Einkaufen in Moskau

Einkaufen in Moskau

Eine neue Hauptstadt, eine neue Möglichkeit für uns, ein Einkaufszentrum anzuschauen. Die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten der Stadt im Vergleich zu den weltweit einheitlich wirkenden Einkaufszentrum veranlasste uns, nur wenig Zeit hierfür einzuplanen.

GUM
Die Kombination Einkaufszentrum und Sehenswürdigkeit bietet das GUM, direkt am Roten Platz. In einem in Russland bekannten Lied des sowjetischen Dichers Wyssozki lässt dieser einen Bauer seiner Frau vom Gum berichten: „das ist wie bei uns die Scheune, nur mit Glas“ .Vermutlich aus den 1970er stammend, einer Zeit, in welcher das GUM der politischen Führung ein Dorn im Auge war, ist diese Beschreibung keinesfalls dem Gebäude als eines wichtigsten Denkmäler der historistischen russischen Architektur des späten 19. Jahrhunderts gerecht. Drei helle Ladenpassagen erstrecken sich über 250 m, jeweils drei Etagen hoch unter einer gläsernen Decke. In den unteren Stockwerken finden sich Geschäfte bekannter internationaler Designer. Mit zunehmender Stockwerksanzahl sinken die Preise, die Läden werden kleiner und das Angebot verändert sich. Kunst und Souveniers sind in den oberen Stockwerken zu finden. An den äußeren Ende der Passagen finden sich Schnellimbisse und Cafés mit günstigen Preisen.
Im Rahmen unseres Besuches wurden zusätzlich noch alte Fahrzeuge ausgestellt und Obst-und-Gemüse-Säfte angeboten.

Petrowski-Passage
Noch mehr Nobel-Boutiquen als das GUM bietet die Petrowski-Passage. Diese hinter dеm Bolschoi-Theater gelegene Passage bietet ein ähnliches Erscheinungsbild zum Gum, vermittelt die Pracht аus dеr Zarenzeit in den baulichen Details noch eindrucksvoller. Diese Passage ist, zumindest von der wenige Anzahl der anwesenden Touristen – im Allgemeinen war die Passage kaum besucht – nahezu ein Geheimtipp.

Tretjakowski Projesd
Die höchsten Preise für Kleidung, Schmuck und Uhren werden in einem alten Kaufmannshof, der heute zur kürzesten (und teuersten) Straße Moskaus umfunktioniert ist, aufgerufen.

Arbat
Deutlich länger und deutlich günstiger ist die Fußgängerzone Arbat. Durch Künstler und Restaurants gleicht die circa einen Kilometer lange Straße im Herzen Moskaus mehr einem Szeneviertel als einer einfachen Fußgängerzone. In dieser Straße findet sich neben historischen Gebäuden u.a. eine Filiale des Hard-Rock-Café Moskau.

Ochotny Rjad
Ungeplant besichtigen wir unterhalb des Manegeplatzes das 62.000 m² große, auf drei Etagen sich ausbreitende Einkaufszentrum. Neben Edelmarken wird ein Sortiment geboten, welches sich in jeder deutschen Stadt mit eigenen Einkaufszentrum finden lässt.

Atrium
Circa zwei Kilometer von unserem Hostel entfernt, an der U-Bahn Station Kurskaya gelegen, bot uns der Shopping und Enterainment Kompelx Atrium die Möglichkeit, ein Einkaufszentrum für Russen und ohne Touristen zu besichtigen. Das Atrium bietet neben einem Kino und einem großen Spielzeugladen alle Geschäfte, welche wir wenige Tage zuvor in der novosibirsker Mall sahen. Ein großer Food-Corner bietet Fast-Food und Sitzgelegenheiten.

Supermärkte
Neben all den auf Kleidung ausgelegten Einkaufszentren war für uns etwas ganz anderes wichtig. Ein Supermarkt zur Selbstversorgung. In der Nähe des Hostels kauften wir, vorwiegend Getränke, in kleinen Tante-Emma-Läden. Das Angebot war in Ordnung, aufgrund der kleinen Räume begrenzt.

Der Supermarkt im unteren Stock des Atrium-Shopping Komplexes versorgte uns mit einem deutlich größeren Angebot. Alles war zu finden, das uns ein deutscher Supermarkt bieten würde. Von Auswirkungen der Sanktionen bemerkten wir nichts. Viele der Produkte tragen lateinische Schriftzeichen. Die Marken der großen Nahrungsmittelhersteller wie Kellogs oder Unilever sind in kyrillisch abgedruckt-der Rest der Verpackung ist identisch. Zu meiner Überraschung findet sich im Kühlregal der gleiche Grünländer-Käse mit identischer deutscher Verpackung, welcher in einem deutschen Discounter als Eigenmarke angeboten wird.

Etwas unterschiedlich gestaltet sich das Obst-und Gemüse-Angebot. Gurken sind beispielsweise nicht in Folie verpackt. An vielen Gemüse ist sichtbar Erde vorhanden und teilweise krumm und schief gewachsten (nicht EU-Norm entsprechend), was dem Ganzen einen Wochenmarkts-Angebot Charakter verleiht. „Exoten“ sind mit Ausnahme von Bananen und Ananas weniger vorhanden.

Das Alkoholangebot unterscheidet sich neben den Bier-Eigenmarken vorwiegend durch die Größe der PET-Flaschen. Zwei bis fünf Liter sind Standard. Widererwartend nur wenig verschiedener Wodka, dafür einen reichliche Auswahl an Kwas. Unser kulinarisches Highlight ist eine Thunfisch-Paste. Zurück in Deutschland kaufe ich mir seit Urlaubsende hin und wieder ein vergleichbares Produkt.

Beim Bezahlen merken wir anschließend doch noch etwas von den Sanktionen. Die Verkäuferinnen sind peinlich darauf bedacht, das Geld passend zu erhalten und nicht viele Geldscheine zurückgeben zu müssen.

Roter Platz

Trafalgar Square in London, Markusplaz in Venedig, Place de la Concorde in Paris, Zocolo in Mexiko-City, Platz des Himmlichen Friedens in Peking … zwischenzeitlich können wir auf eine illustre Runde besuchter berühmter Plätze zurückschauen. Ein weiterer ist nun hinzugekommen, eines der Wahrzeichen Moskaus, der Rote Platz.

Nahezu jeder Bericht zum Roten Platzes beginnt mit der Information, dass der Rote Platz in der Vergangenheit Krasnaja Ploschtschad – „schöner Platz“, später Handelsplatz und Feuerplatz genannt wurde, bis sich im 17 Jahrhundert die Bezeichnung Roter Platz herausbildete. Beinahe hätte ich diese Information ebenso unkommentiert weitergegeben. Nach fünfminütiger Internetsuche sind bald verlässliche Quellen gefunden, dass das Wort Krasnaja in früherer Zeit neben der Bedeutung „schön“ auch die Deutung „rot“ beinhaltete. Ohne diese Kenntnis wäre kein wichtiger Grund zu erkennen, warum der Platz plötzlich als Rot bezeichnet wurde. Der gerne angebrachte Verweis auf die rote Erde ist unzureichend, war diese Erde doch bereits zur Zeiten der Benennung mit anderen Namen vorhanden. „Urgeschichtlich“ ist dies eine Erklärung für die ursprüngliche Bezeichnung mit seiner doppelten Bedeutung.

Der zum Südosten hin abfallende Platz ist 500 Meter lang und 150 Meter breit. Das Pflaster ist mit allerlei bunten Linien bemalt, welche Straßen und Wege für die hier abgehaltenen Militärparaden vorgeben.

Stirnseitig, dem Fluss abgewandt, steht das aus roten Backstein und mit weisen Zinnen versehene Historische Museum. Seitlich des Museums fällt der Platz steil ab, sodass das vom direkt an das Museum grenzende Woskresenkie Tor (Auferstehungstor), zunächst nur beide Türme sichtbar sind. Dieses Tor ist erst 1996 wieder, nach historischen Vorbild, erbaut.

Im Nordosten des Roten Platzes sind zwei Gebäude für uns interessant. Die Kasaner Kathedrale, in welcher Gläubige von 1612 bis 1920 eine der berühmtesten Ikonen (Gottesmutter von Kasan) verehrten, sowie das legendäre Warenhaus Gum.

Am südöstlichen Ende des Platzes fotografieren wir die zweifellos berühmteste Sehenswürdigkeit der russischen Hauptstadt, die Basilius Kathedrale. Die Kathedrale besteht aus insgesamt acht Nebenkirchen und einem Hauptteil, welche jede an  einer farbigen Kuppel (Zwiebelturm)  erkennbar sind. Die eigentliche Hauptkirche trägt eine goldene Kuppel bzw. eine goldene Turmspitze in 115 m Höhe. Erstaunlicherweise trägt die Kapelle des Namensgebers die kleinste Kuppel. Die Zahl Neun ist eine geschichtliche Bedeutung, am neunten Tag wurde die Stadt Kasam eingenommen und die Tataren besiegt. Aus Dankbarkeit über diesen Sieg wurde 1553 der Bau durch Iwan den Schrecklichen in Auftrag gegeben. In diesem Zusammenhang erhalten die Zwiebeltürme die zusätzliche Bedeutung, an die Turbane der besiegten Tataren zu erinnern.

Im Rahmen einer Stadtrundfahrt erfahren Touristen allerlei Anekdoten zur Basilika. Eine der beliebtesten Geschichten ist, den Architekten wurden die Augen ausgestochen, dass sie keine Kirche vergleichbarer Schönheit bauen könnten. Sehr unglaubwürdig, nach der Fertigstellung der Basilika bauten die Architekten nachweislich noch weitere Kirchen. Nicht erzählt wird hingegen, dass neben dem Architekten P. Jakowlew auch I. Barma hauptverantwortlich für den Bau zeichnet. Ein gewisse Anerkennung erhielt Barma zu Beginn der 2000er Jahre. Ein Kraters auf dem Merkur trägt nun seinen Namen.

Eine weitere Geschichte unklaren Wahrheitsgehaltes ist, dass Napoleon  im Begriff war die Basilika zu sprengen. Die Zündschnur brannten, wurden durch einen wundersamen plötzlich eintretenden Regenschauer in letzter Minute gelöscht.

Vor der Basilika befindet sich der Richtplatz (Lobnoje mesto). Exakt übersetzt bedeutet Lobnoje mesto Schädelplatz, was auf seine historische Relevanz  für u.a. Exekutionen und öffentliche Hinrichtungen verweist. Ebenso steht direkt vor der Basilika das 1818 errichtet Denkmal von Mini und Poscharskij.

Die Westseite des Platzes ist durch den östlichen Abschnitt der Schutzmauer des Kremls geprägt. Drei Türme zeigen zum Platz. Nordöstlich der 70 Meter hohe Nikolausturm mit gotischer Spitze. Heute einer von vier Kremleingängen. Ein weiteres Eingangstor ist im Erlöser-Turm, der den Roten Platz zusammen mit der benachbarten Basilius-Kathedrale vom Süden her abschließt, beheimatet.  Diese beiden Türme tragen auf Ihrer Spitze einen drei Meter Spannweite messenden roten Stern. Mittig zwischen beiden Türmen liegt der Senatsturm welcher, wie es der Name schon verrät, kremlseitig gegenüber dem Senat steht.

Unterhalt der Mauer und des Senatsturm findet sich ein wichtiges Denkmal der Sowjetzeit, das Lenin-Mausoleum, sowie die zugehörige Nekropole, der ehemalige Ehrenfriedhof der Sowjetunion.