Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Moskau Bahnhof / „Platz der drei Bahnhöfe“

Drei der acht Moskauer Fernbahnhöfe liegen direkt nebeneinander. Der Komsomoskaja-Platz, im Volksmund „Platz der drei Bahnhöfe genannt“, war für uns entscheidender Ankunfts- und Abfahrtsort.  Im nordöstlichen Teil Moskaus gelegen ist der Platz mit der U-Bahn gut zu erreichen. Unsere Transib-Fahrt endete am Jarsolawer Bahnhof, nach Helsinki starten wir am Leningrader Bahnhof.

Gegen 19:00 Uhr, mit Sonnenuntergang, erreichten wir Bahnhof Leningrad. Bis zur Abfahrt 23:10 Uhr heisst es nun  Zeit totzuschlagen. Zunächst wollen wir unser Gepäck zur Aufbewahrung bringen. Um das Gebäude zu betreten, folgte eine aus Peking bereits bekannte Prozedur. Gepäck in den Durchleuchter geben, Metalldetektor passieren, nochmals mit Handdetektor abgetastet werden, Pass vorzeigen und anschließend Gepäck in Empfang nehmen.

Die in Marmor gehaltene Eingangshalle bietet ein verglastes Reisezentrum und eine zwischen kyrillisch und lateinischer Schrift wechselnde Anzeigetafel. Die Beschilderung ist neben kyrillisch ebenfalls in lateinischer Schrift und mit Piktogrammen gekennzeichnet.

Im zweigeschossigen Keller finden wir eine schlecht ausgeschilderte Gepäckaufbewahrung. Das System ist, trotz Video, unverständlich. Zunächst wird das Gepäck gewogen, mit dem ausgedruckten Beleg anschließend ein neues Ticket mit Nummer und Strichcode gekauft. Hier ist zu wählen, wie lange das Gepäck aufgegeben wird. Auf der anderen Seite des Ganges wird die Drehschleuse mit diesem neuen Ticket passiert. Das Gepäck wird in ein Schließfach gegeben und die auf dem Ticket angegebene Nummer ins Schließfach eingegeben. Mit dieser Nummer kann das Schließfach, im Rahmen der gekauften Zeit, wieder geöffnet und geschlossen werden.

Die große Bahnhofshalle ist rechterhand im dritten Stock mit allerlei Restaurants und Cafe´s bestückt. Durch eine große Glasfront sind diese von der Halle getrennt. Kurz unter dem durch Quadern, nahezu wellenförmige aussehenden, bestehenden Dach verläuft rund eine Glasfront, die den Bahnhof hell erscheinen lässt. Im unteren Stockwerk sind neben den Eingängen zu den Restaurants  kleiner Fastfoodstände  und Souvenirgeschäfte untergebracht. In der Mitte der Halle kann an kleineren Verkaufsständen Schmuck und Elektronik gekauft werden.

Im zweiten Stock führt seitig ein Gang entlang. Nach meiner Erinnerung finden sich dort keine Geschäfte. Für uns ist der zweite Stock der Zugang zu den Wartehallen. Dort essen wir belegte Brote und Gurken, die wir im gegenüberliegenden Einkaufszentrum auf dem Hinweg noch schnell eingekauft haben. An den Getränke- und Süßwaren-Automaten  investieren wird unsere letzten Rubel-Münzen. Die Wartezeit ist auch dank Gratis-Wlan (leider langsam und auf eine Stunde begrenzt) recht erträglich.

Gegen 22:50 Uhr geht es zu den Gleisen. Die Gleise des Kopfbahnhofs sind durch eine elektronische Schiebetür verschlossen. Erst nach Einfahrt des Zuges ist die jeweilige Gleisanlage betretbar. Vor der Gleisanlage muss noch einmal eine Sicherheitsschleuse durchlaufen werden. Dieses Mal ist neben Pass auch das Ticket vorzuzeigen.

Manege-Platz (Manezhnaya)

Der Manege-Platz (Manezhnaya) verbindet den Roten Platz mit der vielbefahrenen Tverskaya Straße.

Er ist Metro-Knotenpunkt mit drei U-Bahn-Stationen: Okhotny Ryad, Ploshchad Revolyutsii und Teatralnaya. Neben diesen drei Bahnhöfen ist in unmittelbarer Nähe ein weiterer zentraler Bahnhof. Der Alexandrowski Sad, einziger unterirdischer Moskauer U-Bahnhof mit zwei Seitenbahnsteigen anstatt des sonst üblichen breiten Mittelbahnsteig.

Auf dem Manege-Platz wird zum Zeitpunkt unseres Besuches ein Markt mit Fürchten, Gemüse und Brot abgehalten. Am Rande des Platzes bieten Händler T-Shirts mit dem Abbild Putins und allerlei Matroschka -Figuren an.
Benannt ist der Platz nach dem 180 Meter langen im klassizistischen Stil erbauten Gebäude, der ehemaligen Reitschule eines Infanterieregiments. Heute beinhaltet dieses Gebäude eines der größten kulturellen Ausstellungskomplexe Moskaus.
In Kremlrichtung ist über der unterirdischen gelegenen Shopping-Mall Ochotny Rjad eine rotierende Kuppel angebracht. Diese Kuppel ist eine Weltzeituhr (nördliche Hemisphäre) mit Kennzeichnung der wichtigsten Städte der Welt. Aus den unter der Kuppel verlaufenden Uhrzeitband ist die jeweilige Uhrzeit ablesbar. Umgeben ist die Kuppel mit einem kleinen Fontänen beinhaltenden Wasserbecken.

Das ehemalige Flussbett des Neglinnaja Flusses ist durch eine großflächige Brunnenanlage nachgebildet. Zentraler Punkt dieser Anlage, an welcher diverse Figuren aus russischen Märchen angebracht sind, ist ein Brunnen mit vier Pferden. Nach langer Internetrecherche habe ich herausgefunden, dass es der Voskresenskiy Brunnen ist, was übersetzt Vier-Jahreszeiten bedeutet. Der Brunnen ist von Z. Tsereteli gestaltet, welcher ebenfalls für das Denkmal für Peter den I. verantwortlich ist und gerüchtweise federführend am Design des  Euro-Disneyland in Paris mitwirkte.
Östlich des Platzes steht das Hotel Moskau. Auffällig ist die unterschiedliche Bauart der Ecken der Hauptfassade. Die bekannteste Geschichte hierzu lautet, dass Stalin eigenhändig Zeichnungen an den Entwürfen zum Gebäude vornahm. Dieses auf einer Seite des Planes. Keiner der beteiligten Personen traute sich nachzufragen, könnte es doch als Kritik verstanden werden, Stalin habe die andere Seite vergessen oder übersehen. Heute ziert das Gebäude das Label der Wodkamarke Stolichnaya .

Vom Rand der Tverskaya Straße ist die Duma, das russische Parlament, zu sehen. Für uns ist es der Startpunkt der hop-on-hop-off Stadtrundfahrt.

 

 

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Unterhalb des Roten Platzes liegen der Manegeplatz sowie der an die nordwestliche Kremlmauer anschließende Alexandergarten.
Will man in den Kreml führt der Weg unweigerlich durch den Park zum Ticketcenter in der Mitte der Parkanlage. Seitlich wird der zur Straße führende Steg am Kuafya Turm, nach Sicherheitskontrolle, betreten.
Durch ein großes eisernes Tor gehen wir in den Alexandergarten, um zum Ticketverkauf des Kremls zu gelangen. Das Fundament des zum Gedenken an des an den Sieg über Napoleon erschaffene Tores besteht aus dem Schutt der im Rahmen der französischen Besatzung zerstörten Moskauer Häuser.
Der Park ist in drei Abschnitte untergliedert.
Am Eingang des Parks befindet sich das Grab des unbekannten Soldaten mit einer ewigen Flamme. Im Grab finden sich die Gebeine eines einzelnen, an der Kilometermarke 41 der Leningradskoe Straße gefallenen, Soldaten. Kilometer 41 repräsentiert die kürzeste Entfernung zwischen Moskau und den vorrückenden Truppen des Dritten Reiches. Das Grab wird durch eine Ehrengarde bewacht, welche in der Vergangenheit für die Bewachung bzw. Ehrenbezeugung am Lenin-Mausoleum Zuständigkeit zeichnete.
Unterhalb des mitteleren Turmes des Kreml-Arsenals sehen wir den Nachbau einer Grotte. Vor dieser Grotte ist ein Obelisk aufgestellt. Ursprünglich waren auf dem Obelisken alle Zaren der Romanov-Ära und die Wappen der russischen Provinzen aufgelistet. Lenin ließ den Obelisken umarbeiten und die Namen von 19 Persönlichkeiten des Kommunismus und Sozialismus einarbeiten. Ein schmiedeeiserner Zaun (oder Gitter) trennt diesen Parkabschnitt vom nächsten. In diesem Zaun sind verschieden Gesichter tragende Zweigbündel eingearbeitet. Meiner Interpretation nach handelt es sich um Fasces, Amtssymbole der höchsten Machthaber im Römischen Reich. Der Zaun dient weniger der Abgrenzung, sondern ist dem Gedenken des Sieges über Napoleon gewidmet
Der mittleren Teil, der sich durch gepflegte Grünflächen und großflächige Blumenarrangements auszeichnenden Parkanlage, wird durch den Kuafya Turm, den Eingang zum Kreml, dominiert. Ein einstöckiges, mit großen Glasflächen versehendes, Gebäude dient der Verkauf der Eintrittskarten. Wir sind frühzeitig dort und müssen somit lediglich 30 Minuten warten. Schneller wären wir vorangekommen, wenn die mitanstehenden Personen die umfangreichen Aushänge bzw. Anzeigen auf den Monitoren beachtet hätten. Preise und Umfang der verschiedenen Angebote (mit Arsenal oder ohne, Einzel/Gruppe, Student/Rentner/Behinderte oder Vollzahler) sind umfangreich beschrieben. Unbegreiflich, dass jeder italienische Besucher (bzw. italienisch sprechend) es sich nochmals von den Verkäufern erklären ließ. Wer davon ausgeht, dass die Erklärung an sich zwei hinter einander stehenden Personen aus Italien ausreichen würde, der irrt. Der oder die nächste Italiener/in ließ sich das gleiche nochmals erklären. Natürlich könnte es Zufall sein. In 30 Beobachtungsminuten, acht Beobachtungen, an acht unterschiedlichen Ticketschaltern zeigt uns jedoch ein deutliches Bild.
Der untere Teil der Parkanlage endet am Borovitskaya Turm, einen von zwei Fahrzeugzugängen zum Kreml. Dieser Teil wird augenscheinlich mehr von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt frequentiert und dient der Erholung. Durch den Besucherausgang verlassen wir den Park und laufen über die darüber verlaufende Straße zurück, entlang der heute als Kunstausstellung dienenden Manege, zum Manegeplatz.

Metro Moskau

Metro Moskau

Mancher Tourist fährt nur deshalb mit Moskaus Metro, weil diese als eine der prachtvollsten öffentlichen Verkehrsmittel weltweit gilt. Für diese Touristen ist die eigentliche Fahrt mit den häufig heillos überfüllten Zügen nur Mittel zum Weg, um die mit hochwertigen Marmor, prächtigen Stuckdeken und Mosaiken verzierten Wartehallen der U-Bahn Stationen zu erreichen. Die schönsten Stationen (meiner persönlichen Meinung nach) sind Novokuzneskaya (eine Station mit großen Deckenmosaiken und Buntglasscheiben), Komsomolskaya (mit Goldmosaiken), Kropotkinskaya (Granit und Marmor mit einer klaren Formensprache) und Kievskaya (eine Station mit Mosaikbildern, die der Freundschaft Russlands und der Ukraine gewidmet ist).

Wie täglich sieben Millionen Russen nutzen wir die im 90 Sekunden Takt fahrende Metro vorwiegend zum Zwecke der Fortbewegung. Mit einem Fahrpreis unter einem Euro die preisgünstigste Alternative, um lange Fußwege zu vermeiden.
Die 1935 eröffnete Metro hat 12, farblich voneinander getrennte, Linien mit über 200 Stationen. 331,5 km Strecke, auf welcher Rauchen, das Trinken von Alkohol und das Mitführen von Fahrrädern verboten ist.

Zum Fahrkartenkauf stehen Automaten und an den meisten Stationen Kassenstationen bereit. Eine Fahrkarte ist, nach Entwertung in der elektronischen Zugangsschranke, 90 Minuten gültig. Neben Einzelfahrten sind Universaltickets mit entweder einer definierten Anzahl an Fahrten (1 bis 60) oder Tagen (1 bis 365) preisgünstig zu erwerben. Nahezu jeder Gleiszugang der Metro ist an irgendeiner Stelle mit Metalldtektoren versehen. Häufig konnten wir feststellen, dass diese entweder aufgeschaltet waren oder es dem Sicherheitspersonal egal ist, ob Personen neben den Detektoren vorbeiging.

Die Orientierung gestaltet sich ambivalent. Der Streckenplan ist neben kyrillischer auch in lateinischer Schrift abgedruckt. Die Wegweiser der Metro, häufig sind lange Strecken zurückzulegen, sind auf russisch. Schnell lernten wir und zumindest die ersten drei Buchstaben des Wortes zu merken und uns somit die Orientierung zu erleichtern. Unabdingbar ist es sich den Namen der Umsteigestation und die entsprechende Nummer der gewünschten Linie zu merken. Umsteigestationen haben, je nach Linie, unterschiedliche Namen.

Alle Stationen verfügen über die aus Deutschland bekannten blau-roten Info- und Notrufsäulen. Videokameras sind auf allen Bahnhöfen und zumindest auch in den Wagen der Ringlinie und Linie 1 vorhanden.

Die Zügen verfügen Gratis-Wlan, welches sich selbst ohne Kenntnis der kyrillischen Schrift mit etwas ausprobieren einstellen lässt. Alle Züge, aber nicht alle Stationen, verfügen über W-Lan-Empfang.

Die eingesetzten Züge sind ausschließlich russischer Bauart und unterscheiden sich je nach Linie vorwiegend durch das Baujahr. Alle Züge haben seitlich an den Aussenwänden angebrachte lange Bänke. Sichtbar sind diese Züge auf den Transport großer, stehender, Menschenmengen ausgelegt.

Kaum haben wir einen gut besetzen Zug betreten, stehen zwei bis drei junge Russen auf, um meinem Vater einen Sitzplatz anzubieten. Ich bin die meiste Zeit stehen geblieben und habe versucht, das System des Aufstehens und Sitzplatzanbietens zu verstehen. Persönlich hätte ich eine Rangordnung wie beispielsweise: Gebrechliche und schwangere Frauen, ältere Frauen, ältere Männer und Frauen mit kleinen Kindern erwartet. Sichtbar ist dieses nicht der Fall. Meine erste Intention war es, dass ggf. Touristen ein Platz angeboten wird. Nachdem wir häufiger auf russisch angesprochen wurden, kann ich nahezu ausschließen, dass wir sofort als Touristen erkennbar waren. Möglicherweise existiert eine Rassen-Komponente. Je mehr die Gesichtszüge vom europäischen abwichen, umso seltener wurde ein Platz angeboten. Natürlich kann diese Beobachtung auch nur Zufall sein.
Anmerkung des Vaters: ich fand diese Geste einfach nur nett und freundlich und habe den angebotenen Platz gerne angenommen.

Auf den Bahnsteigen finde ich einen neuen Favoriten für den eintönigsten Job der Welt. Vor jeder längeren Rolltreppe ist ein Unterstand (zwei Telefonzellen groß) aufgestellt. Darin ein Stuhl und auf einem Tisch zwei kleine schwarz-weiss Monitore mit dem Video-Bild der Rolltreppe. Vermutlich noch irgendwo ein Knopf, um die Treppe anzuhalten. Darin sitzt jeweils eine Person, den Rücken zum Bahnsteig, vermutlich im Zweischichtbetrieb, innerhalb der Öffnungszeiten von 05:30 Uhr bis 01:00 Uhr.

Einkaufen in Moskau

Einkaufen in Moskau

Eine neue Hauptstadt, eine neue Möglichkeit für uns, ein Einkaufszentrum anzuschauen. Die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten der Stadt im Vergleich zu den weltweit einheitlich wirkenden Einkaufszentrum veranlasste uns, nur wenig Zeit hierfür einzuplanen.

GUM
Die Kombination Einkaufszentrum und Sehenswürdigkeit bietet das GUM, direkt am Roten Platz. In einem in Russland bekannten Lied des sowjetischen Dichers Wyssozki lässt dieser einen Bauer seiner Frau vom Gum berichten: „das ist wie bei uns die Scheune, nur mit Glas“ .Vermutlich aus den 1970er stammend, einer Zeit, in welcher das GUM der politischen Führung ein Dorn im Auge war, ist diese Beschreibung keinesfalls dem Gebäude als eines wichtigsten Denkmäler der historistischen russischen Architektur des späten 19. Jahrhunderts gerecht. Drei helle Ladenpassagen erstrecken sich über 250 m, jeweils drei Etagen hoch unter einer gläsernen Decke. In den unteren Stockwerken finden sich Geschäfte bekannter internationaler Designer. Mit zunehmender Stockwerksanzahl sinken die Preise, die Läden werden kleiner und das Angebot verändert sich. Kunst und Souveniers sind in den oberen Stockwerken zu finden. An den äußeren Ende der Passagen finden sich Schnellimbisse und Cafés mit günstigen Preisen.
Im Rahmen unseres Besuches wurden zusätzlich noch alte Fahrzeuge ausgestellt und Obst-und-Gemüse-Säfte angeboten.

Petrowski-Passage
Noch mehr Nobel-Boutiquen als das GUM bietet die Petrowski-Passage. Diese hinter dеm Bolschoi-Theater gelegene Passage bietet ein ähnliches Erscheinungsbild zum Gum, vermittelt die Pracht аus dеr Zarenzeit in den baulichen Details noch eindrucksvoller. Diese Passage ist, zumindest von der wenige Anzahl der anwesenden Touristen – im Allgemeinen war die Passage kaum besucht – nahezu ein Geheimtipp.

Tretjakowski Projesd
Die höchsten Preise für Kleidung, Schmuck und Uhren werden in einem alten Kaufmannshof, der heute zur kürzesten (und teuersten) Straße Moskaus umfunktioniert ist, aufgerufen.

Arbat
Deutlich länger und deutlich günstiger ist die Fußgängerzone Arbat. Durch Künstler und Restaurants gleicht die circa einen Kilometer lange Straße im Herzen Moskaus mehr einem Szeneviertel als einer einfachen Fußgängerzone. In dieser Straße findet sich neben historischen Gebäuden u.a. eine Filiale des Hard-Rock-Café Moskau.

Ochotny Rjad
Ungeplant besichtigen wir unterhalb des Manegeplatzes das 62.000 m² große, auf drei Etagen sich ausbreitende Einkaufszentrum. Neben Edelmarken wird ein Sortiment geboten, welches sich in jeder deutschen Stadt mit eigenen Einkaufszentrum finden lässt.

Atrium
Circa zwei Kilometer von unserem Hostel entfernt, an der U-Bahn Station Kurskaya gelegen, bot uns der Shopping und Enterainment Kompelx Atrium die Möglichkeit, ein Einkaufszentrum für Russen und ohne Touristen zu besichtigen. Das Atrium bietet neben einem Kino und einem großen Spielzeugladen alle Geschäfte, welche wir wenige Tage zuvor in der novosibirsker Mall sahen. Ein großer Food-Corner bietet Fast-Food und Sitzgelegenheiten.

Supermärkte
Neben all den auf Kleidung ausgelegten Einkaufszentren war für uns etwas ganz anderes wichtig. Ein Supermarkt zur Selbstversorgung. In der Nähe des Hostels kauften wir, vorwiegend Getränke, in kleinen Tante-Emma-Läden. Das Angebot war in Ordnung, aufgrund der kleinen Räume begrenzt.

Der Supermarkt im unteren Stock des Atrium-Shopping Komplexes versorgte uns mit einem deutlich größeren Angebot. Alles war zu finden, das uns ein deutscher Supermarkt bieten würde. Von Auswirkungen der Sanktionen bemerkten wir nichts. Viele der Produkte tragen lateinische Schriftzeichen. Die Marken der großen Nahrungsmittelhersteller wie Kellogs oder Unilever sind in kyrillisch abgedruckt-der Rest der Verpackung ist identisch. Zu meiner Überraschung findet sich im Kühlregal der gleiche Grünländer-Käse mit identischer deutscher Verpackung, welcher in einem deutschen Discounter als Eigenmarke angeboten wird.

Etwas unterschiedlich gestaltet sich das Obst-und Gemüse-Angebot. Gurken sind beispielsweise nicht in Folie verpackt. An vielen Gemüse ist sichtbar Erde vorhanden und teilweise krumm und schief gewachsten (nicht EU-Norm entsprechend), was dem Ganzen einen Wochenmarkts-Angebot Charakter verleiht. „Exoten“ sind mit Ausnahme von Bananen und Ananas weniger vorhanden.

Das Alkoholangebot unterscheidet sich neben den Bier-Eigenmarken vorwiegend durch die Größe der PET-Flaschen. Zwei bis fünf Liter sind Standard. Widererwartend nur wenig verschiedener Wodka, dafür einen reichliche Auswahl an Kwas. Unser kulinarisches Highlight ist eine Thunfisch-Paste. Zurück in Deutschland kaufe ich mir seit Urlaubsende hin und wieder ein vergleichbares Produkt.

Beim Bezahlen merken wir anschließend doch noch etwas von den Sanktionen. Die Verkäuferinnen sind peinlich darauf bedacht, das Geld passend zu erhalten und nicht viele Geldscheine zurückgeben zu müssen.

WDNCh-Ausstellungsgelände

Unweit des Kosmonautenmuseums ragen ein riesiges Tor, ein Riesenrad und eine, mit Sowjetstern gekrönte, goldene Spitze in den Himmel. Unser nächstes Besichtigungsziel ist gefunden, das WDNCh-Ausstellungsgelände, ehemals Stolz der Sowjetunion. Heute als Miniatur-Sowjetunion bezeichnet, bietet das WDNCh (ein Akronym für Errungenschaften der Volkswirtschaft) Parklandschaft, Sehenswürdigkeiten und Gebäude in stalinistischer Baukunst.

Jede der sowjetischen Republiken unterhielt eine Repräsentanz auf dem Ausstellungsgelände. Am Zustand der Bausubstanz ist erkennbar, welche der Republiken heute noch gute Beziehungen zu Russland pflegt und welchen der politische Wille und ggf. auch das Geld für eine Sanierung fehlen. Insbesondere dem mit vielen stilisierten Getreideähren verzierten Ukrainischen-Pavillon ist die Baufälligkeit anzusehen; Armenien, Kirgistan und Usbekistan hingegen viel Mühe in die Aufrechterhaltung der durch landestypische Baustile geprägten Fassaden der Pavillons und Hallen. Im Inneren überraschen und (teilweise) enttäuschen die Gebäude. Kirgisien verkauft Flugtickets, Karelien Wandteppiche.

Der große, das Gelände durchziehende Boulevard ist an mehreren Stellen durch Brunnen unterbrochen. Zentrales Element des Geländes ist ein größerer und spektakulärer Brunnen. Der Brunnen der Völkerfreundschaft mit jeweils 15 vergoldeten Figuren. Je eine Figur pro Sowjetrepublik. Mittig sind, ebenfalls in Gold, Getreideähren aufgestellt, aus welchen sich Fontänen ergießen. Ein weiterer großer Brunnen ist der Brunnen „die steinernen Blumen“. Diese Brunnen zeigt Motive aus den Dichtungen Pavel Bazhovs. Die Figuren am Brunnen gehen auf mir unbekannte Märchen zurück. Ich kenne die Figuren aus der Oper, diente es Sergei Prokofiev als „Libretto“. Erkannt habe ich nichts.

Hinter dem Brunnen zeigt sich die ehemalige Bedeutung der Messe bzw. des Ausstellungsgeländes. Vor dem Kosmos Pavillon sind zwei Flugzeuge (JAK 42 und TU-2), ein Hubschrauber (Mil) und als unübersehbares Highlight eine Wostok-Rakete ausgestellt. Russland ist bestrebt de,n alten Glanz der Ausstellung mit neuen Errungenschaften aus Wissenschaft und Technik aufzufrischen. Die Raumfahrtbehörde Roskosmos sowie die (teil-)staatlichen Energie-Konzerne Rostatom, Rosneg und Gazprom sind angewiesen, die Pavilons zukünftig zu bestücken.

Nachdem immer mehr Menschen auf das Gelände drängen, wählen wir für unseren Rückweg einen der seitlichen Wege, welcher in einem kleinen (dauerhaften) Jahrmarkt mit Autoskooter, Schießbunden und Karussells endet. Auf dem Weg zeigt sich, dass das Gelände von Einheimischen gerne als normaler Park genutzt wird. Grillstände, ein Schwimmbad, Basketball- und (Beach)Volleyball-Felder sind zur Entspannung und sportlichen Betätigung vorhanden. An mehreren Stellen besteht die Möglichkeit, ein Fahrrad zu leihen. Gerüchteweise befindet sich in einer der Hallen ein Delfinarium.

Am Ausgang nehme ich das Tor nochmals genauer unter die Lupe, nachdem ich zuvor am Triumphbogen die Ungereimtheit der Einspannung der Pferde bemerkte. Auf dem Tor halten eine Landarbeiterin und ein nach Kfz-Mechaniker aussehender (später habe ich nachgelesen, dass es der Fahrer eines Traktors ist) Mann eine goldenes Getreidebündel in die Höhe.
Deutlich spannender ist ein Verkaufsstand vor dem Tor. Die Nachtwölfe, ein kremltreuer Motorradclub, bekanntgeworden durch eine Fahrt nach Berlin, verkaufen Devotionalien zur autonomen Republik Krim. Überraschenderweise sind auch Sticker und Buttons in englischer Schrift zu kaufen. Aus den Aufdrucken werde ich nicht ganz schlau. Einerseits wird proklamiert, die Krim sei ein eigenständiger Staat andererseits, dass die Krim schon immer Teil Russlands ist. Die Mitglieder der Nachtwölfe betreiben insofern eine gute Außendarstellung, da Mitglieder das Regeln des Fußgängerverkehrs übernehmen, älteren Damen die Taschen tragen oder Familien beim Einstiegen in Bus und Taxi helfen.

Zur Rückfahrt ins Hostel nutzen wir die Metrostation WDNCh. Mit circa 53 Metern einer der tiefsten Stationen der Metro. Vor mehreren Jahren hatte ich im Internat Auszüge aus dem Buch Metro 23 gelesen. Eine schreckliche Übersetzung und uninspirierte Geschichte über das Leben im Untergrund nach einem Atomkrieg. Nachdem ich die Metrostation-Wohnort des Protagonisten – mit ihren weißen Marmorpfeilen und dekorativen runden Lüftungsgittern persönlich gesehen, muss ich dem Autor für seine gute und genaue Beschreibung Tribut zollen.

Die Metrostation ist mit ungefähr 140.000 täglichen Passagieren eine der am stärksten frequentierten Stationen. Bedingt wird dieses unter anderem durch den Übergang zur Moskauer Hochbahn, der Monorail Moskau.

Roter Platz

Trafalgar Square in London, Markusplaz in Venedig, Place de la Concorde in Paris, Zocolo in Mexiko-City, Platz des Himmlichen Friedens in Peking … zwischenzeitlich können wir auf eine illustre Runde besuchter berühmter Plätze zurückschauen. Ein weiterer ist nun hinzugekommen, eines der Wahrzeichen Moskaus, der Rote Platz.

Nahezu jeder Bericht zum Roten Platzes beginnt mit der Information, dass der Rote Platz in der Vergangenheit Krasnaja Ploschtschad – „schöner Platz“, später Handelsplatz und Feuerplatz genannt wurde, bis sich im 17 Jahrhundert die Bezeichnung Roter Platz herausbildete. Beinahe hätte ich diese Information ebenso unkommentiert weitergegeben. Nach fünfminütiger Internetsuche sind bald verlässliche Quellen gefunden, dass das Wort Krasnaja in früherer Zeit neben der Bedeutung „schön“ auch die Deutung „rot“ beinhaltete. Ohne diese Kenntnis wäre kein wichtiger Grund zu erkennen, warum der Platz plötzlich als Rot bezeichnet wurde. Der gerne angebrachte Verweis auf die rote Erde ist unzureichend, war diese Erde doch bereits zur Zeiten der Benennung mit anderen Namen vorhanden. „Urgeschichtlich“ ist dies eine Erklärung für die ursprüngliche Bezeichnung mit seiner doppelten Bedeutung.

Der zum Südosten hin abfallende Platz ist 500 Meter lang und 150 Meter breit. Das Pflaster ist mit allerlei bunten Linien bemalt, welche Straßen und Wege für die hier abgehaltenen Militärparaden vorgeben.

Stirnseitig, dem Fluss abgewandt, steht das aus roten Backstein und mit weisen Zinnen versehene Historische Museum. Seitlich des Museums fällt der Platz steil ab, sodass das vom direkt an das Museum grenzende Woskresenkie Tor (Auferstehungstor), zunächst nur beide Türme sichtbar sind. Dieses Tor ist erst 1996 wieder, nach historischen Vorbild, erbaut.

Im Nordosten des Roten Platzes sind zwei Gebäude für uns interessant. Die Kasaner Kathedrale, in welcher Gläubige von 1612 bis 1920 eine der berühmtesten Ikonen (Gottesmutter von Kasan) verehrten, sowie das legendäre Warenhaus Gum.

Am südöstlichen Ende des Platzes fotografieren wir die zweifellos berühmteste Sehenswürdigkeit der russischen Hauptstadt, die Basilius Kathedrale. Die Kathedrale besteht aus insgesamt acht Nebenkirchen und einem Hauptteil, welche jede an  einer farbigen Kuppel (Zwiebelturm)  erkennbar sind. Die eigentliche Hauptkirche trägt eine goldene Kuppel bzw. eine goldene Turmspitze in 115 m Höhe. Erstaunlicherweise trägt die Kapelle des Namensgebers die kleinste Kuppel. Die Zahl Neun ist eine geschichtliche Bedeutung, am neunten Tag wurde die Stadt Kasam eingenommen und die Tataren besiegt. Aus Dankbarkeit über diesen Sieg wurde 1553 der Bau durch Iwan den Schrecklichen in Auftrag gegeben. In diesem Zusammenhang erhalten die Zwiebeltürme die zusätzliche Bedeutung, an die Turbane der besiegten Tataren zu erinnern.

Im Rahmen einer Stadtrundfahrt erfahren Touristen allerlei Anekdoten zur Basilika. Eine der beliebtesten Geschichten ist, den Architekten wurden die Augen ausgestochen, dass sie keine Kirche vergleichbarer Schönheit bauen könnten. Sehr unglaubwürdig, nach der Fertigstellung der Basilika bauten die Architekten nachweislich noch weitere Kirchen. Nicht erzählt wird hingegen, dass neben dem Architekten P. Jakowlew auch I. Barma hauptverantwortlich für den Bau zeichnet. Ein gewisse Anerkennung erhielt Barma zu Beginn der 2000er Jahre. Ein Kraters auf dem Merkur trägt nun seinen Namen.

Eine weitere Geschichte unklaren Wahrheitsgehaltes ist, dass Napoleon  im Begriff war die Basilika zu sprengen. Die Zündschnur brannten, wurden durch einen wundersamen plötzlich eintretenden Regenschauer in letzter Minute gelöscht.

Vor der Basilika befindet sich der Richtplatz (Lobnoje mesto). Exakt übersetzt bedeutet Lobnoje mesto Schädelplatz, was auf seine historische Relevanz  für u.a. Exekutionen und öffentliche Hinrichtungen verweist. Ebenso steht direkt vor der Basilika das 1818 errichtet Denkmal von Mini und Poscharskij.

Die Westseite des Platzes ist durch den östlichen Abschnitt der Schutzmauer des Kremls geprägt. Drei Türme zeigen zum Platz. Nordöstlich der 70 Meter hohe Nikolausturm mit gotischer Spitze. Heute einer von vier Kremleingängen. Ein weiteres Eingangstor ist im Erlöser-Turm, der den Roten Platz zusammen mit der benachbarten Basilius-Kathedrale vom Süden her abschließt, beheimatet.  Diese beiden Türme tragen auf Ihrer Spitze einen drei Meter Spannweite messenden roten Stern. Mittig zwischen beiden Türmen liegt der Senatsturm welcher, wie es der Name schon verrät, kremlseitig gegenüber dem Senat steht.

Unterhalt der Mauer und des Senatsturm findet sich ein wichtiges Denkmal der Sowjetzeit, das Lenin-Mausoleum, sowie die zugehörige Nekropole, der ehemalige Ehrenfriedhof der Sowjetunion.

Lenin Mausoleum und Nekropole

Geöffnet von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, außer montags und freitags sowie an allen Feiertagen, bemühten wir uns um 09:30 Uhr am Mausoleum zu sein. Um 09:40 Uhr erreichten wir den Roten Platz und reiten uns in die bereits lange Warteschlange ein. Insgesamt warteten wir 75 Minuten, bis wir die Sicherheitskontrolle am Eingang des Komplexes erreichten.  Da das Mausoleum alle zwei Jahre für mehrere Monate total geschlossen ist, nehmen  wird dieses in Kauf. Wer weiß, wann wir nochmals die Chance dazu haben. In Russland häufen sich die Stimmen, Lenin einzuäschern und zu begraben. 2024 – Hundert Jahre nach dem Ableben Lenins könnte der Zeitpunkt gekommen sein.

Die Zeit des Wartens erlaubt einen Blick auf die weiteren Besucher. Vorrangig sind es große (über 100 Personen) Reisegruppen aus asiatischen Ländern. Dieses erklärt zum Teil auch die lange Wartezeit. Die Militärwache am Eingang achtet darauf, Besucher in kleinen Gruppen hinein zu lassen, um das vorbeiziehen sich langer drängelnder Menschenmassen zu vermeiden. Ein Konzept, dass asiatischen Gruppen fremd zu sein scheint. Kaum hat ein Teil der Reisegruppe die Sicherheitsschleuse passiert, warten diese auf die weiteren Teilnehmer. Irgendwann versteht der Guide das System, holt eine Gruppe ab, führt diese zum Eingang des eigentlichen Mausoleums, wartet bis er die Gruppe auf der andern Seite sieht … geht zurück zum Eingang, nimmt eine weiter Gruppe im Empfang und das Spiel wiederholt sich.
In Rahmen unserer Wartezeit fiel vor allem eine Gruppe aus Nepal negativ auf. Für mich zeigten sie das unverschämte Verhalten und die laute Art zu sprechen, welche ich in Nepal und Kathmandu täglich sah. Als die Gruppe anfing, anderen Besuchern die Kappen und Hüte auszuziehen, um sich damit zu fotografieren, rechnetet ich jede Minute mit einem Polizeieinsatz. Zunehmend stieg die Verärgerung der anderen Wartenden. Der Guide einer asiatischen Reisegruppe schaffte es schließlich dem Treiben Einhalt zu gebieten, Sekunden vor dem „Zerreisen meiner Hutschnur“ – innerlich hatte ich bereits Luft geholt, um ein deutliches Machtwort zu sprechen. In Nepal musste ich mich als Gast noch zurückhalten und dieses Verhalten ertragen. Nun hätte sich die Chance geboten, Nepalesen einmal deutlich die Meinung zu sagen. Vermutlich besser, dass es nicht dazu gekommen ist. Für Zerstreuung sorgen als  Lenin und Stalin oder in Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg  verkleidete Russen, welche sich den wartenden Besuchern gegen Geld als Fotoattraktion anbieten. Kurz vor Eingang des Mausoleums-Geländes gibt es eine saubere Toilettenanlage. Auf dem Platz vor dem Staatliche Historische Museum wird ein kleiner Markt abgehalten. Somit kann sich einer von uns die Beine vertreten und der Andere in der Schlange den Platz freihalten.

Vor dem Eingang auf das Gelände wird  eine Sicherheitsschleuse passiert. Schilder verdeutlichen die Regeln. Respektvolles Verhalten, Mobiltelefone sind auszuschalten, keine Fotos und Videos im eigentlichen Mausoleum, kein Sprechen im Mausoleum, Hände aus den Taschen, kein Rauchen und für Männer ein striktes Verbot von Hüten und Mützen.

Vor und hinter dem Mausoleum führt der Weg durch die so genannte Nekropole entlang der Kremlmauer. Von den 1920er- bis in die 1980er Jahre wurden hier, auf dem Ehrenfriedhof, hunderte Personen bestattet. Neben russischen Staatsmännern und Militärs sind u.a. Juri Gagarin, Maxim Gorki, aber auch die deutsche Frauenrechtlerin Zetkin, der Mitbegründer des KPD, Fritz Heckert,  oder John Reed, erster Vorsitzender der Kommunistischen Partei der USA, bestattet. Neben Einzelgräbern und Sammelgräbern sind die überwiegende Zahl der letzten Ruhestätten die in die Mauer eingelassenen Urnengräber.

Die bedeutenderen Persönlichkeiten sind mit Einzelgrab und darüber angebrachter Büste geehrt. Bereits von der Ferne ist das Grab Stalins zu erkennen. Auf diesen Grab finden sich die meisten durch Besucher niedergelegten Blumen.

Das aus Labradorstein und dunkelroten Granit erbaute Lenin-Mausoleum greift baulich Elemente der Stufenpyramiden der prä-kolumbianischen Maya-Grabmäler  sowie des Sarkophages Alexander des Großen auf. Insgesamt 24 Meter lang und 12 Meter hoch, ein fünfstufiges Gebäude mit dem Herzstück der  10 auf 10 Meter hohen Aufbewahrungshalle mit terrakottafarbener Deckenverkleidung und kleinen roten Streifen an der Wand.

Im Gebäude ist es düster und kalt. Eine lange Treppe führt nach unten zur Halle mit dem aufgebahrten Leichnam Lenins. Düster dreinblickende Gardisten sind damit beschäftigt, laut „psst“ zu zischen und die Besucher zum Schweigen aufzufordern.

Lenin bzw. die Hülle seines Körpers (das Gehirn ist nicht vorhanden) liegt in einem kugelsicheren Sarkophag aus rotem Granit. In 15 Sekunden ist die Halle durchschritten.

Die 1993 abgeschaffte Ehrenwache vor dem Mausoleum bewacht seit 1997 stattdessen die Ewige Flamme im Alexandergarten. Nichts desto weniger sorgen Gardisten für Ordnung. Seitlich des Komplexes stehen zwei Armeeangehörige, in Galauniform, Wache.  Diese scheinen mehr damit beschäftigt zu sein, sich mit den jungen Russinnen zu unterhalten. Als eine junge Asiatin die Absperrung überspringt, um ein Selfie vor dem Mausoleum zu machen zeigt sich, dass diese die Situation im Auge haben. Nach drei bis vier Metern ist die Besucherin abgefangen und wird freundlich aber bestimmt abgeführt. Soweit es mir möglich war die Szenerie zu verfolgen, wurde sie noch zurück auf dem Platz weiter in Gewahrsam gehalten und der Polizei übergeben.

Siegespark

Moskaus Siegespark, Hauptattraktion im Westen der Stadt, ist durch schlechte Informationspolitik durch Touristen schwach frequentiert. Wikipedia Deutschland kennt lediglich die S-Bahn Station und den Triumphbogen am Park.

Ursprünglich ganz auf den  zweiten Weltkrieg  ausgelegt, findet sich zum Beginn des Poklonnaja Hügels, seit 2014, ein Denkmal für die Soldaten und Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Ein langer Granitblock mit  Russischer Fahne . Das Relief zeigt  vorderseitig, mit aufgesetzten Bajonett, in die Schlacht zeihende Infanteristen. Eine Nonne hält einen verwundeten Körper im Arm, Geistliche spenden Segen. Rückseitig Soldaten zu Pferde im vollen Galopp. Erst seit kurzem arbeitet Russland den so genannten „Vergessenen Krieg“ öffentlich auf. In der Sowjetunion war er tabuisiert und mit den Zeiten des Zarenreiches verbunden.

Der Anstieg zum auf dem Poklonnaja Hügel gelegenen „Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges“ strotzt vor Symbolik. Fünf Platos führen zur 141.8 Meter hohen Siegessäule. Fünf Plateau´s für fünf Jahre Krieg, 141,8 Meter entsprechen zehn Zentimeter  pro Kriegstag.

Linkerhand säumen 15 mit Fahnen geschmückte Marmorsäulen – jede für eine Front des Großen Vaterländischen Krieges – den Weg. Sieben an der Ostseite – als Symbol für den Kriegsbeginn – und acht an der Westseite – als Symbol für die erfolgreiche Beendigung des Krieges im Westen. Am Fuße der Säulen sind Bronzeplatten mit der Abbildung von Soldaten angebracht. Diese Soldaten sind entweder tot, verletzt oder von den Schrecken des Krieges sichtbar gezeichnet.

Rechter Hand trägt jedes der fünf Plateau´s ein Wasserbecken mit Fontänen. Insgesamt 1418 Fontänen, eine pro Kriegstag. In den Abendstunden sind die Wasserspiele rot erleuchtet. Es bleibt dem Besucher freigestellt, ob dieses mit dem Rot die ruhmreichen Rote Armee, Blut oder beidem zu assoziieren ist.

Poklonnaja Hügel

Bei all der Kriegssymbolik kommt die weitere geschichtliche Symbolik des Hügels nahezu zu kurz. Napoleon wartete hier, vergebens, auf die Übergabe der Schlüssel des Kremls.
Der Name des Hügels leitet sich vom russischen Wort für Verneigung ab. Die höchste Erhebung vor Moskau diente in der Vergangenheit; Reisenden von kommend und nach Moskau ziehend, zum inne halten und zum Verbeugen vor den Kirchen der Stadt.

Säule/Stelle und ewige Flamme

Mittelpunkt des sich an die Platesau´s und eine Treppe anschließenden Hauptplatzes ist die, von der kurz unterhalb der Spitze durch die Göttin Nike gekrönte, 141,8 Meter hohe Säule bzw. Stele. Aus der Nähe betrachtet fällt an der Säule ein Relief (bzw. ein Basisrelief) auf. Erinnert es zunächst an ineinander verschlungene Zeichen oder Buchstaben, zeigt sich, dass es sich um die Abbildung von Soldaten handelt.

Die Säule oder Stele ist neben der Symbolik zum Thema Krieg ein erneuter Nadelstich gegen das ungeliebte Sankt Petersburg. Die Säule  ist eine Nachgestaltung der Säule am Schlossplatz in Sankt Petersburg. Die die Säule krönende Göttin Nike gleicht zunächst dem Engel auf der Petersburger Kathedrale. In Moskau steht „der Engel“ mit 142 Metern allerdings 20 Meter höher als in Sankt Petersburg.

Beachtenswert ist in Moskau die eher ungewöhnliche Darstellung der Göttin Nike, welche gewöhnlich den Arm in Siegerpose nach oben streckt. In Moskau senkt sie eine Fanfare nach unten, was als Aufforderung zu verstehen ist, sich vor den Gefallenen zu verbeugen.

Unterhalb der Säule veranschaulicht eine Reiterstatue des Heiligen Georg dessen siegreichen Kampf gegen einen Drachen. Sichtbar handelt es sich beim aufbäumenden Pferd um einen Hengst. Der Drache ist das symbolisierte Nazi-Deutschland, was spätestens die Hakenkreuze in der Haut des Drachens verdeutlichen. Die Bedeutung der Zerteilung des Drachens in fünf Teile bleibt mir offen. Vier Teile, eine für jede „Besatzungszone bzw. Siegermacht“, wäre mir einleuchtend gewesen.

Neben der Säule brennt eine ewige Flamme. In an Telefonzellen erinnernden Unterständen halten junge Russinnen und Russen Wache. Obgleich diese mit ihren roten Westen an DDR-Supermarktverkäuferinnen erinnern, sind ihnen Stolz und Wichtigkeit der Aufgabe im Gesicht anzusehen.

 Zentralmuseum

Direkt hinter dem Sieges-Monument befindet sich der semizirkuläre Bau des Zentralmuseums. Zwei Geschütze weisen den Eingang. Dieses Museum bietet neben typischen Museumsgegenständen, Videos und Zeitungsberichten sechs großen Dioramen bedeutender Schlachten

Open-Air Ausstellung

Das Wetter war gut und somit beschlossen wir, anstelle des Zentralmuseums das Open-Air Museum bzw. das Militär-Museum zu besuchen.  Die eher klein wirkende Ausstellung, zumindest im Vergleich zum Technik-Museum Sinsheim, beinhaltet ungefähr 300 Ausstellungsstücke von Panzern, Bunkern über Schiffe bis hin zu einem Eisenbahngeschütz.

Monument im Park

Die Parkanlage beinhaltet an verschiedenen Stellen mehrere Monumente. Beispielsweise das Monument für den unbekannten Soldaten ohne Grab. Die Statue zeigt einen getroffenen Soldaten, unfähig weiter zu laufen. Die Uniform und die Gesichtszüge sind in einer Art gestaltet, dass es ein Soldat jedes beteiligten Landes sein könnte.

Im hinteren Teil des Parkes befindet sich das Denkmal „ Im Kampf gegen den Faschismus waren wir (noch) vereint“.  Ein neueres Denkmal. Errichtet 2010 und allen ehemaligen Sowjet-Republiken gewidmet.  Dieses Denkmal ist von politischer Bedeutung. Es ist als direkte Antwort auf die Zerstörung eines Denkmales (das Hissen der Fahne über dem Reichstag) im Georgischen Kutaisi – auf Geheiß des Präsidenten Saakashvili – erbaut.

Ein weiteres Denkmal zeigt siegreiche Soldaten der vier Alliierten.

Bemerkenswert habe ich die Darstellung der deutschen Soldaten auf einem Denkmal zur Kapitulation Berlins wahrgenommen. Groß gewachsene, muskulöse Männer in sauberen Uniformen. Leni Riefenstahl hätte sich keine besseren Protagonisten vorstellen können. Eine intelligente Darstellung, diese kampferprobte Kriegerelite ruhmreich zu besiegen ist deutlich ehrenvoller als der Sieg über die Kinder und Greise die in den letzten Stunden zur Verteidigung Berlins herangezogen wurden.

Monument der menschlichen Tragödie 

Etwas seitlich, unterhalt des Zentralmuseums findet sich das Monument der menschlichen Tragödie. Ein vom Bildhauer Tsereteli erschaffene Komposition zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts.

Der Park an sich

Neben Denkmälern und Gotteshäusern für die großen Glaubensrichtungen ist der Siegespark ein ganz normaler
Park, der zum Fahrradfahren, Inline-Skaten (in Russland augenscheinlich immer noch ein großer Trend) und zu Spazierengehen einlädt.  Hin und wieder finden sich kleine Kioske und Toilettenanlagen. Die Wege sind gut ausgebaut und gekennzeichnet. Ein lohnendes Ausflugsziel.

Haltestelle Park Pobedy / Triumphbogen am Siegesplatz

Russland liebt die Veteranen des großen Vaterländischen Krieges und seine Militär-Geschichte. In Novosibirsk berichtete das Fernsehen von Ausschnitten der Parade zum 70 Jahrestag des Kriegsende. In diesem Zusammenhang wurden wir auf den Siegespark aufmerksam. Informationen zum Park sind bis heute schwer zusammenzutragen. Ein Wikipedia-Eintrag existiert nicht.

Die im Jahr 2003 eröffnete Haltestation Park Pobedy lässt die Ausmaße der folgenden Parkanlage erkennen. Eine große, gut beleuchtete Halle mit einem grau-schwarzen Granit-Schachbrettmuster-Boden und in braunen Marmor gehaltene Wände begrüßt die Besucher. Die Wände am Ende des Bahnsteiges zieren große Gemälde mit heroischen Darstellungen des Sieges über Napoleon 1812 und Nazi-Deutschland 1945. 84 Meter unter der Erdoberfläche gelegen, folgt die Fahrt mit der 126 Meter langen, ehemals längsten Rolltreppe der Welt. Die längste Rolltreppe der Welt findet sich in Sankt Petersburg – ein weiterer Nadelstich in der Rivalität beider Städte. Nach deutlich kürzeren Rolltreppen in der Zwischenetage erreichen wir das Tageslicht und der Blick fällt zunächst auf einen Triumphbogen in der Mitte der vielbefahrenen Straße. Hinter dem Triumphbogen ist das „neue Moskau“ mit seiner Hochhausskyline sichtbar.

Der Triumphbogen ist der Wiederaufbau eines zunächst auf Geheiß des Zaren Alexander I. errichteten hölzernen Triumphbogens. 1834 wurde der Bogen in seiner heutigen Form erbaut, unter Stalin 1936 demontiert und 1968 am heutigen Standort, dem Siegesplatz, erbaut.  Die Ähnlichkeit zum Arc de Triomphe in Paris ist nicht von ungefähr. Hatte Napoleon diesen Bogen anlässlich seines Sieges in der Schlacht von Austerlitz errichtet. Nach Napoleons vernichtender Niederlage im Russlandfeldzug ließ es sich der Zar nicht nehmen, seinen Soldaten einen eigenen Triumphbogen zu errichten.

Gekrönt wird der Bogen bzw. das Tor durch einen von sechs Pferden gezogenen Wagen mit einem, einen Siegeskranz haltenden, Wagenlenker. Dass es sich um sechs Pferde handelt stellt keinen Seitenhieb auf die in Deutschland bzw. im damaligen Preußen beliebte Quadriga dar, sondern bedient sich Vorbildern aus dem alten Rom. Persönlich habe ich Zweifel, dass ein solches Gespann in der Realität fahrbar bzw. lenkbar wäre. Nicht von ungefähr existiert kein Wort für das Einspannen von mehr als vier Pferden nebeneinander. Das Einspannen von sechs Pferden ist meiner Auffassung nach nur mit Stangenpferden und Vorderpferden zu realisieren.

Durch eine Querstraße getrennt liegt hinter dem Bogen der Poklonnaja-Hügel und der diesen umgebenen Siegespark.