Roter Platz

Trafalgar Square in London, Markusplaz in Venedig, Place de la Concorde in Paris, Zocolo in Mexiko-City, Platz des Himmlichen Friedens in Peking … zwischenzeitlich können wir auf eine illustre Runde besuchter berühmter Plätze zurückschauen. Ein weiterer ist nun hinzugekommen, eines der Wahrzeichen Moskaus, der Rote Platz.

Nahezu jeder Bericht zum Roten Platzes beginnt mit der Information, dass der Rote Platz in der Vergangenheit Krasnaja Ploschtschad – „schöner Platz“, später Handelsplatz und Feuerplatz genannt wurde, bis sich im 17 Jahrhundert die Bezeichnung Roter Platz herausbildete. Beinahe hätte ich diese Information ebenso unkommentiert weitergegeben. Nach fünfminütiger Internetsuche sind bald verlässliche Quellen gefunden, dass das Wort Krasnaja in früherer Zeit neben der Bedeutung „schön“ auch die Deutung „rot“ beinhaltete. Ohne diese Kenntnis wäre kein wichtiger Grund zu erkennen, warum der Platz plötzlich als Rot bezeichnet wurde. Der gerne angebrachte Verweis auf die rote Erde ist unzureichend, war diese Erde doch bereits zur Zeiten der Benennung mit anderen Namen vorhanden. „Urgeschichtlich“ ist dies eine Erklärung für die ursprüngliche Bezeichnung mit seiner doppelten Bedeutung.

Der zum Südosten hin abfallende Platz ist 500 Meter lang und 150 Meter breit. Das Pflaster ist mit allerlei bunten Linien bemalt, welche Straßen und Wege für die hier abgehaltenen Militärparaden vorgeben.

Stirnseitig, dem Fluss abgewandt, steht das aus roten Backstein und mit weisen Zinnen versehene Historische Museum. Seitlich des Museums fällt der Platz steil ab, sodass das vom direkt an das Museum grenzende Woskresenkie Tor (Auferstehungstor), zunächst nur beide Türme sichtbar sind. Dieses Tor ist erst 1996 wieder, nach historischen Vorbild, erbaut.

Im Nordosten des Roten Platzes sind zwei Gebäude für uns interessant. Die Kasaner Kathedrale, in welcher Gläubige von 1612 bis 1920 eine der berühmtesten Ikonen (Gottesmutter von Kasan) verehrten, sowie das legendäre Warenhaus Gum.

Am südöstlichen Ende des Platzes fotografieren wir die zweifellos berühmteste Sehenswürdigkeit der russischen Hauptstadt, die Basilius Kathedrale. Die Kathedrale besteht aus insgesamt acht Nebenkirchen und einem Hauptteil, welche jede an  einer farbigen Kuppel (Zwiebelturm)  erkennbar sind. Die eigentliche Hauptkirche trägt eine goldene Kuppel bzw. eine goldene Turmspitze in 115 m Höhe. Erstaunlicherweise trägt die Kapelle des Namensgebers die kleinste Kuppel. Die Zahl Neun ist eine geschichtliche Bedeutung, am neunten Tag wurde die Stadt Kasam eingenommen und die Tataren besiegt. Aus Dankbarkeit über diesen Sieg wurde 1553 der Bau durch Iwan den Schrecklichen in Auftrag gegeben. In diesem Zusammenhang erhalten die Zwiebeltürme die zusätzliche Bedeutung, an die Turbane der besiegten Tataren zu erinnern.

Im Rahmen einer Stadtrundfahrt erfahren Touristen allerlei Anekdoten zur Basilika. Eine der beliebtesten Geschichten ist, den Architekten wurden die Augen ausgestochen, dass sie keine Kirche vergleichbarer Schönheit bauen könnten. Sehr unglaubwürdig, nach der Fertigstellung der Basilika bauten die Architekten nachweislich noch weitere Kirchen. Nicht erzählt wird hingegen, dass neben dem Architekten P. Jakowlew auch I. Barma hauptverantwortlich für den Bau zeichnet. Ein gewisse Anerkennung erhielt Barma zu Beginn der 2000er Jahre. Ein Kraters auf dem Merkur trägt nun seinen Namen.

Eine weitere Geschichte unklaren Wahrheitsgehaltes ist, dass Napoleon  im Begriff war die Basilika zu sprengen. Die Zündschnur brannten, wurden durch einen wundersamen plötzlich eintretenden Regenschauer in letzter Minute gelöscht.

Vor der Basilika befindet sich der Richtplatz (Lobnoje mesto). Exakt übersetzt bedeutet Lobnoje mesto Schädelplatz, was auf seine historische Relevanz  für u.a. Exekutionen und öffentliche Hinrichtungen verweist. Ebenso steht direkt vor der Basilika das 1818 errichtet Denkmal von Mini und Poscharskij.

Die Westseite des Platzes ist durch den östlichen Abschnitt der Schutzmauer des Kremls geprägt. Drei Türme zeigen zum Platz. Nordöstlich der 70 Meter hohe Nikolausturm mit gotischer Spitze. Heute einer von vier Kremleingängen. Ein weiteres Eingangstor ist im Erlöser-Turm, der den Roten Platz zusammen mit der benachbarten Basilius-Kathedrale vom Süden her abschließt, beheimatet.  Diese beiden Türme tragen auf Ihrer Spitze einen drei Meter Spannweite messenden roten Stern. Mittig zwischen beiden Türmen liegt der Senatsturm welcher, wie es der Name schon verrät, kremlseitig gegenüber dem Senat steht.

Unterhalt der Mauer und des Senatsturm findet sich ein wichtiges Denkmal der Sowjetzeit, das Lenin-Mausoleum, sowie die zugehörige Nekropole, der ehemalige Ehrenfriedhof der Sowjetunion.