Siegespark

Moskaus Siegespark, Hauptattraktion im Westen der Stadt, ist durch schlechte Informationspolitik durch Touristen schwach frequentiert. Wikipedia Deutschland kennt lediglich die S-Bahn Station und den Triumphbogen am Park.

Ursprünglich ganz auf den  zweiten Weltkrieg  ausgelegt, findet sich zum Beginn des Poklonnaja Hügels, seit 2014, ein Denkmal für die Soldaten und Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Ein langer Granitblock mit  Russischer Fahne . Das Relief zeigt  vorderseitig, mit aufgesetzten Bajonett, in die Schlacht zeihende Infanteristen. Eine Nonne hält einen verwundeten Körper im Arm, Geistliche spenden Segen. Rückseitig Soldaten zu Pferde im vollen Galopp. Erst seit kurzem arbeitet Russland den so genannten „Vergessenen Krieg“ öffentlich auf. In der Sowjetunion war er tabuisiert und mit den Zeiten des Zarenreiches verbunden.

Der Anstieg zum auf dem Poklonnaja Hügel gelegenen „Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges“ strotzt vor Symbolik. Fünf Platos führen zur 141.8 Meter hohen Siegessäule. Fünf Plateau´s für fünf Jahre Krieg, 141,8 Meter entsprechen zehn Zentimeter  pro Kriegstag.

Linkerhand säumen 15 mit Fahnen geschmückte Marmorsäulen – jede für eine Front des Großen Vaterländischen Krieges – den Weg. Sieben an der Ostseite – als Symbol für den Kriegsbeginn – und acht an der Westseite – als Symbol für die erfolgreiche Beendigung des Krieges im Westen. Am Fuße der Säulen sind Bronzeplatten mit der Abbildung von Soldaten angebracht. Diese Soldaten sind entweder tot, verletzt oder von den Schrecken des Krieges sichtbar gezeichnet.

Rechter Hand trägt jedes der fünf Plateau´s ein Wasserbecken mit Fontänen. Insgesamt 1418 Fontänen, eine pro Kriegstag. In den Abendstunden sind die Wasserspiele rot erleuchtet. Es bleibt dem Besucher freigestellt, ob dieses mit dem Rot die ruhmreichen Rote Armee, Blut oder beidem zu assoziieren ist.

Poklonnaja Hügel

Bei all der Kriegssymbolik kommt die weitere geschichtliche Symbolik des Hügels nahezu zu kurz. Napoleon wartete hier, vergebens, auf die Übergabe der Schlüssel des Kremls.
Der Name des Hügels leitet sich vom russischen Wort für Verneigung ab. Die höchste Erhebung vor Moskau diente in der Vergangenheit; Reisenden von kommend und nach Moskau ziehend, zum inne halten und zum Verbeugen vor den Kirchen der Stadt.

Säule/Stelle und ewige Flamme

Mittelpunkt des sich an die Platesau´s und eine Treppe anschließenden Hauptplatzes ist die, von der kurz unterhalb der Spitze durch die Göttin Nike gekrönte, 141,8 Meter hohe Säule bzw. Stele. Aus der Nähe betrachtet fällt an der Säule ein Relief (bzw. ein Basisrelief) auf. Erinnert es zunächst an ineinander verschlungene Zeichen oder Buchstaben, zeigt sich, dass es sich um die Abbildung von Soldaten handelt.

Die Säule oder Stele ist neben der Symbolik zum Thema Krieg ein erneuter Nadelstich gegen das ungeliebte Sankt Petersburg. Die Säule  ist eine Nachgestaltung der Säule am Schlossplatz in Sankt Petersburg. Die die Säule krönende Göttin Nike gleicht zunächst dem Engel auf der Petersburger Kathedrale. In Moskau steht „der Engel“ mit 142 Metern allerdings 20 Meter höher als in Sankt Petersburg.

Beachtenswert ist in Moskau die eher ungewöhnliche Darstellung der Göttin Nike, welche gewöhnlich den Arm in Siegerpose nach oben streckt. In Moskau senkt sie eine Fanfare nach unten, was als Aufforderung zu verstehen ist, sich vor den Gefallenen zu verbeugen.

Unterhalb der Säule veranschaulicht eine Reiterstatue des Heiligen Georg dessen siegreichen Kampf gegen einen Drachen. Sichtbar handelt es sich beim aufbäumenden Pferd um einen Hengst. Der Drache ist das symbolisierte Nazi-Deutschland, was spätestens die Hakenkreuze in der Haut des Drachens verdeutlichen. Die Bedeutung der Zerteilung des Drachens in fünf Teile bleibt mir offen. Vier Teile, eine für jede „Besatzungszone bzw. Siegermacht“, wäre mir einleuchtend gewesen.

Neben der Säule brennt eine ewige Flamme. In an Telefonzellen erinnernden Unterständen halten junge Russinnen und Russen Wache. Obgleich diese mit ihren roten Westen an DDR-Supermarktverkäuferinnen erinnern, sind ihnen Stolz und Wichtigkeit der Aufgabe im Gesicht anzusehen.

 Zentralmuseum

Direkt hinter dem Sieges-Monument befindet sich der semizirkuläre Bau des Zentralmuseums. Zwei Geschütze weisen den Eingang. Dieses Museum bietet neben typischen Museumsgegenständen, Videos und Zeitungsberichten sechs großen Dioramen bedeutender Schlachten

Open-Air Ausstellung

Das Wetter war gut und somit beschlossen wir, anstelle des Zentralmuseums das Open-Air Museum bzw. das Militär-Museum zu besuchen.  Die eher klein wirkende Ausstellung, zumindest im Vergleich zum Technik-Museum Sinsheim, beinhaltet ungefähr 300 Ausstellungsstücke von Panzern, Bunkern über Schiffe bis hin zu einem Eisenbahngeschütz.

Monument im Park

Die Parkanlage beinhaltet an verschiedenen Stellen mehrere Monumente. Beispielsweise das Monument für den unbekannten Soldaten ohne Grab. Die Statue zeigt einen getroffenen Soldaten, unfähig weiter zu laufen. Die Uniform und die Gesichtszüge sind in einer Art gestaltet, dass es ein Soldat jedes beteiligten Landes sein könnte.

Im hinteren Teil des Parkes befindet sich das Denkmal „ Im Kampf gegen den Faschismus waren wir (noch) vereint“.  Ein neueres Denkmal. Errichtet 2010 und allen ehemaligen Sowjet-Republiken gewidmet.  Dieses Denkmal ist von politischer Bedeutung. Es ist als direkte Antwort auf die Zerstörung eines Denkmales (das Hissen der Fahne über dem Reichstag) im Georgischen Kutaisi – auf Geheiß des Präsidenten Saakashvili – erbaut.

Ein weiteres Denkmal zeigt siegreiche Soldaten der vier Alliierten.

Bemerkenswert habe ich die Darstellung der deutschen Soldaten auf einem Denkmal zur Kapitulation Berlins wahrgenommen. Groß gewachsene, muskulöse Männer in sauberen Uniformen. Leni Riefenstahl hätte sich keine besseren Protagonisten vorstellen können. Eine intelligente Darstellung, diese kampferprobte Kriegerelite ruhmreich zu besiegen ist deutlich ehrenvoller als der Sieg über die Kinder und Greise die in den letzten Stunden zur Verteidigung Berlins herangezogen wurden.

Monument der menschlichen Tragödie 

Etwas seitlich, unterhalt des Zentralmuseums findet sich das Monument der menschlichen Tragödie. Ein vom Bildhauer Tsereteli erschaffene Komposition zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts.

Der Park an sich

Neben Denkmälern und Gotteshäusern für die großen Glaubensrichtungen ist der Siegespark ein ganz normaler
Park, der zum Fahrradfahren, Inline-Skaten (in Russland augenscheinlich immer noch ein großer Trend) und zu Spazierengehen einlädt.  Hin und wieder finden sich kleine Kioske und Toilettenanlagen. Die Wege sind gut ausgebaut und gekennzeichnet. Ein lohnendes Ausflugsziel.