zwei bis drei junge Russen auf, um meinem Vater einen Sitzplatz anzubieten. Ich bin die meiste Zeit stehen geblieben und habe versucht, das System des Aufstehens und Sitzplatzanbietens zu verstehen. Persönlich hätte ich eine Rangordnung wie beispielsweise: Gebrechliche und schwangere Frauen, ältere Frauen, ältere Männer und Frauen mit kleinen Kindern erwartet. Sichtbar ist dieses nicht der Fall. Meine erste Intention war es, dass ggf. Touristen ein Platz angeboten wird. Nachdem wir häufiger auf russisch angesprochen wurden, kann ich nahezu ausschließen, dass wir sofort als Touristen erkennbar waren. Möglicherweise existiert eine Rassen-Komponente. Je mehr die Gesichtszüge vom europäischen abwichen, umso seltener wurde ein Platz angeboten. Natürlich kann diese Beobachtung auch nur Zufall sein.
Anmerkung des Vaters: ich fand diese Geste einfach nur nett und freundlich und habe den angebotenen Platz gerne angenommen.

Auf den Bahnsteigen finde ich einen neuen Favoriten für den eintönigsten Job der Welt. Vor jeder längeren Rolltreppe ist ein Unterstand (zwei Telefonzellen groß) aufgestellt. Darin ein Stuhl und auf einem Tisch zwei kleine schwarz-weiss Monitore mit dem Video-Bild der Rolltreppe. Vermutlich noch irgendwo ein Knopf, um die Treppe anzuhalten. Darin sitzt jeweils eine Person, den Rücken zum Bahnsteig, vermutlich im Zweischichtbetrieb, innerhalb der Öffnungszeiten von 05:30 Uhr bis 01:00 Uhr.