Jade und Tee (Kaffeefahrt in Peking)

Jade und Tee (Kaffeefahrt in Peking)

Ein Teil des Besuches der großen Mauer entwickelte sich zu einer Kaffeefahrt. Obgleich wir insgeheim schon davon ausgegangen sind, dass ein Teil der Fahrt für Verkaufsgespräche genutzt werden wird, waren wir von der Dauer und der Darbietung doch negativ überrascht.

Am Vorabend der Fahrt wurden wir um 22:30 Uhr von der Reiseleitung angerufen um den Abfahrtsort zu klären. Nach einer Stunde Wartezeit ging es am nächsten Morgen los. Leider legten die Mitreisenden keine Pünktlichkeit an den Tag, sodass wir an jedem Hotel weiter fünf bis zehn Minuten warteten. Grundsätzlich war die Fahrt nicht das Problem, bot sich doch die Chance, Peking aus dem Auto zu sehen und die Verkehrssitten zu beobachten.

Die erste Verkaufsstation war eine Jade-Fabrik bzw. eine Jade-Manufaktur. China ist bekannt für seine Jade-Kultur und somit wollte ich es der Reiseleitung  ihre Behauptung, dass historisch nur Chinesen mit Jade umgehen und dieses kunstvoll bearbeiten konnten, nachsehen. Später habe ich sie dann doch darauf hingewiesen, dass bei den Olmeken und Mayas die Kunstfertigkeit sowie die rituelle Bedeutung vergleichbar ist. Zu den angeblich mystischen Geschichten von mehreren Touristen, die ihr Jahr nach dem Besuch der Fabrik und Kauf eines Jade-Amuletts Briefe schrieben über die nun eingetretenen Wunderheilungen habe ich kein Wort verloren. Die Intention, uns zum Kaufen zu bewegen, war so eindeutig zu erkennen, dass man ihr dafür nicht böse sein konnte. Immer wieder betonte sie uns gegenüber, dass sie keinen Anteil an den Verkaufserlösen erhalten würde.

Die angebliche Manufaktur bestand aus einem kleinen durch eine Glasscheibe getrennten Raum. Ein einzelner Arbeiter war mit dem Schleifen der Steine beschäftigt. Eine etwas streng wirkende korpulente Dame erklärte uns, Jade von falscher Jade durch einen Kratztest auf Metall zu unterscheiden. Ich habe mich später gewundert, dass im Verkaufsraum kein Metall zum Testen der Jade zur Verfügung stand. Die Jade wurde auf einer silbernen Plexiglasscheibe gerieben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Anschließend wurden wir in einen großen Verkaufsraum mit diversen Figuren, Anhängern, Statuen aus Jade geleitet. In der Ecke war eine kleine Bar untergebracht. Sitzgelegenheit und Gratis-Wifi machten das Warten auf die Mitreisenden erträglich. Die Reiseleitung entschuldigte sich nun bei meinem Vater und mir für den Kaffeefahrt-Charakter der Fahrt. Sie versprach, dass keine weiteren Verkaufsstopps folgen werden und keine Zusatzkosten entstehen. Beides sollte sich später als Lüge herausstellen. Unbegreiflich ist es mir weiterhin, warum ein Verkaufsraum bzw. eine Verkaufshalle keine Toiletten für die Besucher bereithält – besonders dann, wenn auch Getränke an einer Bar verkauft werden.

Nach dem Besuch der Ming-Gräber und der Mauer (siehe gesonderter Bericht) war die Stimmung eher am Tiefpunkt. Wir sollten nun abstimmen, ob wir eine Seiden-Fabrik oder eine Tee-Zeremonie besuchen. Einstimmig stimmten wir für Seide, gefahren sind wir zum Tee.

Ich erinnere mich nicht mehr an den Namen des Tee-Geschäftes, aber es war etwas Dämliches wie Doktor Tee, Mc Tee oder Duck-Tee. In einem kleinen Raum durften wir auf Holzbänken teilnehmen und bekamen Keramikschalen mit der Füllmenge eines Schnapsglases gereicht.  Nun sollten uns 12 verschiedene Teesorten gereicht werden. Nachdem nur einer Person den Tee kaufen wollte, wurde nach 6 Sorten das ganze abgebrochen. Es liegt mir fern die vermutlich gut ausgebildeten Verkäuferinnen zu kritisieren, aber als Getränketechnologie sind mir Grundlagen der Teezubereitung bekannt. Es bleibt mir unverständlich, warum beispielsweise Grüner- und Weiser-Tee mit 100 Grad heißem Wasser aufgegossen wird. Ebenso eine Brühzeit von max. 30 Sekunden. Kein Wunder, dass er dargebotene Tee kaum Geschmack hatte. Ebenso ist mir unverständlich, wieso man intensive Früchte-Tees mittig zwischen Grünen- und Weisen-Tee serviert, wenn man nicht möchte, dass der Geschmack des nachfolgenden Tees beeinflusst wird. Nachdem ich aber beobachtet habe, dass das Teewasser (welches uns noch in einem Holzgefäß präsentiert wurde), aus dem Hahn nachgefüllt wurde war mir klar, dass hier kein Interesse an gutem Tee bestand. Wenig später hatte ich die Chance, den Tee unter die Augen zu nehmen (ein Mitreisender hatte gekauft): Stängel und Äste, verharzte Blätter, Grobschnitt.

Zwischenzeitlich war die Reiseleitung etwas genervt und versuchte die Mitreisenden schnellstmöglich wieder zu den Hotels zu bringen. Wir waren die letzten im Bus und sie entschuldigte sich zum Abschied nochmals, dass der Ausflug nicht wie geplant verlief. Immer wieder wurde betont, dass heute ein besonderer Tag gewesen wäre und die Fahrten sonst deutlich länger und mit mehr Zeit an der Mauer verlaufen würden.

 

 

Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Pünktlich verlassen wir den Pekinger Bahnhof in Richtung Mongolei. In den nächsten 45 Minuten zieht Peking an uns vorbei. Durch den gestrigen Regen und das Wochenende haben wir blauen Himmel und die überquerten Straßen sind für Pekinger Verhältnisse nahezu leer. Die Außenbezirke sind mit vielen Bäumen bewachsen und lediglich im Hintergrund sind die an Plattenbauten erinnernden Wohnhäuser zu erkennen.  Hin und wieder überqueren wir Kanäle mit grünbraunen Wasser.

Mit zunehmender Entfernung zur Stadt verändert sich die Landschaft. Links und rechts der Bahnstrecke türmen sich am Rande des durchfahrenden Tals die ersten Hügel auf. Große Zubringerstraßen und Brücken erinnern an die Nähe zur Peking.

Nachdem der Zug einen Tunnel durchquerte verändert sich die Landschaft zusehend. Wir überqueren nun blaue Flüsse und Täler mit einem Bergpanorama, wie sie aus typischen Bildern in deutschen China-Restaurants bekannt sind. Der Himmel ist strahlend Blau und die Landschaft ist grün.

Würde sich nicht an der die Bahnstrecke umgebenden Einzäunung der Plastikmüll sammeln, könnte man nahezu davon ausgehen, dass die Landschaft ausschließlich von Obstbauern bewirtschaftet wird.

Unser erster Zwischenhalt ist in Zhangjiakou, nach 193 km. In Reiseführern wird von fliegenden Händlern auf den Bahnsteigen berichtet. Diese gibt es hier nicht. Die Bahnsteige sind eingezäunt und dürfen einzig von Reisenden betreten werden. Unsere zukünftigen Routine folgend sind wir kurz ausgestiegen und haben ein Foto gemacht.

Vom Zugfenster aus die chinesische Mauer zu sehen war auf der Strecke noch zwei weiter male möglich. Hier fahren wir eine Zeit lang an einem See entlang. Der Hotelkomplex am Berghang stört das Panorama. Zhangjiakou gilt als Ski-Gebiet, was die Bestimmung des Komplexes erklärt.

Die Landschaft bleibt weiterhin grün und bergig. Hin und wieder zieht ein Dorf mit identisch aussehenden, in langen Reihen aufbereiten Häusern vorbei. Auf den großen Feldern wird vorwiegend Mais und hin und wieder Wein angebaut. In den Bergen ist hin und wieder ein Kloster zu erkennen.

Hin und wieder sehen wir große Kohlekraftwerke und lange Güterzüge mit Kohlewagons. Ebenso sind militärische Anlagen zu erkennen.

Zwischenzeitlich passieren wir Datong, welches für seine Yungang-Grotten (Grotten mit in den Fels geschlagenen Buddha-Figuren) bekannt ist. Kurz raus, Foto, fertig.

Mehrere Stunden durchqueren wir ein mit Feldern überzogenes Tal. Am Himmel ziehen Wolken auf. Die Windkraftanlage am Horizont, sowie die Ablaufkanäle lassen erahnen, dass es hier häufiger windig und regnerisch zugeht.

Nächster planmäßiger Halt Jining. Eine knapp neun Millionen Stadt, welche neben den Resten eine Stadtmauer aus der Ming-Dynastie vorwiegend durch die näher zur Heimat Konfizius bekannt ist. Wiederum niemand auf dem Bahnhof. Kurz ausgestiegen, Foto, fertig.

Hinter Jining verändert sich die Landschaft erneut. Wir durchfahren die ersten Ausläufer der Wüste Gobi bzw. der Steppenlandschaft der inneren Mongolei. Nach zwei Stunden Fahrt halten wir in Zhurihe. Ein großes Bahnhofsgebäude mit Kuppel umgeben von einfachen Häusern.

Die Nacht bricht an, was bei der Durchquerung der Wüste zumindest klimatisch ein Vorteil ist. Der die Strecke umgebene Zaun ist zwischenzeitlich nur noch ein Maschendrahtzaun mit Plastikmüllansammlungen an den Pfosten.

Die Nacht ist Dunkel und die Sterne sind hervorragend zu erkennen. Hin und wieder sind Siedlungen am Horizont auszumachen. Es könnte sich auch um Industrieanlagen handeln.  Zwischenzeitlich hat uns der Wagenschaffner Decken und die Formulare für den Zoll gereicht. Am Horizont sind die bunten Lichter der Casinos und Hotels aus Erlian zu erkennen. Bei der Einfahrt in die Stadt wird deutlich, dass zwischen den Betreibern ein Wettkampf um die meisten Lichter und das bunteste Blinken entbrannt zu seien scheint.

Am Ende der Stadt fahren wir in den Bahnhof ein (siehe gesonderter Bericht).

Peking – Kaiserpalast / „Verbotene Stadt“

Peking – Kaiserpalast / „Verbotene Stadt“

Ein Erstbesuch Pekings ohne die Besichtigung des Kaiserpalastes, der „Verbotenen Stadt“, ist nahezu unvorstellbar. Nicht nur für ausländische Touristen, auch für Einheimische, ist es der zentrale Besichtigungsort. Das Ausmaß an Touristen hat zur Folge, dass die „Verboten Stadt“ wieder ein wenig verboten wird. Die Anzahl der Besucher ist seit Juni 2015 auf täglich 80.000 Menschen begrenzt. Der Besucherrekord stammt vom Nationalfeiertag am 02.Oktober 2012 mit 182.000 Besuchern.

Der Verkauf an Karten ist auf eine Karte pro Person begrenzt, um Schwarzhändler auszubremsen. Somit ist es notwendig, seinen Ausweis beim Kauf der Karten vorzuzeigen. Anstelle meines Reisepasses habe ich meinen Personalausweis vorgezeigt und zu meiner Überraschung wurde dieser als Studentenausweis gewertet und ich musste nur den halben Preis bezahlen. Der Besuch ist für chinesische Verhältnisse mit circa zehn Euro eher teuer. Der Preis wurde in den letzten Jahren erhöht, um die Besucheranzahl zu verringern – ohne Erfolg.

Tore:

Während das Tor am Platz des himmlischen Friedens den Eingang zur ehemaligen Kaiserstadt bildet, betritt man den Kaiserpalast  durch das „Mittagstor“. Das Mittagstor ist acht Meter hoch und das Gebäude kommt auf 38 Meter und ist damit das höchste Gebäude im ehemaligen Kaiserpalast. Die Stadt besitzt vier Haupttore (je eines pro Himmelsrichtung) mit jeweils einem Turm. Verlassen wird der Kaiserpalast durch das nördliche „Tor der Göttlichen Militärischen Begabung”, es ist das nördlichste Tor des ganzen Kaiserpalastes. Früher gab es im oberen Teil des Torturms eine Trommel und eine Glocke, die eigens für die Palastbewohner die Zeit mitteilte. Alle Türen haben 81 Nägel, also  neun Reihen mit neun Nägeln. Einzige Ausnahme bildet das Donghua-Tor – dieses hat nur acht Reihen. Es war nötig die Anzahl der Nägel auf eine gerade Zahl zu reduzieren, da durch dieses Tor Särge getragen wurden. Dem philosophischen Gedanken von Yin und Yang folgend ist hierzu eine gerade Zahl, eine sogenannte Yin-Zahl, notwendig.

Größe:

Die gesamte Anlage hat eine Ausdehnung über 720.000 m². Auf der bebauten Fläche von 150000 m² sind 890 Gebäude untergebracht. Aktuell können zwei Drittel der Gebäude besichtigt werden. Der annähend rechtwinklige Grundriss ist streng nach einer Nord-Süd-Achse ausgerichtet. Mittelpunkt bildet die eigentliche „verbotene Stadt“.

Der Legende nach gibt es im Palast 9999 und einen halben Raum. Der halbe Raum hat symbolischen Charakter, da das Paradies im Himmel insg. 10.000 Räume umfassen soll. Zwischenzeitlich ist die genaue Zahl der Räume bekannt. Es sind 8886 Räume.

Die gesamte Stadt wird von einer  3428 Metern langen und zehn Meter hohen Mauer umfasst. Die gesamte Anlage ist durch einen 3800 Meter langen, 52 Meter breiten und sechs Meter tiefen mit Wasser gefüllten Graben umgeben.

Gebäude:

Die verbotene Stadt besteht aus einem äußeren und inneren Hof. Die wichtigsten Gebäude folgen in ihrer Ausdehnung einem bestimmten Verhältnis, und zwar Neun zu Fünf. Viele Distanzen zwischen den Gebäuden sind genau im Wert des so genannten goldenen Schnittes gestaltet, also im Verhältnis 0.618. Die Hauptgebäude wurden auf weißen, von Balustraden umgebenen Marmorterrassen errichtet.

Die geschwungenen Pagodendächer sind mit speziellen Ziegelsteinen, den Goldziegel oder auch gelbe Ziegel- nach der Farbe des Kaisers- bedeckt. Diese Ziegel sind  sehr hart und witterungsbeständig. Für den Glanz wurden sie mit Tungöl poliert und geben beim Klopfen einen hellen klingenden Ton ab.

Das wichtigste Gebäude im  für die Regierungsgeschäfte vorgesehenen äußeren Hof ist der Palast mit der Halle der höchsten Harmonie. Diese Halle umfasst eine Fläche vom 2400 m² und ist mit 36,57 Metern der höchste Palast in der Anlage. 24 Säulen tragen das Dach der Halle, welche den Drachenthron beinhaltet.

Vor dem Palast befindet sich die größte Steinplatte Chinas mit einer Fälsche 50 m² und ein Gewicht von 239 Tonnen. Um diese Platte rund 50 km an ihren Bestimmungsort zu bringen, ersannen die Ingenieure eine Kombination aus Brunnen in einer Entfernung von 500 Meter zu einander. Im anschließenden Winter wurde eine Eisschiene hergestellt und die Platte in 28 Tagen, unter Zuhilfenahme von 20.000 Arbeitern, nach Peking gezogen.

Der innere, der Kaiserfamilie vorbehaltene, Hof bestehend aus drei Palästen: dem Palast der Himmlischen Reinheit, der Halle der Berührung von Himmel und Erde und dem (Palast der Irdischen Ruhe)). Nördlich vom Palast der Irdischen Ruhe lag der Kaiserliche Garten, welcher heute noch in Ansätzen zu erkennen ist.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Paläste und Pavillons. Ein einigen sind Ausstellungsstücke zu besichtigen. Beinahe wäre von diesen Ausstellungstücken im Rahmen der Kulturrevolution nichts übrig geblieben. Jedoch wurde der Kaiserpalast von der Volksarmee durch die Zerstörung durch die Roten Garde geschützt.

Viele der Gebäude bestehen aus mit Rohren durchzogenen Hohlwänden, was es erlaubte, die Räume von außen zu heizen.

Außenbereich:

In der Stadt gibt es 13.844 Drachendarstellungen. Im Osten der sechs östlichen Nebenpaläste befindet sich die sogenannte Neundrachenmauer. Das aus 270 glasierten Ziegeln bestehende Relief zeigt neun mit Perlen spielende Drachen auf einer Länge von 30 Metern.
Neundrachenmauer eine prächtige Geisterwand mit dem Abbild von 9 mit Perlen spielenden Drachen. Die sehr lebendig dargestellte Szene hat eine Länge von fast 30 m. Dabei ist es kein zufalle, dass genau 270 Ziegel verwendet wurden. Diese Zahl ist ein Vielfaches von 9×5, der Zahl des Kaisers.

In der Stadt und den Gebäuden wird man keine alten Toiletten finden. Anstelle von Toiletten wurden Bettpfannen genutzt. Für Besucher gibt es selbstredend zwischenzeitlich Toilettenanlagen.

Im Außenbereich fallen viele Bronzebottiche auf. Diese dienten nicht der Dekoration, sondern waren Wasserreservoirs für den Fall eines Brandes. Im Winter wurden diese teilweise beheizt, um das Zufrieren zu verhindern.

Vor mehreren Gebäuden sind sogenannte Wächterlöwen aufgestellt. Die Anzahl der Locken auf dem Löwenkopf (7 bis 13) symbolisiert die Ranghöhe des dort lebenden Politikers. 13 Locken waren ausnahmslos dem Kaiser vorbehalten.

Verlassen des Geländes:

Der Anzahl der Besucher und dem Inneren der Anlage unwürdig ist der Weg beim Verlassen der Anlage.

Hat man den Graben überquert, findet man sich in einer belebten Straße mit vielen Restaurants und kleinen Geschäften wieder. Während sich im inneren der Anlage die Menschenmassen gut verlaufen haben, herrscht hier nun dichtes Gedränge da die meisten diesen Weg zur U-Bahn bzw. zurück zum Platz des himmlischen Friedens nehmen. Die Polizei ist präsent um die sich hier in der Vergangenheit häufenden Taschendiebstähle einzudämmen.

Airport Express & U-Bahn (Peking)

Airport Express & U-Bahn (Peking)

Die Pekinger U-Bahn besteht aktuell aus 345 Stationen sowie 574 km Strecke. Nach Shanghai ist es das zweitgrößte S-Bahn Streckensystem der Welt. Geschätzten 3,4 Milliarden Fahrten im Jahr und durchschnittlich 9.2 Millionen Nutzern am Tag  verleihen der U-Bahn Peking den Titel des  meistfrequentiertest U-Bahn System der Welt.

Aktuell sind 19 Linien im Betrieb. Jede Linie hat eine eigene Farbe, um die Orientierung zu erleichtern. Sechs Linien haben Namen, die restlichen haben Nummern. Mir ist aufgefallen, dass die Nummern drei, elf und zwölf nicht existieren. Bis heute ist mir der Grund dafür nicht bekannt.

Das U-Bahn Netz verfügt über zwei Ringlinien (Linie 2 und Linie 10), welche die Nutzung deutlich erleichtern. Beide Ringe beinhalten eine Station des Airport-Express, sodass ab dem Umsteigen in eine der Ringlinien sich lediglich die Frage nach der schnellsten Richtung (Uhrzeigersinn, gegen den Uhrzeigersinn) zu stellen ist. Seit den Olympischen Spielen sind die U-Bahn-Stationen sowie die Anzeigetafeln in den U-Bahnen zusätzlich mit lateinischen Buchstaben gekennzeichnet. Die meisten Touristen werden vermutlich die Linien im inneren des Rings der Linie zwei, den Airport-Express und Linie 8 zum Olympia-Park nutzen.

Die unterirdischen Bahnsteige  im Innenstadtbereich haben größtenteils ein einheitliches Aussehen. Durch die Farbgebung der Säulen ist die aktuelle Linie zu erkennen. Auf nahezu jedem Bahnsteig ist eine Aufsichtsperson zu finden (an Wochentagen), welche im Notfall weiterhelfen wird.

Oberirdisch sind die Eingänge in einem vergleichbaren Baustil gehalten. Neben jeden Eingang findet sich eine quadratische Säule mit jeweils zwei blauen Vierecken auf jeder Seite. Das obere Viereck zeigt das Logo der U-Bahn. Das Logo stellt ein großes G mit den Buchstaben D und B in der Mitte dar. BGD sind das Akronym für Beijing gaosu diansche was frei übersetz für Pekings elektrifizierter Hochgeschwindigkeitszubringer  steht. Unterhalb dieses Vierecks ist im zweiten Viereck der Name der Station in chinesischen und lateinischen Schriftzeichen abgebildet. Jede Station verfügt über dem Eingang über ein großes blaues Schild mit dem Stationsnamen in lateinischer Schrift.

Tickets:

Der Ticketkauf gestaltete sich unproblematisch. Die Automaten sind auf Englisch umstellbar. Über ein Piktogramm des Streckennetzes ist die gewünschte Endstation zu wählen und anschließend der angezeigte Betrag zu zahlen. Der Preis berechnet sich nach gefahrenen Kilometern. Ein Ticket ist vier Stunden gültig. Nach vier Stunden wird eine Strafgebühr von drei  RMB fällig. Es ist unabdingbar die Fahrkarte bis zum Verlassen der Bahn aufzubewahren, da diese zum Ende der Fahrt erneut vorzuzeigen ist.

Airport Express

Der Airport-Express ist vom Flughafen aus durch einen ca. 200 Meter langen, überdachten und mit Laufbändern versehenen Gang zu erreichen. Der Bahnhof befindet sich auf gleicher Ebene zum Ausgangsbereich des Flughafens.

Fahrkarten sind am Automaten oder am Verkaufsschalter erhältlich. Die Rückseite der Fahrkarte ist mit der Strecke und den Haltestellen bedruckt. Es ist notwendig, diese Fahrkarte bis zum Verlassen des Zuges aufzubewahren, da diese zum Verlassen der Stationen wieder in das Drehkreuz bzw. die Ausgangsschranke einzuführen ist.

Der ABC (Airport Beijing City) beziehungsweise der Airport Express verbindet Terminal 3 des Flughafens mit der Innenstadt. Die Bahn verkehrt im umgedrehten Uhrzeigersinn zwischen 6 Stationen. Die 16 Minütige Fahrt (Terminal 3 – Dongzhimen) kostet 25 RMB und ist alle 8 bzw. 10 Minuten zwischen 6:00 Uhr und 23:30 Uhr möglich. Dabei entfielt es sich mit der U-Bahn Linie 2 zur Dongzhimen Station zu kommen. Diese Station kann ansonsten nur über eine Bushaltestelle erreicht werden. Die Anfahrt mit Taxi oder PKW ist nahezu unmöglich.

Donzghimen ist eine dreistöckige unterirdische Station. Das erste unterirdische Level erlaubt den Zugang zur Linie 13. Der zweite unterirdische Level zur Linie w. Im dritten Level verkehrt der Airport-Express.
Dabei ist zu beachten, dass unterirdisch keine Fahrkarten gelöst werden können.

Peking Flughafen

Peking Flughafen

Der Beijing Capital International Airport (PEK/ZBAA) liegt 32km außerhalb der Innenstadt Pekings. Im Sommer 2008 eröffnete pünktlich zu den Olympischen Spielen das Terminal 3, welches heute für alle internationalen Flüge genutzt wird. Dieses Terminal ist das zweitgrößte Flughafenterminal (nach Dubai) und bezog auf die Fläche das sechstgrößte Gebäude der Welt. Insgesamt umfasst das Flughafengelände 1480 Hektar an Land. Bezogen auf die Anzahl der Starts und Landungen von Flugzeugen ist der Flughafen als sechstgrößter Flughafen für Passagiere und dreizehngrößte Flughafen für Frachtgut.

Ein Konsortium um den Architekten Sir Norman Foster ist für Entwurf und Konstruktion des Terminals verantwortlich. Wie alle Foster-Flughäfen sieht dieser Flughafen einheitlich und auswechselbar aus. Nun lässt sich streiten, ob Foster keine neuen Ideen hat, oder ob das gewählte Design das optimale Design für einen Flughafen ist. Etwas kreativere zeigte sich die für das Innendesign verantwortliche Firma. Hier ist ein deutlicher Anklang an die Chinesische Tradition und Geschichte zu erkennen. Es finden sich hier beispielsweise Kupferkessel und Elemente aus der Neun-Drachen-Wand der verbotenen Stadt wieder. Ebenso ist im Wartebereich der Ebene T3E eine Gartenanalage mit Reminiszenzen an die Gärten des Sommer-Palastes sowie in  T3C ein Untergrundgarten-Tunnel angelegt.

Der Food-Bereich wird häufig als „global kitchen“ bezeichnet. Insgesamt stehen 72 Restaurants und Ständen zur Auswahl. Das Angebot reicht von typisch chinesischer und westlicher Küche, über Sushi und Fast-Food bis hin zu orientalischen Backwaren und Kebab. Im staatlich regulierten Flughafen wird durch die Regierung sichergestellt, dass die Preise nicht über den Preisen der Pekinger-Innenstadt liegen.

Neben dem Food-Bereich sind 16.000 m2 lokaler Verkaufsfläche, 12.000 m2 Duty-Free-Verkaufsfläche und 7000 m2 Fläche für Serviceleistungen wie beispielsweise Banken und Business-Center belegt.

Die Toiletten sind groß und sauber. Jede Toilette hat einen Wickeltisch und jede Toilette ist behindertengerecht ausgestattet. Interessant ist ebenfalls, dass jeder Sitz im Wartebereich über einen Stromanschluss verfügt.

Nach einem längeren Fußweg erreichten wir den Sicherheitsbereich des Ausganges. Hier werden die Passagiere zunächst nach Einheimischen und Ausländern getrennt. Anschließend stehen vier Linien zum Anstehen bereit. Keine priorisierte Strategie ist erkennbar, um die Anstehzeit zu verkürzen. Die Mitarbeiter variieren die Absperrbänder ohne erkennbaren Grund. Gerade noch geschätzte 15 Meter zum Kontrollpunkt sind es plötzlich wieder 75 und die andere Schlange kommt deutlich schneller voran. Ich nutzte die lange Wartezeit, um mir eine Reisegruppe aus Nordkorea näher anzusehen. Ich erinnere mich nicht, zuvor Nordkoreanern begegnet zu sein. Kleidung, Haarschnitte und Körperhaltung variierten wahrnehmbar zu den anderen Wartenden. Insgesamt wirkten diese Reisenden höflich und gelassen hin und wieder konnte ich mir den Eindruck nicht verwehren, dass sie peinlich darauf achteten nicht negativ aufzufallen.

Der Sicherheitscheck verlief schnell. Ausweis abgeben, Visum vorzeigen, Einreisezettel abgeben, fürs Foto stillhalten und das war´s. Wie in nahezu allen Flughäfen der Welt hatten einige Mitreisende den Zoll-Zettel nicht ausgefüllt. In Anbetracht der langen Wartezeit und der Zeit im Flugzeug bleibt mir dieses nach wie vor unerklärlich.

Hinter dem Sicherheitsbereich ist der Flughafen gut ausgeschildert. Englischsprachige Schilder und Piktogramme weisen den Weg. Geldautomaten und Wechselstuben sind leicht zu finden und die Bedienung der Automaten ist Problemlos auf Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch umzustellen (zumindest an unserem Automat).

Der Airport Express war schnell gefunden und somit ging es hinein ins pulsierende Peking.

Peking Hotel Dong Fang

Peking Hotel Dong Fang

In Peking buchten wir, der Empfehlung eines Reisebüros folgend, das Hotel Dong Fang. Es ist ein Standard Mittelklassehotel und trumpft mit zwei wesentlichen Pluspunkten auf. Erstens: die Nähe zur U-Bahn Station in der Hufang Road. In ungefähr fünf Minuten Entfernung findet sich eine U-Bahnstation, von welcher der Platz des himmlischen Friedens in 10 bis 15 Minuten erreicht wird. Zweitens: das reichhaltige Frühstückbuffet.

Abzüge bekommt das Hotel für die Lage. In der Nähe ist ein Krankenhaus und somit ist immer Straßenverkehr wahrzunehmen. Die Gegend ist ärmlich und in der Querstraße befindet sich ein kleiner Rotlichtbezirk. Es handelt sich um „wartende Prostituierte“. Problemlos ist die Straße zu durchqueren ohne angesprochen oder „belästigt“ zu werden. Die Getränke im Hotel sind teuer. Das ist jedoch weniger ein Problem, da es in unmittelbarer Nähe kleine Shops mit Getränken und Obst gibt. Das Hotel bewirbt sich mit einem Foto eines  dreistöckigen Hauses mit Garten. Das ist ein Teil des Hotels – das eigentliche Hotel ist das „Hochhausdreieck“ im Hintergrund.

Unser erster Eindruck war ambivalent. Die Hotel-Mitarbeiter nahmen zunächst unsere Pässen in Empfang, um anschließend für circa zehn Minuten zu verschwinden. Das wäre weniger irritierend gewesen, wenn die Mitarbeiterinnen zumindest Englisch gesprochen hätten. Nach dieser Wartezeit wurden wir von einer englischsprachigen Mitarbeiterin freundlich begrüßt und es wurde ein Kaltgetränk serviert.

Unser Zimmer im elften Stock bot einen Ausblick – sofern es der Smog zuließ – bis zum Platz des himmlischen Friedens. Die Betten waren, durch zwei aufeinander gelegt Matratzen, angenehm hoch. Das Zimmer war sauber und verfügten über eine, zumindest in einem kleinen Temperaturbereich verstellbare, Klimaanlage.

Die Badezimmer sind mit einem großen Waschbecken mit beleuchteten Spiegel, Fön, WC und Dusche ausgestattet. Handtücher sind ausreichend vorhanden. Allerdings sind die Handtücher imprägniert, was das Abtrocknen mehr zu einem Abreiben des Wassers umgestaltet.

Im Preis inbegriffen ist das umfangreiche Frühstücksbuffet. Dieses ist für chinesische und europäische Gäste ausgelegt. Alle Speisen sind beschriftet und werden regelmäßig nachgefüllt. Trotz der Standards wie Brot, Brötchen Croissants, Toast, Müsli, Würstchen, Schinken, frischen Obst, Aufschnitt und diversen Eier-Variationen habe ich mich vorwiegend an den chinesischen Speisen bedient. Hier habe ich auch die berühmten Urin-Eier probiert. Nach drei Stück war ich mir aber sicher, dass diese nicht weit oben auf meiner Favoritenliste landen werden. Neben Kaffee, Tee und Wasser werden täglich insg. fünf Säfte gereicht. Neben Orange und Apfel gab es eher Exoten wie eine Kiwi-Melone-Mischung, Granatapfel und Kumquat.

Als verstecktes Highlight des Hotels erwiesen sich im Nachhinein die zur Verfügung gestellten Einweg-Hausschuhe. Über den Rest der Reise (und auf unseren weiteren Reisen) wurden diese Hausschuhe durch meinem Vater und mich immer wieder gerne genutzt. Es handelt sich um perfekte Reisehausschuhe.

Bahnhof Peking

Bahnhof Peking

Die Stadt Peking verfügt über mehr als 50 verschiedene Bahnhöfe für den Zugverkehr. Die größte Bedeutung für Touristen haben der West-, Süd- und der Zentral-Bahnhof (bzw. Bahnhof Peking). Dieser Kopfbahnhof wird vorwiegend für Züge in die Mandschurei, nach Shanghai, in die innere Mongolei und als Start- bzw. End-Station der trans-mongolischen Eisenbahn genutzt. Zwei Schnellzugstrecken verkehren von hier, sodass der überwiegende Teil der täglich 120.000 bis 150.000 Reisende mit Gepäck anreist bzw. abfährt. Es verwundert somit nicht, dass der im sozialistischen Klassizismus erbaute Bahnhof großflächig angelegt ist.

Der Bahnhof befindet sich innerhalb der zweiten Ringstraße und ist gut mit Linie 2 der U-Bahn-Peking zu erreichen. Interessanterweise liegt der Ausgang der U-Bahn seitlich bzw. hinter dem Bahnhof. Zunächst führt der Weg somit automatisch zu den Nebengebäuden, in welchen sich die Schalter zum Fahrkartenverkauf befinden. Der Eingang des Bahnhofes befindet sich zwischen zwei Türmen (mit Uhr) und ist mittig im Gebäude untergebracht.
Geschätzte 15 Meter vor dem Eingang beginnen metallene Absperrgitter, welche zur Vereinzelung bzw. zur Bildung von Reihen führen. Hier patrouillieren Polizisten und Bahnmitarbeiter, welche sich sporadisch Pass und Fahrkarte zeigen lassen. Direkt hinter der Eingangstür ist das Gepäck in einen Durchleuchter zu legen. Ein Metalldetektor ist zu passieren. Anschließend ist jeder Reisende aufgefordert, sich auf eine 15 cm hohe hölzerne Kiste zu stellen, um nochmals – dieses Mal per Hand – mit einem Metalldetektor kontrolliert zu werden. Nach Kontrolle von Pass und Fahrkarte darf das Gepäck wieder in Empfang genommen werden. Es bleibt mir unklar, warum nun nochmal ein Metalldetektor zu durchqueren ist. Da hier keine Polizei mehr steht, gehe ich davon aus, dass diese Detektoren außer Funktion sind.

Der Eingangsbereich ist ein hoher, nahezu quadratischer Raum mit einer Galerie im ersten Stock. Der helle steinerne Boden ist in insg. neun Felder aufgeteilt, welche durch eine steinerne, braune, circa einen Meter breite Linie optisch getrennt sind. In der Mitte des Fußbodens findet sich ein grauer Kreis (geschätzt sechs Meter Durchmesser) mit einem Stern bzw. einer stilisierten Kompassnadel. Die braunen Farben der Streifen des Bodens setzen sich an den Wänden und den Säulen fort.

Zunächst fällt der Blick auf eine große Anzeigetafel in der Mitte des Raumes. Links und rechts davon führen jeweils drei Rolltreppen pro Seite in den ersten Stock. Über der Anzeigentafel ist eine Art Gemälde, welches von Werbebannern eingerahmt wird, angebracht. Unter der Anzeigentafel ist ein kleiner Informationsschalter zu erkenne (leider sprechen die Damen dort kein Englisch). Im Raum befinden sich mehrere Verkaufstresen mit Uhren und Schmuck. An den hinteren Ecken (in beiden Stockwerken) führen Gänge nach links und rechts. Im ersten Stock, entlang der Galerie, sowie an den Ecken im unteren Stockwerk sind Schaufenster von kleineren Geschäften und Restaurants sichtbar.

Die Orientierung im Bahnhof ist nicht einfach. Die Anzeigentafel springt alle zwei Minuten für circa 20 Sekunden, auf lateinische Schriftzeichen um. Ist die Gleisnummer ausfindig gemacht, steht die Herausforderung bevo,r dieses Gleis im Bahnhof zu finden. Einen Bahnhofsplan war nicht auffindbar. Die sporadisch angebrachte englischsprachige Beschriftung verweist auf den ersten Stock, um zu den Gleisen zu gelangen. Dort gab es das angezeigte Gleis nicht.
Meinem Vater ist es gelungen, den nicht englisch sprechenden Info-Damen klar zu machen, dass wir unser Gleis suchen. Diese verwiesen auf die Mitarbeiterin eines Fast-Food-Restaurants, welche uns schließlich die Richtung zeigte.
Die trans-mongolische Eisenbahn beginnt ihre Fahrt auf Gleis eins. Gleis eins ist unten, rechts.

Am Ende des Ganges befindet sich ein großer Wartesaal. Mülleimer sind ausreichend vorhanden – der Bahnhof ist sauber – die Toiletten im ersten Stock sind ebenfalls sauber und gepflegt. Die Preise der kleinen Shops sind günstig und somit bietet sich hier eine gute Gelegenheit, sich mit frischen Obst, Getränken und Instant-Nudeln für die Fahrt zu versorgen. Interessant ist es, die anderen Reisenden zu beobachten. Ich habe zuvor noch nie so häufig gesehen, dass Kinder auf dem Boden einer Wartehalle oder den Stühlen gewickelt wurden. Das scheint bzw. schien niemanden zu stören.

Der Eingang zu den Gleisen ist mit einer eisernen Tür verschlossen. An dieser Tür ist ein Schild befestigt, welches angibt, welcher nächste Zug (zu welcher Uhrzeit) einfährt. Sobald der Zug eingefahren ist und die Passagiere den Bahnsteig verlassen haben, werden die Reisenden, nach erneuter Pass und Fahrkartenkontrolle, auf das Gleis gelassen.

Hin und wieder patrouillieren Polizisten im Gebäude. Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass diese nicht nur das Gefühl von Sicherheit erzeugen, sondern vorwiegend auf der Suche nach geflohenen Nord-Vietnamesen sind. Peking ist zentrale Anlaufstelle, um von hier aus weiter nach Thailand zu gelangen.

Aus dem Zugfenster hatten wir einen guten Blick auf die weiteren Gleise bzw. Bahnsteige. Interessant sind die mittig über die Treppen gelegten Metallplatten. Diese werden genutzt, um das Gepäck über die Treppen zu ziehen. Eine kostengünstige und praktikable Lösung, mit unseren Sicherheitsstandards keinesfalls vereinbar.

Wangfujing-Straße

Wangfujing-Straße

Die Wangfujing-Staße (nahe der verbotenen Stadt) ist eine der bekanntesten und wichtigsten Einkaufsstraßen Pekings. An beiden Enden dieser Fußgängerzone befinden sich große Einkaufzentren. Links und rechts der Straße befinden sich Boutiquen aller international bekannten Designer, sowie der größten inländischen Handelsketten. Selbstverständlich fehlen hier nicht die großen internationalen Fast-Food-Anbieter und Peking-Duck, sowie größere Chinesische-Restaurantketten.

Kleinere Geschäfte verkaufen Souvenirs und dazu passende Gegenstände. Der Volksmund würde es als Nippes bezeichnen. Bezieht sich der Begriff Nippes (der Wortbedeutung nach) auf Kunstgegenstände, trifft der Begriff nicht zu. Es handelt sich vorwiegend um Plastik-Massenwaren. Hin und wieder sind Geschäfte mit tatsächlicher Kunst (wenngleich immer noch für den breiten Markt) zu finden.

Mittig der Straße befindet sich der Beijing Department Store. Dieser ist von außen leicht durch einen Turm (mit etwas Ähnlichkeit zu Big Ben) zu erkennen. Vis-a-vis befindet sich der Foreign Languages Bookstore. Neben CDs, DVDs und einem Kaffee kann man dort tatsächlich Bücher zu kaufen. Dabei haben die meisten Bücher einen engen Bezug zur China. Chinesische Geschichte, chinesische-Kochbücher und Sprachkurse dominieren das Angebot.

Am südlichen Ende der Fußgängerzone befindet sich die U-Bahn Station Wangfujing Subway.

Das nördliche Ende der Fußgängerzone bildet die bronzene Statue eines traditionell gekleideten chinesischen Mannes, welcher eine Rikscha zieht. Vor der Rikscha bildet sich gewöhnlich eine lange Schlange von offensichtlich Touristen, um sich in der Rikscha fotografieren zu lassen. Wie in der verbotenen Stadt war auch hier mein Vater ein beliebtes Fotomotiv.

Neben der eigentlichen Wangfuging-Straße verläuft westlich die Wangfujing snack street. Kleine Stände verkaufen Essen „auf die Hand“ bzw. zum Essen am Stand. Natürlich ist es hier Menschenüberladen. Vorwiegend essen dort Einheimische. Für ein Restaurant bzw. einen Imbisstand ist dieses immer ein gutes Zeichen. Als problematisch erweist sich, dass kaum jemand Englisch spricht. Somit ist es teilweise schwer zu erkennen, was nun genau an Essen verkauft wird. Frittierter Seestern, frittierte Seepferdchen am Spieß oder Skorpion sind zwar mit bloßem Auge zu erkennen. Eine Erklärung, welche Teile man davon essen kann, oder nicht, wäre hilfreich. Ich habe kaufte mariniertes Rindfleisch am Spieß. Mein Vater ist bzw. war der Überzeugung, dass es sich um Hundefleisch handelte. Was es auch war, es hat zumindest geschmeckt und keiner von uns ist daran erkrankt.

Der Empfehlung eines Reiseführers folgend besuchten wir auch „The Malls at Orient Plaza“. Diese Mall ist tatsächlich außergewöhnlich. Sie war nahezu menschenleer.

 

 

Chinesische Mauer in Badaling

Chinesische Mauer in Badaling

Ein Besuch Chinas ohne einen Besuch der Großen Mauer kommt einen Besuch von Paris ohne Eifelturm oder London ohne Big Ben gleich. Somit stand weit oben auf unserer Prioritätenliste. Der Ausflug hätte sich zu einer Enttäuschung entwickelt, wenn uns nicht aufgrund unserer Beschwerde der Fahrpreis vom Reisebüro in Deutschland zurück erstattet worden wäre.

Unsere Anforderungen waren klar. Keine „Kaffeefahrt“, keine zusätzlichen Kosten und viel Zeit an der Mauer. Bekommen haben wir das Gegenteil.

Nach einer kleinen Stadtrundfahrt (aufsammeln der anderen Mitreisenden) und einem Besuch in einer Jade-Fabrik (erster Verkaufsstopp – aber ich möchte nicht meckern, es gab gratis Wifi…)  und den Besuch der Ming-Gräbern führte uns die neu gebaute Autobahn (bekannt vom Radrennen der olympischen Spiele) nach Badaling.

Badaling

Badaling ist der am häufigsten besuchte Abschnitt der Mauer. Es handelt sich um (angeblich) den schönsten Teil. Es ist von Peking aus der nächst gelegene zugängliche Mauerabschnitt für Touristen. Promi- und Politiker-Fotos mit Mauerhintergrund entstehen typischerweise hier.

Unsere Führerin berichtete, dass sich die verschiedenen Tour-Anbieter absprechen, welchen Teil der Mauer sie an bestimmten Tagen besuchen würden. Wer nun denkt, dass verschiede Tour-Anbieter sich absprechen, dass nicht alle Touristen am gleichen Tag zum gleichen Abschnitt der Mauer kommen, der irrt. Es kommt zumindest der Verdacht auf, dass die Tour-Anbieter von den verschiedenen Orten Zahlungen erhalten, um die Touristen dort abzusetzen.

Der Touristenteil Badalings besteht aus einem großen Parkplatz, mehreren Restaurants und Souvenirläden. Ein Bahnhof war zu erkennen, ebenso ein Taxistand.

Eine Kabinenbahn führt zur Mauer. Hier entstehen Zusatzkosten von ca. 10 Euro. Ohne Kabinenbahn gibt es keine Möglichkeit zur Mauer zu gelangen. Unsere Wartezeit zur Bahn lag bei circa 45 Minuten.

Die Fahrt (circa zehn Minuten) war angenehm, obgleich die Mauer erst kurz vor Ender der Fahrt einsehbar ist. Die Seilbahn führt durch ein kleines Tal bzw. eine Schlucht. Die Mauer verläuft auf den Berggipfeln und ist durch die Talstruktur von unten nicht einsehbar.

 

Auf der Mauer

Der Weg vom Seilbahnausgang bis zur Mauer war durchgehend mit Personen verstopft. Für die ca. 3minütigen Fußwege gingen bereits 30 Minuten (von unseren insg. 105 Minuten) verloren. Der Weg ist leicht abschüssig und führt über mehrere Stufen. Beim herunterlaufen war zu erkennen, dass für den Rückweg ein längerer Zeitaufwand einzuplanen ist. Somit verblieben uns ca. zehn Minuten auf der Mauer. Maximal 25 Meter Bewegung, ohne erneut in einen Stau von Menschen zu geraten, waren möglich. Erfreulicherweise befindet sich neben der Mauer (über einen Trampelpfad zu erreichen) eine Toilettenanlage in guten Zustand. Selbstverständlich könnte man alternativ für umgerechnet 3-5 Euro die Toiletten im Tal benutzen. Nach den obligatorischen Mauerfotos benötigten wir ca. 45 Minuten zur Seilbahn. Mit 5 Minuten Restzeit erreichten wir als erste unseren Bus. Zehn Minuten später trafen die weiteren Teilnehmer ein. Die Stimmung war eher schlecht. Für alle war die Mauer als ein Highlight der Reise geplant, doch schlussendlich hatte man außer Gedränge nichts mitbekommen. Platzangst oder Angst vor großen Menschengruppen sollte hier niemand haben. Obgleich der Verkehrsverbund angibt, dass die Mauer von Rollstuhlfahrern und Menschen mit Gehproblemen besucht werden kann, sehe ich nicht, wie dieses in der Realität funktionieren sollte.

Rückfahrt:

Die Rückfahrt führte uns an einem völlig besucherfreien Teil der Mauer vorbei. Es war für uns alle unverständlich, warum wir nicht diesen Teil besuchten. Ebenso wäre es schön gewesen, hier kurz anzuhalten und noch ein paar Fotos zu machen – das wollte die Reiseleitung nicht.

Mit zunehmender Nähe zu Peking wurde der bisher blaue Himmel immer mehr braun und dunkel, bis wir schließlich wieder im Smog ankamen.

Zum Ende des Tagesausfluges wurde auch das Drängen der Reiseleiterin auf die rasche Rückkehr nach Peking deutlich: wir sollten in einem Teegeschäft teuren chinesischen Tee kaufen….

 

Ming-Gräber (Changling)

Ming-Gräber (Changling)

Kaum eine geführte Tour zur Chinesischen Mauer wird ohne einen Zwischenstopp an den Ming-Gräbern vonstatten gehen. Liegen diese Gräber nur 45 km von der Pekinger Innenstadt entfernt und somit auf halber Strecke zur Mauer.

Die ursprüngliche Lage orientierte sich nicht an der Nähe zur Mauer, sondern zu einem nach den Feng-Shui-Gesetzen gelegenen Ort nahe des Regierungssitzes der Ming-Kaiser. Am Ort der Grabanlage wurde ein Platz gefunden, der zum einen die ausreichende Fälsche bietet und zum anderen nördlich von Bergkette auf drei Seiten umschlossen wird. Somit sind die Gräber vom „böse Geister bringenden Nordwind“ geschützt.

Die am Fuße des Tianshou Berges gelegene Anlage erstreckt sich auf eine Fläche von 80 km². Heute sind einzelne Gräber für Besucher zugänglich, zumindest die überirdisch gelegenen Bauten. Die Anlage wurde 2003 in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Trotz dieses Titel und der touristischen Bedeutung überrascht der teilweise schlechte und ungepflegte Zustand der Anlage. Ebenso ist die Qualität des Museums im „Haupthaus“ nahezu unerklärlich. Die Präsentation entspricht einem Schulprojekt einer 9 Klasse, das maximal eine zwei minus erhalten hätte. Die Poster sind auf Holzwände geklebt. Teilweise mit Kuli beschriftet. Beim genaueren Hinsehen sind Klebstoffreste an den Rändern der Exponate zu erkennen. Alles in allem lieblos…

Möglicherweise hatten wir einfach Pech, dass wir die Grabstätte Changling besucht haben. Gerüchten zufolge soll die Dingling Grabstädte die schönere sein. Diese hat den Nachteil, dass sie für Menschen mit Herzproblemen und Problemen mit dem Bewegungsapparat nicht empfehlenswert ist. Für Rollstuhlfahrer ist diese Grabstädte nicht besuchbar. In Changling ist dieses, zumindest von den technischen Gegebenheiten, möglich.

Changling:

Die Grabanlage besteht aus drei Höfen. Im ersten Hof ist ein Pavillon mit Gedenkstein zu sehen. In diesem Hof wurden früher Opfergaben zubereitet. Heute stehen  hier Blumen und schattenspendende Obstbäume.

Im zweiten Hof befindet sich ein neun räumiges Gebäude mit der Halle des Segens. Erbaut ist diese Halle aus Holz und beinhaltet 32 große hölzerne Säulen. Die vier größten Säulen haben einen Durchmesser von 1,17 cm. Jede Säule besteht aus einem einzigen Stamm,der in einem Zeitraum zwischen 4 bis 6 Jahren aus dem Süden Chinas zu seinem Bestimmungsort gebracht wurde. In der Vergangenheit waren die vier größten Säulen mit goldfarbenen Lotusblüten verziert.

Hinter diesem Gebäude, im dritten Hof, befinden sich der  mit Kiefern und Zypressen bewachsene Grabhügel und der dritte Hof, welcher von einem Gebäude mit Aussehen eines Festungturmes. Dieses ist der Pavillon der Klarheit, welcher einen Grabstein mit der Inschrift „Grabstein des Kaisers Chengzu“ beinhaltet.

Trotz der bereits erwähnten Schwachstellen der Anlage ist es ein schöner Zwischenstopp auf dem Weg zur Mauer. Vorsichtig sollte man jedoch beim Warten auf den Bus sein. Hier haben sich fliegende Händler darauf spezialisiert, Touristen über´s Ohr zu hauen und vor allem die Unkenntnis im Wechselkurs und in der Art der Geldscheine  auszunutzen. Von den Mitfahrern in unserem Bus kaufte ein Italiener 3 Äpfel für umgerechnet 8 Euro und bekam dazu einen nicht gültigen Geldschein zurück.

Neben (angeblich) frischem Obst werden Getränke (keine Flaschen, sondern geschöpft in Bechern) und Plastikspielzeug von diesen Händlern angeboten.