Ming-Gräber (Changling)

Kaum eine geführte Tour zur Chinesischen Mauer wird ohne einen Zwischenstopp an den Ming-Gräbern vonstatten gehen. Liegen diese Gräber nur 45 km von der Pekinger Innenstadt entfernt und somit auf halber Strecke zur Mauer.

Die ursprüngliche Lage orientierte sich nicht an der Nähe zur Mauer, sondern zu einem nach den Feng-Shui-Gesetzen gelegenen Ort nahe des Regierungssitzes der Ming-Kaiser. Am Ort der Grabanlage wurde ein Platz gefunden, der zum einen die ausreichende Fälsche bietet und zum anderen nördlich von Bergkette auf drei Seiten umschlossen wird. Somit sind die Gräber vom „böse Geister bringenden Nordwind“ geschützt.

Die am Fuße des Tianshou Berges gelegene Anlage erstreckt sich auf eine Fläche von 80 km². Heute sind einzelne Gräber für Besucher zugänglich, zumindest die überirdisch gelegenen Bauten. Die Anlage wurde 2003 in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Trotz dieses Titel und der touristischen Bedeutung überrascht der teilweise schlechte und ungepflegte Zustand der Anlage. Ebenso ist die Qualität des Museums im „Haupthaus“ nahezu unerklärlich. Die Präsentation entspricht einem Schulprojekt einer 9 Klasse, das maximal eine zwei minus erhalten hätte. Die Poster sind auf Holzwände geklebt. Teilweise mit Kuli beschriftet. Beim genaueren Hinsehen sind Klebstoffreste an den Rändern der Exponate zu erkennen. Alles in allem lieblos…

Möglicherweise hatten wir einfach Pech, dass wir die Grabstätte Changling besucht haben. Gerüchten zufolge soll die Dingling Grabstädte die schönere sein. Diese hat den Nachteil, dass sie für Menschen mit Herzproblemen und Problemen mit dem Bewegungsapparat nicht empfehlenswert ist. Für Rollstuhlfahrer ist diese Grabstädte nicht besuchbar. In Changling ist dieses, zumindest von den technischen Gegebenheiten, möglich.

Changling:

Die Grabanlage besteht aus drei Höfen. Im ersten Hof ist ein Pavillon mit Gedenkstein zu sehen. In diesem Hof wurden früher Opfergaben zubereitet. Heute stehen  hier Blumen und schattenspendende Obstbäume.

Im zweiten Hof befindet sich ein neun räumiges Gebäude mit der Halle des Segens. Erbaut ist diese Halle aus Holz und beinhaltet 32 große hölzerne Säulen. Die vier größten Säulen haben einen Durchmesser von 1,17 cm. Jede Säule besteht aus einem einzigen Stamm,der in einem Zeitraum zwischen 4 bis 6 Jahren aus dem Süden Chinas zu seinem Bestimmungsort gebracht wurde. In der Vergangenheit waren die vier größten Säulen mit goldfarbenen Lotusblüten verziert.

Hinter diesem Gebäude, im dritten Hof, befinden sich der  mit Kiefern und Zypressen bewachsene Grabhügel und der dritte Hof, welcher von einem Gebäude mit Aussehen eines Festungturmes. Dieses ist der Pavillon der Klarheit, welcher einen Grabstein mit der Inschrift „Grabstein des Kaisers Chengzu“ beinhaltet.

Trotz der bereits erwähnten Schwachstellen der Anlage ist es ein schöner Zwischenstopp auf dem Weg zur Mauer. Vorsichtig sollte man jedoch beim Warten auf den Bus sein. Hier haben sich fliegende Händler darauf spezialisiert, Touristen über´s Ohr zu hauen und vor allem die Unkenntnis im Wechselkurs und in der Art der Geldscheine  auszunutzen. Von den Mitfahrern in unserem Bus kaufte ein Italiener 3 Äpfel für umgerechnet 8 Euro und bekam dazu einen nicht gültigen Geldschein zurück.

Neben (angeblich) frischem Obst werden Getränke (keine Flaschen, sondern geschöpft in Bechern) und Plastikspielzeug von diesen Händlern angeboten.