Peking – Kaiserpalast / „Verbotene Stadt“

Peking – Kaiserpalast / „Verbotene Stadt“

Ein Erstbesuch Pekings ohne die Besichtigung des Kaiserpalastes, der „Verbotenen Stadt“, ist nahezu unvorstellbar. Nicht nur für ausländische Touristen, auch für Einheimische, ist es der zentrale Besichtigungsort. Das Ausmaß an Touristen hat zur Folge, dass die „Verboten Stadt“ wieder ein wenig verboten wird. Die Anzahl der Besucher ist seit Juni 2015 auf täglich 80.000 Menschen begrenzt. Der Besucherrekord stammt vom Nationalfeiertag am 02.Oktober 2012 mit 182.000 Besuchern.

Der Verkauf an Karten ist auf eine Karte pro Person begrenzt, um Schwarzhändler auszubremsen. Somit ist es notwendig, seinen Ausweis beim Kauf der Karten vorzuzeigen. Anstelle meines Reisepasses habe ich meinen Personalausweis vorgezeigt und zu meiner Überraschung wurde dieser als Studentenausweis gewertet und ich musste nur den halben Preis bezahlen. Der Besuch ist für chinesische Verhältnisse mit circa zehn Euro eher teuer. Der Preis wurde in den letzten Jahren erhöht, um die Besucheranzahl zu verringern – ohne Erfolg.

Tore:

Während das Tor am Platz des himmlischen Friedens den Eingang zur ehemaligen Kaiserstadt bildet, betritt man den Kaiserpalast  durch das „Mittagstor“. Das Mittagstor ist acht Meter hoch und das Gebäude kommt auf 38 Meter und ist damit das höchste Gebäude im ehemaligen Kaiserpalast. Die Stadt besitzt vier Haupttore (je eines pro Himmelsrichtung) mit jeweils einem Turm. Verlassen wird der Kaiserpalast durch das nördliche „Tor der Göttlichen Militärischen Begabung”, es ist das nördlichste Tor des ganzen Kaiserpalastes. Früher gab es im oberen Teil des Torturms eine Trommel und eine Glocke, die eigens für die Palastbewohner die Zeit mitteilte. Alle Türen haben 81 Nägel, also  neun Reihen mit neun Nägeln. Einzige Ausnahme bildet das Donghua-Tor – dieses hat nur acht Reihen. Es war nötig die Anzahl der Nägel auf eine gerade Zahl zu reduzieren, da durch dieses Tor Särge getragen wurden. Dem philosophischen Gedanken von Yin und Yang folgend ist hierzu eine gerade Zahl, eine sogenannte Yin-Zahl, notwendig.

Größe:

Die gesamte Anlage hat eine Ausdehnung über 720.000 m². Auf der bebauten Fläche von 150000 m² sind 890 Gebäude untergebracht. Aktuell können zwei Drittel der Gebäude besichtigt werden. Der annähend rechtwinklige Grundriss ist streng nach einer Nord-Süd-Achse ausgerichtet. Mittelpunkt bildet die eigentliche „verbotene Stadt“.

Der Legende nach gibt es im Palast 9999 und einen halben Raum. Der halbe Raum hat symbolischen Charakter, da das Paradies im Himmel insg. 10.000 Räume umfassen soll. Zwischenzeitlich ist die genaue Zahl der Räume bekannt. Es sind 8886 Räume.

Die gesamte Stadt wird von einer  3428 Metern langen und zehn Meter hohen Mauer umfasst. Die gesamte Anlage ist durch einen 3800 Meter langen, 52 Meter breiten und sechs Meter tiefen mit Wasser gefüllten Graben umgeben.

Gebäude:

Die verbotene Stadt besteht aus einem äußeren und inneren Hof. Die wichtigsten Gebäude folgen in ihrer Ausdehnung einem bestimmten Verhältnis, und zwar Neun zu Fünf. Viele Distanzen zwischen den Gebäuden sind genau im Wert des so genannten goldenen Schnittes gestaltet, also im Verhältnis 0.618. Die Hauptgebäude wurden auf weißen, von Balustraden umgebenen Marmorterrassen errichtet.

Die geschwungenen Pagodendächer sind mit speziellen Ziegelsteinen, den Goldziegel oder auch gelbe Ziegel- nach der Farbe des Kaisers- bedeckt. Diese Ziegel sind  sehr hart und witterungsbeständig. Für den Glanz wurden sie mit Tungöl poliert und geben beim Klopfen einen hellen klingenden Ton ab.

Das wichtigste Gebäude im  für die Regierungsgeschäfte vorgesehenen äußeren Hof ist der Palast mit der Halle der höchsten Harmonie. Diese Halle umfasst eine Fläche vom 2400 m² und ist mit 36,57 Metern der höchste Palast in der Anlage. 24 Säulen tragen das Dach der Halle, welche den Drachenthron beinhaltet.

Vor dem Palast befindet sich die größte Steinplatte Chinas mit einer Fälsche 50 m² und ein Gewicht von 239 Tonnen. Um diese Platte rund 50 km an ihren Bestimmungsort zu bringen, ersannen die Ingenieure eine Kombination aus Brunnen in einer Entfernung von 500 Meter zu einander. Im anschließenden Winter wurde eine Eisschiene hergestellt und die Platte in 28 Tagen, unter Zuhilfenahme von 20.000 Arbeitern, nach Peking gezogen.

Der innere, der Kaiserfamilie vorbehaltene, Hof bestehend aus drei Palästen: dem Palast der Himmlischen Reinheit, der Halle der Berührung von Himmel und Erde und dem (Palast der Irdischen Ruhe)). Nördlich vom Palast der Irdischen Ruhe lag der Kaiserliche Garten, welcher heute noch in Ansätzen zu erkennen ist.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Paläste und Pavillons. Ein einigen sind Ausstellungsstücke zu besichtigen. Beinahe wäre von diesen Ausstellungstücken im Rahmen der Kulturrevolution nichts übrig geblieben. Jedoch wurde der Kaiserpalast von der Volksarmee durch die Zerstörung durch die Roten Garde geschützt.

Viele der Gebäude bestehen aus mit Rohren durchzogenen Hohlwänden, was es erlaubte, die Räume von außen zu heizen.

Außenbereich:

In der Stadt gibt es 13.844 Drachendarstellungen. Im Osten der sechs östlichen Nebenpaläste befindet sich die sogenannte Neundrachenmauer. Das aus 270 glasierten Ziegeln bestehende Relief zeigt neun mit Perlen spielende Drachen auf einer Länge von 30 Metern.
Neundrachenmauer eine prächtige Geisterwand mit dem Abbild von 9 mit Perlen spielenden Drachen. Die sehr lebendig dargestellte Szene hat eine Länge von fast 30 m. Dabei ist es kein zufalle, dass genau 270 Ziegel verwendet wurden. Diese Zahl ist ein Vielfaches von 9×5, der Zahl des Kaisers.

In der Stadt und den Gebäuden wird man keine alten Toiletten finden. Anstelle von Toiletten wurden Bettpfannen genutzt. Für Besucher gibt es selbstredend zwischenzeitlich Toilettenanlagen.

Im Außenbereich fallen viele Bronzebottiche auf. Diese dienten nicht der Dekoration, sondern waren Wasserreservoirs für den Fall eines Brandes. Im Winter wurden diese teilweise beheizt, um das Zufrieren zu verhindern.

Vor mehreren Gebäuden sind sogenannte Wächterlöwen aufgestellt. Die Anzahl der Locken auf dem Löwenkopf (7 bis 13) symbolisiert die Ranghöhe des dort lebenden Politikers. 13 Locken waren ausnahmslos dem Kaiser vorbehalten.

Verlassen des Geländes:

Der Anzahl der Besucher und dem Inneren der Anlage unwürdig ist der Weg beim Verlassen der Anlage.

Hat man den Graben überquert, findet man sich in einer belebten Straße mit vielen Restaurants und kleinen Geschäften wieder. Während sich im inneren der Anlage die Menschenmassen gut verlaufen haben, herrscht hier nun dichtes Gedränge da die meisten diesen Weg zur U-Bahn bzw. zurück zum Platz des himmlischen Friedens nehmen. Die Polizei ist präsent um die sich hier in der Vergangenheit häufenden Taschendiebstähle einzudämmen.

Platz des Himmlischen Friedens

Platz des Himmlischen Friedens

Der Platz des Himmlischen Friedens gilt mit einer Fläche von ca. 40 ha als einer der größten befestigter Plätze der Welt. Ca. 1 Millionenen Menschen könnten darauf  einen Stehplatz einnehmen.  Der Platz des Himmlischen Friedens wurde nach dem Eingangstor zur Verbotenen Stadt benannt, dem „Tor des Himmlischen Friedens“. Korrekt übersetzen müsste man den chinesischen Namen des Platz eigentlich mit „Tor-des-Himmlischen-Friedens-Platz“.

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Bis Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Platz des Himmlischen Friedens nicht öffentlich zugänglich. Nach der Machtübernahme Ende der Vierzigerjahre im letzten Jahrhunderts wurde der Platz des Himmlischen Friedens ausgebaut, um hier Massenkundgebungen und Versammlungen abzuhalten. Die Volksrepublik China wurde am Platz des Himmlischen Friedens ausgerufen.

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Zu Beginn der Kulturrevolution wurden der Platz u.a. dazu genutzt, um Studenten  gegen das bestehende Bildungs- und Kultursystem zu beeinflussen. Dies mündete in die Ermordung Hunderter Lehrer und Professoren.  1987 demonstrierten Studenten monatelang auf dem Platz, was wiederum blutig endete. Jedoch wurde in beiden Begebenheiten niemand direkt auf dem Platz getötet.

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Weniger bekannt dürften die Studenten-Demonstrationen vom Mai 1919 sein. Hier gibt es einen Bezug zur deutschen Geschichte. Im Versailler Vertrag erhielt China die Hoheit über die ehemaligen deutschen Kolonialgebiete in der Provinz Shandong nicht zurück. Diese wurden stattdessen Japan unterstellt, was zu Studentenprotesten führte.

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Das Zhengyangmen-Tor,  welches auch unter dem Namen Qianmen bekannt ist, ist ein altes Stadttor in Peking. Es dient für viele Besucher der Stadt als markanter Anhaltspunkt  für den Beginn des Platzes des Himmlischen Friedens.
Das Tor diente als Haupttor der Inneren Stadt  und wurde daher größer und prächtiger als andere Stadttore gebaut. Der Wachturm ist über 40 Meter hoch. Heute ist hier ein Museum untergebracht.

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Hinter dem Zhengyangmen-Tor befindet sich die Gedenkhalle für den Vorsitzenden Mao. Im Inneren wird der einbalsamierte Leichnam Maos aufbewahrt. Die Erbauer orientierten sich am Lenin-Mausoleum im Moskau. Besonders bei der chinesischen Landbevölkerung ist dieser Ort ein „Muss“ bei Besuchen in Peking. Der Eintritt ist kostenlos. Von Süden nach Norden ist die Gedenkhalle 280 m lang und von Osten nach Westen 220 m breit. Die Halle hat eine Fläche von 57.000 Quadratmetern sowie eine umbaute Fläche von 28.000 Quadratmetern. Der Hauptteil des Gebäudes sieht quadratisch aus. Am äußeren Rand sind 44 Säulen aus gelbem Granit.

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Vor den Haupttoren an Süd- und der Nordseite stehen jeweils zwei Skulpturen-Gruppen. Die Skulpturen vor dem Südtor bestehen aus 62 Figuren. Arbeiter, Bauer, Politiker, Soldaten, Wissenschaftlern, Technikern und Kindern sind hier abgebildet. Die Skulpturen sollen an die sozialistischen Revolution und dem Aufbau des Sozialismus erinnern.

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Auf dem Platz befindet sich auch das Denkmal für die Helden des Volkes. Am Sockel des Monuments befinden sich acht große Reliefs, die die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse vom Beginn des ersten Opiumkriegs 1840 bis ins Jahr 1949 darstellen.  Für westliche Touristen scheint es jedoch eher uninteressant zu sein. Im Rahmen unseres Besuches konnten wir nicht beobachten, dass es von vielen Einheimischen besucht oder fotografiert worden wäre.

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Das beliebteste Fotomotiv bei Touristen und Einheimischen ist ohne Zweifel ein Bild mit dem eigentlichen Tor des Himmlischen Friedens im Hintergrund. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie ihren Foto vergessen haben. Mindestens 50 Fotografen bieten Ihnen gegen kleines Geld ein Foto samt Ausdruck an

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