Chinesische Mauer in Badaling

Ein Besuch Chinas ohne einen Besuch der Großen Mauer kommt einen Besuch von Paris ohne Eifelturm oder London ohne Big Ben gleich. Somit stand weit oben auf unserer Prioritätenliste. Der Ausflug hätte sich zu einer Enttäuschung entwickelt, wenn uns nicht aufgrund unserer Beschwerde der Fahrpreis vom Reisebüro in Deutschland zurück erstattet worden wäre.

Unsere Anforderungen waren klar. Keine „Kaffeefahrt“, keine zusätzlichen Kosten und viel Zeit an der Mauer. Bekommen haben wir das Gegenteil.

Nach einer kleinen Stadtrundfahrt (aufsammeln der anderen Mitreisenden) und einem Besuch in einer Jade-Fabrik (erster Verkaufsstopp – aber ich möchte nicht meckern, es gab gratis Wifi…)  und den Besuch der Ming-Gräbern führte uns die neu gebaute Autobahn (bekannt vom Radrennen der olympischen Spiele) nach Badaling.

Badaling

Badaling ist der am häufigsten besuchte Abschnitt der Mauer. Es handelt sich um (angeblich) den schönsten Teil. Es ist von Peking aus der nächst gelegene zugängliche Mauerabschnitt für Touristen. Promi- und Politiker-Fotos mit Mauerhintergrund entstehen typischerweise hier.

Unsere Führerin berichtete, dass sich die verschiedenen Tour-Anbieter absprechen, welchen Teil der Mauer sie an bestimmten Tagen besuchen würden. Wer nun denkt, dass verschiede Tour-Anbieter sich absprechen, dass nicht alle Touristen am gleichen Tag zum gleichen Abschnitt der Mauer kommen, der irrt. Es kommt zumindest der Verdacht auf, dass die Tour-Anbieter von den verschiedenen Orten Zahlungen erhalten, um die Touristen dort abzusetzen.

Der Touristenteil Badalings besteht aus einem großen Parkplatz, mehreren Restaurants und Souvenirläden. Ein Bahnhof war zu erkennen, ebenso ein Taxistand.

Eine Kabinenbahn führt zur Mauer. Hier entstehen Zusatzkosten von ca. 10 Euro. Ohne Kabinenbahn gibt es keine Möglichkeit zur Mauer zu gelangen. Unsere Wartezeit zur Bahn lag bei circa 45 Minuten.

Die Fahrt (circa zehn Minuten) war angenehm, obgleich die Mauer erst kurz vor Ender der Fahrt einsehbar ist. Die Seilbahn führt durch ein kleines Tal bzw. eine Schlucht. Die Mauer verläuft auf den Berggipfeln und ist durch die Talstruktur von unten nicht einsehbar.

 

Auf der Mauer

Der Weg vom Seilbahnausgang bis zur Mauer war durchgehend mit Personen verstopft. Für die ca. 3minütigen Fußwege gingen bereits 30 Minuten (von unseren insg. 105 Minuten) verloren. Der Weg ist leicht abschüssig und führt über mehrere Stufen. Beim herunterlaufen war zu erkennen, dass für den Rückweg ein längerer Zeitaufwand einzuplanen ist. Somit verblieben uns ca. zehn Minuten auf der Mauer. Maximal 25 Meter Bewegung, ohne erneut in einen Stau von Menschen zu geraten, waren möglich. Erfreulicherweise befindet sich neben der Mauer (über einen Trampelpfad zu erreichen) eine Toilettenanlage in guten Zustand. Selbstverständlich könnte man alternativ für umgerechnet 3-5 Euro die Toiletten im Tal benutzen. Nach den obligatorischen Mauerfotos benötigten wir ca. 45 Minuten zur Seilbahn. Mit 5 Minuten Restzeit erreichten wir als erste unseren Bus. Zehn Minuten später trafen die weiteren Teilnehmer ein. Die Stimmung war eher schlecht. Für alle war die Mauer als ein Highlight der Reise geplant, doch schlussendlich hatte man außer Gedränge nichts mitbekommen. Platzangst oder Angst vor großen Menschengruppen sollte hier niemand haben. Obgleich der Verkehrsverbund angibt, dass die Mauer von Rollstuhlfahrern und Menschen mit Gehproblemen besucht werden kann, sehe ich nicht, wie dieses in der Realität funktionieren sollte.

Rückfahrt:

Die Rückfahrt führte uns an einem völlig besucherfreien Teil der Mauer vorbei. Es war für uns alle unverständlich, warum wir nicht diesen Teil besuchten. Ebenso wäre es schön gewesen, hier kurz anzuhalten und noch ein paar Fotos zu machen – das wollte die Reiseleitung nicht.

Mit zunehmender Nähe zu Peking wurde der bisher blaue Himmel immer mehr braun und dunkel, bis wir schließlich wieder im Smog ankamen.

Zum Ende des Tagesausfluges wurde auch das Drängen der Reiseleiterin auf die rasche Rückkehr nach Peking deutlich: wir sollten in einem Teegeschäft teuren chinesischen Tee kaufen….