In 40 Tagen um die Welt

Kein Abenteuer beginnt mit „ich war im Reisebüro und buchte eine Pauschalreise“.


Was macht eine Weltreise zur Weltreise? – Routenplanung

Unter den Weltreisenden gibt es kein Einvernehmen darüber, was eine Weltreise ausmacht. Die meisten stimmen darüber überein, dass innerhalb der Reise alle Längengrade zu überqueren sind. Viele zählen die Äquatorüberquerung zu einer der Grundvoraussetzungen.

Strittig ist, ob alle (bewohnbaren) Kontinente zu betreten sind. Für mich stand dieses außer Frage. Wenn, dann richtig.  Darüber hinaus „musste“ ich nach Australien, um meinen Bruder, seine Frau und meinen neugeborenen Neffen zu besuchen. Natürlich wollte ich günstige Flüge (aus Zeitgründen) wählen und kein bereits besuchtes Land erneut bereisen.

Nach mehreren verschiedenen Ideen ergab sich die im Folgenden beschriebene Reiseroute.


Faktor Zeit – In 40 Tagen um die Welt !

Der zweite entscheidende Faktor war die Zeit. Ich konnte ausschließlich meinen Jahresurlaub und Überstunden einsetzen. Die Erstveröffentlichung von Jules Vernes „Reise um die Erde in 80 Tagen“ liegt bereits 140 Jahre zurück. Dem technischen Fortschritt Tribut zollend legte ich mich auf eine Reisedauer von 40 Tagen fest.


Tage 1 –  5 (Katar, Uganda und Ruanda)

Vom verschneiten Frankfurt ging es über Katar und Uganda nach Ruanda. Bereits am Flughafen fragte mich ein Zöllner, wo ich hinfliegen würde. Auf meiner Antwort „Ruanda“ bekam ich zunächst die verdutzte Frage (im hessischen Dialekt)  „Wo iss´n des?“ gefolgt von„was woll´n se denn da?“

Frankfut / Quatar

Der Flug verlief beanstandungslos. Den nächtlichen Anflug über Saudi-Arabien war interessanter als gedacht. Immer wieder unterbrachen beleuchte Ölförderungs-Felderdie Dunkelheit. Im Landanflug auf Katar waren ins besonderen die gut erleuchteten Autohäuser der Luxusmarken zu erkennen.

 

 

Ich landete noch auf Doha International, der damals bereits vom neuen Hamad International abgelöst sein sollte. Es folgte eine lange Busfahrt bis zum provisorischen Umsteige-Terminal (ein paar Geschäfte, Aufenthaltsräume).

 

 

 

Spät in der Nacht ging es dann nach Entebbe. Das Flugzeug war mehr als halb leer, nahezu jeder Passagier  breitet sich in einer eigenen Sitzreihe aus. Nach einer Stunde Aufenthalt ging es weiter nach Kigali. Dieses Mal waren nur noch neun Personen im Flugzeug. Zoll und Gepäckausgabe gingen recht schnell von der Hand.

In Kigali besichtige ich die Stadt und Museen. Zwei Dinge sind mir im Gedächtnis geblieben. Erstens: das Museum bzw. die Gedenkstädte zum Völkermord. Zweitens: die Menschen nicht so arm sind, wie es uns die Spendensammler erzählen.


Tage 6 – 8 (Vereinigte Arabische Emirate) 

Weiter ging´s nach Dubai. Der Flug von Kigali nach Dubai war ein echtes Highlight. Es gab keine Bordunterhaltung, jedoch einen norwegischen Piloten mit hervorragenden Reiseführertätigkeit. Alle 10 bis 15 Minuten machte er eine Durchsage zur aktuellen Flugroute und was alles aus den Fenstern zu sehen und erkennen ist. Ab und zu ergänzte er„ ich versuche mal tiefer runterzugehen, dass sie es besser sehen können“ oder „ leider darf ich keine Schleife fliegen, sonst könnten Sie noch das und das sehen“.

Dubai war „meine Stadt“. Dort habe ich super hingepasst. Bereits am ersten Abend  wurde ich häufig auf Arabisch angesprochen. Nachdem ich sagte, dass ich kein Arabisch verstehe äußerten einige ihre Verwunderung, dass ich „noch immer kein Arabisch spreche“. Meine Erwiderung, dass ich erst heute beziehungsweis gestern angekommen bin, erhöhte das Erstaunen. Es wurde gemutmaßt, ich würde seit mehrere Jahre in Dubai leben.

In Dubai war für mich Touristen-Programm angesagt. Burj Kalifa und die Shopping-Malls, zum Strand und durch die Stadt.


Tage 9 – 15 (Nepal)

Meine Eindrücke von Nepal sind ambivalent. Die Wahrheit ist, die Nepalesen haben es mir verdorben. Ich höre bzw. hörte immer, das seien nette Menschen. Vermutlich stimmt dieses, wenn man in den Touristen-Gebieten ist. Für Kathmandu stimmt(e) es nicht. Ständig wurde ich belästigt und aufgefordert eine Rikscha zu mieten, ein T-Shirts zu kaufen oder der Konsum von Haschisch wurde angeboten.

Die Stadt und ihre Bauwerke sind „fremdartig“ und dieses ist wertfrei zu verstehen. Ich hatte bisher etwas Vergleichbares nicht gesehen und schwankte zwischen befremdlich und fasziniert. Da meine Kenntnisse über den Hinduismus und das nepalesische Kastenwesen sehr gering waren, verhielt ich mich sehr zurückhaltend allen „historischen und religiösen Dingen“ gegenüber. Ich hatte das Gefühl, dass dieses doch sehr wohlwollend von den Nepalesen aufgenommen wurde.          

Der Aufenthalt beinhaltet einen Abstecher nach Lukla beziehungsweise zum Mt. Everest.

Hier waren meine Erwartungen zu groß. Ich hatte mir mehr erhofft. Der Everest sieht gar nicht besonders aus. Die Landung  beziehungsweise der Abflug in Lukla wird – in meinen Augen – von vielen viel zu große Herausgehoben. Es ist nett, es gesehen und erlebt zu haben. Ein „lebensveränderndes Ereignis“ war und ist es nicht.

 

Nach dem Erdbeben in Nepal hat sich mein Bild heute teilweise geändert. Im Nachhinein bin ich froh, da gewesen und das Land im alten Zustand „gesehen zu haben“.


Tage 16 – 18 (Malaysia)

 

 

 

In Malaysia ging es mir gesundheitlich nicht sehr gut, sodass ich nur wenige Stunden in der Kula Lumpur war. Stadt besichtigt. Petronas Towers umrundet und zurück in´s Hotel.

 

 

 

 

 


Tage 19 – 23 (Thailand)

Die ersten Tage in Bangkok fühlte ich mich weiterhin schelcht. Nach Einnahme der Malaria-Medizin und Arztbesuch ging´s mir wieder besser.  In Nepal wohnte eine US-Thailänder im gleichen Hotel, in Bangkok trafen wir uns erneut. Meine Stadtführung wurde somit durch eine „fast“ Einheimische gehalten. Interessant war unser Kino-Besuch. Vor dem Film (Englisch mit Thai-Untertiteln) spielt die Nationalhymne und ein Bild der Königsfamilie  wird gezeigt. Alle Kinobesucher erheben sich und die Thais singen, teilweise mit Tränen in den Augen,  die Hymne. Morgens und Abend wird auf öffentlichen Plätzen ebenfalls die Hymne abgespielt. Hier stehen Thais und Besucher ebenfalls auf, Fußgänger bleiben stehen. Erst mit Ende der Hymne werden die zuvor verrichteten Tätigkeiten weitergeführt. Im Grunde habe ich in Bangkok mir die Stadt angeschaut und verschiedene Märkte und Einkaufshallen besucht.


Tage 24 – 32 (Australien)

 Australien ist schnell erzählt. Sydney – Standard Touristenprogramm mit Opernhaus, Strand und Innenstadt. Melbourne – Touristenprogramm und Besuch des Nap-Cup Finales im Australien Football. Am letzten Tag habe ich noch eine nächtliche Kanu-Fahrt durch Melbourne gemacht, was ich tatsächlich weiterempfehlen kann.

Tasmanien hat mir deutlich besser gefallen als Melbourne und Sydney. Ich war in Launceston und habe dort den Cataract Gorge (eine Schlucht) besucht und mir Stadt und Museen angeschaut. Darüber hinaus hat Launcesten noch einen ideellen Wert, viel weiter fort von „zu Hause“ als dort ging nicht. Von Launceston aus ging es jetzt „heimwärts“.

 

 

 


Tage 32 – 36 (Hawaii und Atlanta)

Tag 32 beinhaltete ein besonderes Highlight. Durch Überflug der Datumsgrenze hatte ich „Doppelgeburtstag“. Gegen 20:00 Uhr am Abend des Geburtstags in Melbourne losgeflogen um 6 Uhr Morgen am Tag meines Geburtstags in Honolulu angekommen.

Die Wartezeit bis zum Bezug des Hostels verbrachte ich am Strand und unterstütze das Damen-Beach-Volleyball-Team der Uni Hawaii als Balljunge. Zwei Flaschen Gatorrade & eine Verabredung für den frühen Abend  -schließlich hatte ich immer noch Geburtstag –  waren mein Lohn.

Was soll ich über Hawaii schreiben? Ja, es ist genau schön, wie man es sich vorstellt. Ja, es ist das leichtere Leben dort.  Was fällt auf? Japaner. Ich habe nicht viele Japaner erwartet. Eine Fehleinschätzung: ein Blick auf den Globus zeigt deutlich, dass es ebenso geographisch ein beliebtes Reiseziel, aus Japan kommend, ist.

Mein Highlight in Hawaii? Schwimmen mit Haien an der Nordküste der Insel. Ein Haikäfig, wie von Tauchern bekannt, aber nach oben offen und an der Wasseroberfläche treibend. Vier weitere Personen und ich mittendrin. Hin und Rückfahrt waren sehr wellig. Nachdem sich der Magen beruhigte, erspähte ich neben Haien auch Walfische, Schildkröten und Delfine.

Grundsätzlich bin ich kein großer Fan davon, irgendwo ein zweites Mal Urlaub zu machen. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Warum also wohin, wo man schon war

Von Hawaii aus ging es über Atlanta   weiter nach Ecuador. In Atlanta besichtige ich das Coca-Cola Museum und den Olympia-Park.

Für Getränketechnologen ist das Museum nichts. Auf das Getränkt wird mit Ausnahme einer Probierstation aller Sorten des Konzernes nicht eingegangen. Marketingartikel und das Geheimnis um die Formel sind Hauptbestandteil des Museums. Im  4D-Kino des Museums bewegt sich der Boden und Wasserdampf und Gerüche werden eingespielt. Ganz nett. Mir wurde eine Privatvorstellung geboten. Als einer der ersten Besucher des Tages hatte ich die andern Besucher  im Rundgang weit hinter mir gelassen. Weniger meinem schnellen Schritt, denn der in den USA zu vermuteten Adipositas der Besucher verschuldet.


Tage 37 – 39 (Ecuador)

Die letzten Tage hatte ich mir nochmal mit viel Programm „vollgestopft“. Fahrt zum Äquator, Fahrt nach Otavalla inklusive Blick auf den Chimborazo – das Ganze auf einen Teil der berühmten Route Pan Americano. Seilbahnfahrt auf den Pichincha. Es hat sich vollumfänglich gelohnt. Ich bereue es fast, nicht mehr Zeit für Ecuador eingeplant zu haben

Bezüglich der Flughäfen hatte ich ein glückliches Händchen. Mein Landeanflug erfolgte auf den alten Flughafen. Spektakulär durch Berge und über die Stadt. Der Abflug erfolgte vom neuen Flughafen. Ein erst vor wenigen Tagen eröffneter Flughafen ist ein ungewöhnlicher Anblick. Viele Berliner warten seit Jahren darauf.


Tag 40 (Rückflug)

Mit Zwischenstopp in Bogotá  ging es zurück nach Deutschland.

In Kolumbien ist mir eine Gruppe mit jungen Fußballspielern (12-15) negativ aufgefallen. Sie waren laut, haben gegen Gegenstände getreten, auf den Boden gespuckt, etc.. Ich war Gast Kolumbien, ich sagte nichts. Die Gruppe reiste im gleichen Flugzeug. Mehrfach wurden die Spieler und ihr Trainer von den Stewardessen zu Recht gewiesen. Hier war ich immer noch Gast, erneut sagte ich nicht. In Frankfurt ausgestiegen, fing die Gruppe an gegen die Gangway zu schlagen. Da ich nun kein Gast mehr war, habe ich sehr bestimmt darauf hingewiesen wie unangebracht das Verhalten ist. Meine erwarte, dass man sich als Gast in Deutschland vorbildlich verhält, habe ich klar zum Ausdruck gebracht. Zum einen war ich überrascht, wie gut mein Spanisch plötzlich war und zum anderen hat es deutlich auf die Gruppe gewirkt. Plötzlich wurde ein gutes Benehmen an den Tag gelegt. Nachdem ich 12 Stunden den Mist ertragen musste, hat das richtig gut getan und war ein denkwürdiger Abschluss meiner Reise.

2013-03-27 14.44.53