Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Busfahrten: Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau

Den schlechten Zugverbindungen zwischen den Hauptstädten des Baltikums geschuldet, erledigen wir die nächsten Teilstrecken per Bus. Die Zug-Alternative über Weißrussland war zum damaligen Zeitpunkt, visabedingt, keine Option.

Nahezu scheiterte unsere Fahrt mit dem Busunternehmen ecolines an Weißrussland. Der Streckenverlauf im Internet zeigte eine Durchfahrt durch weißrussisches Gebiet. Eine Anfrage beim Unternehmen klärte dieses und verleitete das Unternehmen, ihren Internet-Streckenplan abzuändern.

Tallinn – Riga

In Tallinn hieß es nun zunächst zum Busbahnhof zu gelangen. Die Haltestelle des Linienbusses im Hafenbereich war schnell gefunden. Leider kein Fahrkartenautomat. Mein Vater stieg in den hinteren Teil des Busses und ich wollte beim Fahrer eine Fahrkarte kaufen. Dieser sprach ausschließlich russisch. Meiner Aussage, dass ich kein russisch verstehe, beantworte er mit einem „Fuck off“, schloss die Tür und fuhr los. Wenige Meter später, mein Vater verschaffte sich lautstark Gehör, stoppte er und öffnete die hintere Tür. Auf meine E-Mail an Tallinns Verkehrsverbund erhielt ich die freundlich Rückantwort (auf Deutsch), dass der Fahrer „come in“ sagen wollte. Mein Angebot, die Fahrtgebühr zu überweisen, wird abgelehnt.

Bushaltestelle Tallinn punktet mit bequemen Sitzen, sauberen Toiletten und einem kleinen Kiosk mit u.a. englischsprachigen Zeitungen und frisch belegten Sandwiches.

Eine Streckenführung entlang der Küste führt uns mit kurzen Zwischenhalt in Parnu (kleiner Busbahnhof mit leckerem Eis) nach Riga. Die 315 km sind in 4:05 Stunden hinter uns. Dem rüden Fahrstil des Fahrers zu verdanken erreichen wir somit 20 Minuten vor dem Zeitplan unser Ziel.

Die Sitze des Busses erinnern an Flugzeugsitze. Ein Klapptisch und ein Bildschirm mit teilweise kostenlosen Filmen sind in jeden Sitz integriert. Jede Busstrecke bietet stets gratis Kaffee und gratis Wifi an. Mein Bildschirm und das Bus-Wifi funktionieren nicht. Mein Sicherheitsgurt ist defekt und beim Greifen nach den Gurt schneide ich mich am Metall. Das Unternehmen reagiert mit einer nichtssagenden Standardmail auf unsere Beschwerde.

Riga – Vilnius

Rigas Busbahnhof liegt zentral zwischen Hauptbahnhof und dem Fluss Düna. Linkerhand am kleinen Kanal, welchen wir im Rahmen unserer Bootsfahrt durchfuhren. Spät in der Nacht beziehungsweise sehr früh am Morgen ist das Haltestellengebäude verschossen. Wir warten in den gut beleuchteten Unterständen des Terminals. Gottseidank ist es Sommer und noch angenehm warm.
295 km sind in 4:04 Stunden zurückgelegt. Die Fahrt in der Nacht bietet optisch keine Höhepunkte. Um 05:00 Uhr früh vertreten wir uns in Panevezis kurz die Beine, für Raucher ist es eine willkommene Rauchpause. Unser klimatisierter Bus bietet dieses Mal keine Bildschirme in den Sitzen, aber funktionierendes Gratis W-Lan.
Der über der Stadt gelegene Busbahnhof  Vilnius Autobusu stotis ist um 06:30 Uhr erreicht.

Vilnius – Warschau

Um 22:15 Uhr beginnen wir unsere letzte Busfahrt der Reise. In 08:40 Stunden  wartet Polens Hauptstadt auf uns. Um 23:40 Uhr erreichen wir Kaunas, eine Stunde später das polnische Suwalki. Nach zwei Stunden Fahrt mit etwas Schlaf auf den dieses Mal unbequemen Sitzen (kein Entertainment System, Rückenlehnen-Verstellung defekt) erfolgt ein Zwischenstopp in Bialystok. Durch die für fünf Minuten geöffneten Türen zieht die Kälte in den Bus, die nächsten Stunden bis zur Ankunft um 05:55 in Warschau friert es uns leicht.  In Warschau hält der Bus seitlich zum Hauptbahnhof. Es ist eine Parkbucht an der Straße und kein Busbahnhof. Schnell wird uns unser Gepäck in die Hand gedrückt und der Bus fährt weiter. Für uns heißt es nun Zeit totschlagen, bis wir unsere Taschen im Hotel abgeben und am Nachmittag das Zimmer beziehen.

Riga / Lettland

Riga / Lettland

Riga
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Die Gründung der Stadt Riga geht ins Jahr 1201 n.Ch. zurück. Bischof Albert von Buxhoevede aus Bremen gründete die Stadt.

Riga –heute
Riga ist heute, mit ca. 1 Mil. Einwohner in der Metropolregion, die größte Stadt des Baltikums.
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Jugendstilbauten
Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilbauten

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Der Stadt ist es gelungen, die Altstadt mit großzügigen Anlagen und alten Gebäuden zu erhalten.

Fernsehturm
Mit 368,5 Metern ist der Fernsehturm das höchste Bauwerk der Stadt. Auf 137 Metern befindet sich ein Aussichtsplattform, welche jedoch nicht immer zugänglich ist. Auch das auf 93 Metern gelegene Restaurant „Windrose“ ist zwischenzeitlich geschlossen. Und ich persönlich finde ihn „potthässlich“.

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Akademie der Wissenschaften

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Sie möchten einen guten Rundumblick über Riga genießen? Hierzu empfehlen wir das Hochhaus der Wissenschaftsakademie.

Rundumblick

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Riga ist nicht nur eine Touristenziel und eine Verwaltungsstadt. Gleichzeitig auch das Zentrum der industriellen Produktion des Landes. Mehr als 50% aller Arbeitnehmer sind in Riga aktiv. Im Hintergrund ist der Hafen zu erkennen. Zunehmend landen hier auch Kreuzfahrtschiffe an. Ebenso ist die Stadt Anlaufpunkt für Fährverbindungen.
Im Vordergrund ist der Zentralmarkt zu erkennen. Die markante Gebäudeform geht auf zwei Luftschiffhallen zurück, welche zur Errichtung des Marktes 1922 gekauft wurden. In den 1930er Jahren galt der Markt in Riga als einer der größten und modernsten in ganz Europa.
Riga liegt am Unterlauf der Düna. Die Düna teilt die Stadt und ist ein guter Orientierungspunkt für Touristen, da sich die gesamten Sehenswürdigkeiten immer auf der gleichen Seite der Düna befinden.

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Seit 1997 steht Riga auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Aufgrund der Pläne für eine Stadtentwicklung auf der Linken Dünasteite (Errichtung von Hochhäusern) ist dieser Titel jedoch aktuell in Gefahr. Die visuelle Integrität des Stadtbildes sei durch die Umsetzung gefährdet. Selbstverständlich müssen die 700.000 Bewohner der Hauptstadt auch irgendwo wohnen.

Oper
Das im neoklassizistischen Stil erbaute Opernhaus wurde zwischen 1860 und 1863 errichtet. Zunächst war es als „Deutsches Theater“ geplant. 1882 zerstörte ein Feuer das Gebäude. Seit 1919 ist es Sitz der Lettischen Nationaloper.
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Pulverturm
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Am Ende der „touristischen Altstadt“ befindet sich der Pulverturm. Er diente einst, wie der Name bereits verrät, als befestigtes Schießpulverlager. Heute findet man im Turm das Lettische Kriegsmuseum.

Freiheitsdenkmal
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Eines der bekanntesten Denkmäler der Stadt ist unbestritten des Freiheitsdenkmal. Es wurde durch Spenden der Bevölkerung errichtet. Das Denkmal blieb während deutscher und sowjetischer Besatzung unberührt. Es gab Versuche das Denkmal abzutragen (Sowjetzeit). Angeblich war es baufällig und somit eine Gefahr für den Autoverkehr. Der damalige Bürgermeister verlängerte daraufhin kurzerhand die Fußgängerzone um das Freiheitsdenkmal herum und konnte somit das Bauwerk retten.
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Am Sockel des 19 Meter hohen Obelisken findet man die lettische Inschrift  „ Für Vaterland und Freiheit“. Die 9 Meter große weibliche Figur soll als Symbol für die Selbständigkeit Lettlands dienen. Die drei Sterne verkörpern die drei historischen Regionen des Landes.

Petrikirche
Nach einer alten Überlieferung sollte ein Glas vom Kirchturm geworfen werden. Die Anzahl der Scherben würde dabei  Weissagen, wie viele Jahrhunderte der Turm stehen würde. Beim zweiten Wiederaufbau fiel das Glas in einen Strohhaufen und zerbrach lediglich in zwei Teile.  Die markante Turmform (aus Eisen gefertigt) ist auf Überlegungen zum Brandschutz zurückzuführen.
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Wassergraben
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Entlang des Wassergrabens der ehemaligen Stadtbefestigung befindet sich ein ca. 3 km langer Park. Wassergraben und Fluss können in einer ca. 1 stündigen Bootsfahrt erkundigt werden. Ebenso können Ruderboote und Tretboote geliehen werden.

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Allerdings stimmen die auf Flyern und der Homepage angegeben Abfahrtszeiten nicht immer mit der Realität überein. Wir empfehlen Ihnen direkt an der Anlegestelle (an der Oper) nachzufragen. Nutzen Sie die eventuelle Wartezeit für einen Spaziergang durch den Park.

Wenn Sie an einer Bootstour teilnehmen, werden sie ca. 35 Minuten auf der Düna verbringen und 20 Minuten auf dem Wassergraben. Es ist ein entspannte Bootstour und den (für Riga) relativ hohen Preis wert.