Hurrikan Matthew und der Gefangene von Punta Cana

Abreisetag. Das Hotelfernsehen berichtet von den schweren Schäden auf Haiti. Hurrikan Matthew nimmt Angriff auf die Bahamas. Mein Zwischenstopp ist in Punta Cana. Bei der Größe des Tropensturms ist klar, das wird ein holpriger Flug – sofern er überhaupt stattfindet. Meine Chancen stehen gut, wir können unterhalb des Hurrikans einfliegen. Über den Rückflug mach ich mir mehr Gedanken. Um Matthew auszuweichen müssten wir lange über den Atlantik. Eine bei Piloten unbeliebte Route.
Abflug früh in Panama. Der Pilot wählt eine Route entlang Mittelamerikas und zweigt an der Grenze Belize/Guatemala nach Jamaica ab. Bisher ein schöner Flug mit guter Aussicht. Auf gerader Strecke zwischen Kingston und Santo Domingo geht es weiter nach Punta Cana. Aus dem Fenster sehen wir Haiti. Unklar, ob Metthew oder das Erdbeben für die erkennbare Zerstörung Verantwortung tragen. Vieles scheint menschengemacht. Beim Überfliegen der Grenze ändert sich schlagartig das Bild. Bisher kahle Landschafen und von Erosion gekennzeichnete Berghänge. Plötzlich große Wälder mit üppigen Palmen und hin und wieder Plantagen.
Ankunft Punta Cana. Wetter in Ordnung, etwas Regen. Mein Plan. Aus dem Flughafen raus. Ein Stempel in den Pass erhalten und die fünf Stunden bis zur Weiterfahrt mit einer Taxifahrt zur eigentlichen Stadt und zurück verbringen. Daraus wird nichts. Im Ankunftsbereich stehen mehrere Mitarbeiter und Rufen die Anschlussflüge auf. Auf bereitgestellten Listen müssen wir hinter unsere Namen unterschreiben.
Der Mitarbeiter erklärt uns, dass er uns ins nächste Terminal begleitet. Einige Passagiere verfolgen meinen Plan. Wir wollen raus. Es wird erklärt, aus Sicherheitsgründen wird davon abgeraten. Gemeinsam mit drei weiteren Reisenden (glücklicherweise sprechen diese besser Spanisch) erklären wir, dass es uns vorwiegend um den Stempel im Pass geht. Die Argumentation der Sicherheit erscheint nicht einleuchtend. Reisende mit Ziel Punta Cana dürfen raus. Uns wird gesagt, dass wir selbstverständlich den Flughafen verlassen dürfen. Ohne Angabe eines Hotels bzw. Nachweis der Buchung würde sich die Bearbeitung des Vorganges und der Sicherheitsüberprüfung aber mindestens bis zur Dauer des Weiterfluges hinziehen.
Faktisch sind wir am Flughafen gefangen.

Die Sicherheitskontrollen sind übertrieben. Sicherheitskontrolle (Passkontrolle, Röntgen und öffnen des Gepäcks, Durchgang durch Metalldetektor) im Ankunftsbereich zum Terminal. Sicherheitskontrolle vor dem Bus zum Terminal (Metalldetektor- händisch). Sicherheitskontrolle bei Ankunft im Terminal (erneut röntgen und öffnen des Gepäcks und Durchgang durch Metalldetektor, Passkontrolle) Sicherheitskontrolle beim Übergang aus den Transitbereich ins Terminal (Handdetektor, Passkontrolle und Kontrolle des Tickets).
Wer das Abflugterminal kennt, weiß, dieses ist zur Seite offen. Im Laufe des Tages nimmt der Sturm zu. Starker Regen setzt ein. Mein Flug hat 6 Stunden Verspätung. Die Nacht bricht herein. Es wird kalt. Die Geschäfte schließen. Das Airport-Personal weigert sich, uns in die windgeschützte Business-Lounge (ich hätte dafür gezahlt) zu lassen. Mehrere Stunden verbringen wir überbleibenden Reisenden in der hintersten Ecke des Flughafens. Leider sind die Toiletten ungepflegt und somit kein alternativer windgeschützter Aufenthaltsraum.
Mit Ankunft der ersten Pauschal-Touristen (von den Hotels über die Verspätung informiert) öffnen die Shops erneut. Die Stimmung bessert sich. Endlich kommt der Flieger. Es geht heimwärts.