Grabeskirche Teil 1 – Hinweg, Vorplatz, Eingang

Der Weg zur Kirche

Dem Besucher der Grabeskirche stehen zwei mögliche Wege offen. „Aufsteigend“ durch das Löwentor, der Via Dolorosa  folgend – aus Pilgeraspekten der eindrucksvollere Weg. Alternativ „Abstieg“ durch das „Neue Tor“.

Im Rahmen meines Besuches habe ich beide Wege beschritten. Ob aufsteigend oder absteigend, die Wege sind mit Souvenirläden gepflastert. Im Großen und Ganzen bietet jeder Laden das gleiche Angebot, die Preise scheinen sich nicht wesentlich zu unterscheiden. Die Art der Spezialisierung unterscheidet ein Geschäft vom Anderen. Der eine verkauft T-Shirts und Taschen, der nächste religiöse Devotionalien, daneben „Kunst und Keramik“ und anschließend Jerusalem-Touristen-Artikel. Hin und wieder unterbricht ein Süßwaren- oder Obstladen bzw. ein kleines Restaurant/ ein Imbiss die wie an einer Perlenkette aufgereihten Einkaufsmöglichkeiten.

Die Grabeskirche ist, zumindest in den Morgenstunden ohne großen Touristenandrang, leicht zu verfehlen. Sie legt am Rand des Wegs und ist durch zwei eher unscheinbare Eingänge zu erreichen.

Der Vorplatz

Durch die Eingänge gelangen die Pilger und Besucher zunächst auf den Vorplatz der Grabeskirche. Nach einigen Metern führen mehrere Stufen circa einen Meter nach unten. Eine hölzerne keine Rampe ist für Rollstuhlfahrer aufgestellt.

Der von hohen Mauern umschlossene Vorplatz eröffnet einen ersten Blick auf die Grabeskirche. Links sind zwei Torbögen sichtbar. Einer der Bögen ist zugemauert, der andere (linke) ist durch eine große Holztür zugänglich. An der rechten Seite ist ein weiterer Eingang (über eine Treppe), versehen mit einer Kuppel  und einem großen Fenster zu sehen. Der äußere Anschein gibt sofort zu erkennen, dass dieser Eingang nicht durch Besucher genutzt wird.

„Die 800 Jahre alte Fassade der Kreuzfahrer ist prunkvoll verziert“, so ist es zumindest in den meisten Beschreibungen zu lesen. Auf mich hinterließ die Fassade eher einen zerklüfteten und unscheinbaren Eindruck. Sie erinnert mich mehr an Flickwerk. Hier etwas hin gebaut, da etwas hin gebaut. Bei genauer Betrachtung fällt schnell das eiserne Gitter  bzw. der Zaun am Dach der Kirche auf. Dieses ist den „Äthiopier“ geschuldet, welches das Kloster auf dem Dach der Grabeskirche betreiben. Mir ist keine Möglichkeit bekannt, wie Besucher auf das Dach gelangen könnten.

Am rechten Fenster ist eine kleine Holzleiter zu erkennen. Sie diente einst dazu, Mönchen den Zugang zur Kirche, auch wenn der Eingang behördlich verschlossen war, zu ermöglichen. Da nirgendwo geregelt wurde, welche Konfession die Leiter entfernen darf, steht diese ab dem 19. Jahrhundert dort, obgleich ihre Bedeutung zwischenzeitlich gegen Null geht.

Sinneseindrücke am Eingang

Beim Betrachten der Besucher fällt  mir auf, die meisten Besucher verlangsamen ihren Schritt, kurz nach dem Überschreiten der Schwelle. Dieses mag der Ergriffenheit geschuldet sein oder einem physiologischer Effekt als Reaktion auf die geänderten Lichtverhältnisse. In der Kirche ist es eher düster. Im Vergleich zu den meisten Kirchen gibt sich hier nicht der Blick in den Raum oder auf einen Altar frei, sondern auf eine Wand, verziert mit einem „Mosaik“ (Gold ist die dominierende Farbe), welches bei einen Laien wie mir Assoziationen zu orthodoxen Ikonenmalereien erzeugt. Die Räume wirken hoch.

Die weiteren Sinneseindrücke, einige Meter im Eingangsbereich angekommen, lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die Temperatur ist etwas kühler. Der haptische Eindruck von Wänden und Böden ist sehr glatt. Sehr oft berührt und beschritten und hierdurch im wieder etwas glatt gestrichen. An den höher gelegenen Steinen ist wahrnehmbar, dass diese „Abnutzung“ nur in den von Besuchern berührbaren Bereichen vorhanden ist. Im weiteren Verlauf des Gebäudes gibt sich dieser Effekt etwas. Im Eingangsbereich verspüren viele Besucher den Wunsch, die Wände zu berühren. Olfaktorisch ist es schwieriger zu beschreiben, schließlich sind gerade im Eingangsbereich viele Menschen auf engen Raum, die in sehr unterschiedlicher Intensität Deodorant und Parfüm verwenden – oder eben nicht. Dominiert wird der Raum durch die Herznote des  balsamisch-würzigen, leicht zitronigen Weihrauches. Deutlich wahrnehmbar handelt es sich um arabischen Weihrauch (und keinen indischen) mit einer Basisnote die an Kiefernharz und den Duft von Koniferen erinnert. Die geübte Nase wird darüber hinaus den leichten Rußgeruch sowie den Geruch von Paraffin feststellen.

Eingang

Linkerhand des Eingangstores steht ein alter Marmorpfeiler. Dieser ist mit Eingravierungen und Einritzungen versehen. Zwischen Pfeiler und Mauer sind Zettel gesteckt. Es ist zu vermuten, dass es sich hierbei – vergleichbar mit der Klagemauer – um Bitten, Danksagungen und Gebetsanliegen handelt. Jedoch konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen, was mit diesen Zetteln passiert.

Rechterhand führt eine steile Steintreppe in den oberen Teil der Kirche. Dort befindet sich Golgatha, die Stelle, an der Jesus am Kreuz starb. Zwei Kapellen sind hier zu finden. Eine katholische und eine griechisch-orthodoxe. Es ist die elfte Station des Kreuzweges und führt somit zu einer Teilung der Besucher in zwei Gruppen. Kreuzweg-Geher werden sich rechts halten, während die anderen Besucher eher nach links in Richtung des Zentrums der Kirche gehen und erst später die Kapellen aufsuchen.