Lenin Mausoleum und Nekropole

Geöffnet von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, außer montags und freitags sowie an allen Feiertagen, bemühten wir uns um 09:30 Uhr am Mausoleum zu sein. Um 09:40 Uhr erreichten wir den Roten Platz und reiten uns in die bereits lange Warteschlange ein. Insgesamt warteten wir 75 Minuten, bis wir die Sicherheitskontrolle am Eingang des Komplexes erreichten.  Da das Mausoleum alle zwei Jahre für mehrere Monate total geschlossen ist, nehmen  wird dieses in Kauf. Wer weiß, wann wir nochmals die Chance dazu haben. In Russland häufen sich die Stimmen, Lenin einzuäschern und zu begraben. 2024 – Hundert Jahre nach dem Ableben Lenins könnte der Zeitpunkt gekommen sein.

Die Zeit des Wartens erlaubt einen Blick auf die weiteren Besucher. Vorrangig sind es große (über 100 Personen) Reisegruppen aus asiatischen Ländern. Dieses erklärt zum Teil auch die lange Wartezeit. Die Militärwache am Eingang achtet darauf, Besucher in kleinen Gruppen hinein zu lassen, um das vorbeiziehen sich langer drängelnder Menschenmassen zu vermeiden. Ein Konzept, dass asiatischen Gruppen fremd zu sein scheint. Kaum hat ein Teil der Reisegruppe die Sicherheitsschleuse passiert, warten diese auf die weiteren Teilnehmer. Irgendwann versteht der Guide das System, holt eine Gruppe ab, führt diese zum Eingang des eigentlichen Mausoleums, wartet bis er die Gruppe auf der andern Seite sieht … geht zurück zum Eingang, nimmt eine weiter Gruppe im Empfang und das Spiel wiederholt sich.
In Rahmen unserer Wartezeit fiel vor allem eine Gruppe aus Nepal negativ auf. Für mich zeigten sie das unverschämte Verhalten und die laute Art zu sprechen, welche ich in Nepal und Kathmandu täglich sah. Als die Gruppe anfing, anderen Besuchern die Kappen und Hüte auszuziehen, um sich damit zu fotografieren, rechnetet ich jede Minute mit einem Polizeieinsatz. Zunehmend stieg die Verärgerung der anderen Wartenden. Der Guide einer asiatischen Reisegruppe schaffte es schließlich dem Treiben Einhalt zu gebieten, Sekunden vor dem „Zerreisen meiner Hutschnur“ – innerlich hatte ich bereits Luft geholt, um ein deutliches Machtwort zu sprechen. In Nepal musste ich mich als Gast noch zurückhalten und dieses Verhalten ertragen. Nun hätte sich die Chance geboten, Nepalesen einmal deutlich die Meinung zu sagen. Vermutlich besser, dass es nicht dazu gekommen ist. Für Zerstreuung sorgen als  Lenin und Stalin oder in Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg  verkleidete Russen, welche sich den wartenden Besuchern gegen Geld als Fotoattraktion anbieten. Kurz vor Eingang des Mausoleums-Geländes gibt es eine saubere Toilettenanlage. Auf dem Platz vor dem Staatliche Historische Museum wird ein kleiner Markt abgehalten. Somit kann sich einer von uns die Beine vertreten und der Andere in der Schlange den Platz freihalten.

Vor dem Eingang auf das Gelände wird  eine Sicherheitsschleuse passiert. Schilder verdeutlichen die Regeln. Respektvolles Verhalten, Mobiltelefone sind auszuschalten, keine Fotos und Videos im eigentlichen Mausoleum, kein Sprechen im Mausoleum, Hände aus den Taschen, kein Rauchen und für Männer ein striktes Verbot von Hüten und Mützen.

Vor und hinter dem Mausoleum führt der Weg durch die so genannte Nekropole entlang der Kremlmauer. Von den 1920er- bis in die 1980er Jahre wurden hier, auf dem Ehrenfriedhof, hunderte Personen bestattet. Neben russischen Staatsmännern und Militärs sind u.a. Juri Gagarin, Maxim Gorki, aber auch die deutsche Frauenrechtlerin Zetkin, der Mitbegründer des KPD, Fritz Heckert,  oder John Reed, erster Vorsitzender der Kommunistischen Partei der USA, bestattet. Neben Einzelgräbern und Sammelgräbern sind die überwiegende Zahl der letzten Ruhestätten die in die Mauer eingelassenen Urnengräber.

Die bedeutenderen Persönlichkeiten sind mit Einzelgrab und darüber angebrachter Büste geehrt. Bereits von der Ferne ist das Grab Stalins zu erkennen. Auf diesen Grab finden sich die meisten durch Besucher niedergelegten Blumen.

Das aus Labradorstein und dunkelroten Granit erbaute Lenin-Mausoleum greift baulich Elemente der Stufenpyramiden der prä-kolumbianischen Maya-Grabmäler  sowie des Sarkophages Alexander des Großen auf. Insgesamt 24 Meter lang und 12 Meter hoch, ein fünfstufiges Gebäude mit dem Herzstück der  10 auf 10 Meter hohen Aufbewahrungshalle mit terrakottafarbener Deckenverkleidung und kleinen roten Streifen an der Wand.

Im Gebäude ist es düster und kalt. Eine lange Treppe führt nach unten zur Halle mit dem aufgebahrten Leichnam Lenins. Düster dreinblickende Gardisten sind damit beschäftigt, laut „psst“ zu zischen und die Besucher zum Schweigen aufzufordern.

Lenin bzw. die Hülle seines Körpers (das Gehirn ist nicht vorhanden) liegt in einem kugelsicheren Sarkophag aus rotem Granit. In 15 Sekunden ist die Halle durchschritten.

Die 1993 abgeschaffte Ehrenwache vor dem Mausoleum bewacht seit 1997 stattdessen die Ewige Flamme im Alexandergarten. Nichts desto weniger sorgen Gardisten für Ordnung. Seitlich des Komplexes stehen zwei Armeeangehörige, in Galauniform, Wache.  Diese scheinen mehr damit beschäftigt zu sein, sich mit den jungen Russinnen zu unterhalten. Als eine junge Asiatin die Absperrung überspringt, um ein Selfie vor dem Mausoleum zu machen zeigt sich, dass diese die Situation im Auge haben. Nach drei bis vier Metern ist die Besucherin abgefangen und wird freundlich aber bestimmt abgeführt. Soweit es mir möglich war die Szenerie zu verfolgen, wurde sie noch zurück auf dem Platz weiter in Gewahrsam gehalten und der Polizei übergeben.