Fähre: Helsinki – Tallin

Fähre: Helsinki – Tallin

In Helsinki wechseln wir das Transportmittel. Nach Flugzeug, Bus, Zug und Metro wird es maritim. Per Fähre geht es nach Tallinn.

Am frühen Morgen verlassen wir unser Hostel, um uns auf die Suche nach dem Fähranleger zu begeben. Die Beschreibung im Internet ist dürftig und die Karte gibt keine Auskunft, welche der beiden möglichen Anlegestellen die Richtige ist. Es ist ein schöner Morgen und wir brechen zu Fuss zur ersten Mole auf. Sollte diese nicht die richtige sein,  ist es Möglichkeit Zwei in weiteren 500 Metern. Glücklicherweise führt der Weg bergab und wir erreichen früher als gedacht die erste Anlegestelle. Kein Schiff zu sehen, nach 200 Meter Fußmarsch entlang des Anlegedammes verrät ein Schild: wir sind richtig.

Das Reisezentrum ist klein. Es bietet ein kleines Cafe, das Frühstück ist somit geregelt. Beim Herannahen des Schiffes werden die Zugänge für Fußgänger-Passagiere freigeschaltet. Nach 15 Minuten Wartezeit im Gang betreten wir über eine lange Gangway das Schiff. Uns wundert: keine Sicherheitsüberprüfung des Gepäcks.

Unsere Taschen sind schnell in der Gepäckaufbewahrung auf Deck 7 verstaut. Wir sichern uns zwei Plastikstühle am hinteren Ende des Schiffes. Von dort aus beobachten wir die Ausfahrt und spätere Einfahrt der LKWs, Wohnmobile und PKWs.

Wir haben uns den besten Ausblick gesichert. Es folgt die Ausfahrt aus dem Hafen Helsinki. Diese Ausfahrt gilt als eine der schönsten in Europa und führt an kleinen Inseln, Leuchttürmen etc.

In der von uns gebuchten Holzklasse „Star-Class“ sind die Sitze nicht nummeriert. Im PUB Seaport, auf Deck 7, finden wir ausreichend freie Plätze vorhanden. Hier essen wir die zuvor in Helsinki gekauften und zubereiteten belegten Brote. Alternativ stehen auf Deck 8 warme Speisen in einem Buffet  und Alla-Card-Restaurant gegen Bezahlung zur Auswahl. Deck 8 bietet zusätzlich einen Snack-Pint mit Getränken, Salaten und Sandwiches. Auf Deck 9 künden Bauarbeiten von der Eröffnung eines Burger-Kings.

Vorbei am Kinderspielzimmer Tivoli geht es in den Einkaufsbereich. Eine Parfümerie, ein Laden für Sonnenbrillen/Accessoires und ein 1.500 m² Supermarkt mit den Schiffsklassikern Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Spielwaren, Souvenirs und Lebensmittel animieren zum Geldausgeben. Uns locken die finnischen Süßigkeiten als beliebtes Mitbringsel. Wir kaufen Lakritz-Pfeifen. Wäre uns bekannt gewesen, dass diese vor einem Verbot stehen, wir hätten deutlich mehr davon mitgenommen.

Die 90 bis 110 Minuten auf dem Wasser sind schnell um. Nach drei bis vier Minuten mit Sicht auf Land kündet ein großer Luftballon die Einfahrt in den Hafen Tallinn´s an. Schnell das Gepäck geholt und durch den Ausgang vis-a-vis der Gepäckausgabe geht es raus nach Tallinn. Erneut, für uns zwischenzeitlich ungewohnt,  ohne jegliche Sicherheitsüberprüfung.

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Pünktlich um 23:10 Uhr verlassen wir im Nachtzug „Tostoy“ Moskau. Zwei Stunden später werden wir in Tver halten und um 05:46 Uhr St. Petersburg erreichen. Kurz überlegen wir, ob wir das Transsib-Ritual mit einem Ausstieg an jedem Bahnhof in diesem Zug fortsetzen. Schlaf ist mir wichtiger, Haltestelle Tver wird verschlafen. Bahnhof St.Petersburg  hat in Regen, Dunkelheit und Kälte nichts zu bieten. Mein Vater läuft kurz auf den Bahnsteig. Ich halte nur einen Fuß nach draußen und bin nach wenigen Sekunden wieder in meiner „Koje“.

Zwischen Wyborg und Vainikkala erwartet uns der Grenzübertritt in Buslovskaya. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt die Passkontrollen, sowie die Schließung des Restaurants für den Zeitraum des Übertrittes an. Die Kontrolle findet im Zug statt. Auf russischer Seite sind die Grenzer freundlich und erledigen die Passausgabe in wenigen Sekunden. Überraschenderweise sprechen die Grenzer englisch und verabschieden sich mit einem Deutschen „Auf Wiedersehen“. Die Lautsprecherdurchsage mahnt, dass das Aussteigen aus dem in unmittelbarer Grenznähe teilweise mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Zug unter allen Umständen zu unterlassen ist. Die russische Seite der Grenze ist Sperrgebiet, eine mehrjährige Freiheitsstrafe droht und im Ernstfall wird von der Schusswaffe gebrauch gemacht. An der tatsächlichen Grenze patrouillieren Hundeführer mit Deutschen Schäferhunden den Zug von außen. Für diesen Zweck ist extra ein kleiner Weg zwischen den einzelnen Gleisen angelegt. Der Zugang und Abgang zum Bahnhof ist für Fußgänger durch einen mit Stacheldraht gesicherten Weg möglich.

Die finnischen Grenzer kotrollieren uns eher nachlässig. Lediglich das Passfoto meines Vaters wird besprochen. Den Grenzern scheint es ungewöhnlich, dass der auf dem Bild vorhandene lange weise Bart zwischenzeitlich deutlich gekürzt ist. Der finnischen Sprache nicht mächtig verstehe ich nur die Worte „Santa Claus“.

Einerseits freuen wir uns wieder in Europa zu sein. Andererseits wirken die Sicherheitsvorkehrungen hier – im Vergleich zu China und Russland – deutlich lascher. In Anbetracht von Terror und der aufkommenden Flüchtlingsgriese für uns zu lasch.

Der Zug fährt mit den Zwischenstationen in Kouvola und Lathi durch eine beeindruckende Landschaft mit viel Wald und Seen. Teilweise fahren wir über einen Bahndamm zwischen größeren Seen an beiden Seiten vorbei. Die Haltestellen in Tikkurila und Pasila sind Industriell geprägt. Holzindustrie, Speditionen, große Hallen und Einkaufscenter sind links und rechts der Strecke immer wieder zusehen. Uns fallen die Bahnhofsbezeichnungen in den zwei Amtssprachen auf.

Um 12:27 Uhrfahren wir pünktlich in Helsinki ein.