Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Unterhalb des Roten Platzes liegen der Manegeplatz sowie der an die nordwestliche Kremlmauer anschließende Alexandergarten.
Will man in den Kreml führt der Weg unweigerlich durch den Park zum Ticketcenter in der Mitte der Parkanlage. Seitlich wird der zur Straße führende Steg am Kuafya Turm, nach Sicherheitskontrolle, betreten.
Durch ein großes eisernes Tor gehen wir in den Alexandergarten, um zum Ticketverkauf des Kremls zu gelangen. Das Fundament des zum Gedenken an des an den Sieg über Napoleon erschaffene Tores besteht aus dem Schutt der im Rahmen der französischen Besatzung zerstörten Moskauer Häuser.
Der Park ist in drei Abschnitte untergliedert.
Am Eingang des Parks befindet sich das Grab des unbekannten Soldaten mit einer ewigen Flamme. Im Grab finden sich die Gebeine eines einzelnen, an der Kilometermarke 41 der Leningradskoe Straße gefallenen, Soldaten. Kilometer 41 repräsentiert die kürzeste Entfernung zwischen Moskau und den vorrückenden Truppen des Dritten Reiches. Das Grab wird durch eine Ehrengarde bewacht, welche in der Vergangenheit für die Bewachung bzw. Ehrenbezeugung am Lenin-Mausoleum Zuständigkeit zeichnete.
Unterhalb des mitteleren Turmes des Kreml-Arsenals sehen wir den Nachbau einer Grotte. Vor dieser Grotte ist ein Obelisk aufgestellt. Ursprünglich waren auf dem Obelisken alle Zaren der Romanov-Ära und die Wappen der russischen Provinzen aufgelistet. Lenin ließ den Obelisken umarbeiten und die Namen von 19 Persönlichkeiten des Kommunismus und Sozialismus einarbeiten. Ein schmiedeeiserner Zaun (oder Gitter) trennt diesen Parkabschnitt vom nächsten. In diesem Zaun sind verschieden Gesichter tragende Zweigbündel eingearbeitet. Meiner Interpretation nach handelt es sich um Fasces, Amtssymbole der höchsten Machthaber im Römischen Reich. Der Zaun dient weniger der Abgrenzung, sondern ist dem Gedenken des Sieges über Napoleon gewidmet
Der mittleren Teil, der sich durch gepflegte Grünflächen und großflächige Blumenarrangements auszeichnenden Parkanlage, wird durch den Kuafya Turm, den Eingang zum Kreml, dominiert. Ein einstöckiges, mit großen Glasflächen versehendes, Gebäude dient der Verkauf der Eintrittskarten. Wir sind frühzeitig dort und müssen somit lediglich 30 Minuten warten. Schneller wären wir vorangekommen, wenn die mitanstehenden Personen die umfangreichen Aushänge bzw. Anzeigen auf den Monitoren beachtet hätten. Preise und Umfang der verschiedenen Angebote (mit Arsenal oder ohne, Einzel/Gruppe, Student/Rentner/Behinderte oder Vollzahler) sind umfangreich beschrieben. Unbegreiflich, dass jeder italienische Besucher (bzw. italienisch sprechend) es sich nochmals von den Verkäufern erklären ließ. Wer davon ausgeht, dass die Erklärung an sich zwei hinter einander stehenden Personen aus Italien ausreichen würde, der irrt. Der oder die nächste Italiener/in ließ sich das gleiche nochmals erklären. Natürlich könnte es Zufall sein. In 30 Beobachtungsminuten, acht Beobachtungen, an acht unterschiedlichen Ticketschaltern zeigt uns jedoch ein deutliches Bild.
Der untere Teil der Parkanlage endet am Borovitskaya Turm, einen von zwei Fahrzeugzugängen zum Kreml. Dieser Teil wird augenscheinlich mehr von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt frequentiert und dient der Erholung. Durch den Besucherausgang verlassen wir den Park und laufen über die darüber verlaufende Straße zurück, entlang der heute als Kunstausstellung dienenden Manege, zum Manegeplatz.

Roter Platz

Trafalgar Square in London, Markusplaz in Venedig, Place de la Concorde in Paris, Zocolo in Mexiko-City, Platz des Himmlichen Friedens in Peking … zwischenzeitlich können wir auf eine illustre Runde besuchter berühmter Plätze zurückschauen. Ein weiterer ist nun hinzugekommen, eines der Wahrzeichen Moskaus, der Rote Platz.

Nahezu jeder Bericht zum Roten Platzes beginnt mit der Information, dass der Rote Platz in der Vergangenheit Krasnaja Ploschtschad – „schöner Platz“, später Handelsplatz und Feuerplatz genannt wurde, bis sich im 17 Jahrhundert die Bezeichnung Roter Platz herausbildete. Beinahe hätte ich diese Information ebenso unkommentiert weitergegeben. Nach fünfminütiger Internetsuche sind bald verlässliche Quellen gefunden, dass das Wort Krasnaja in früherer Zeit neben der Bedeutung „schön“ auch die Deutung „rot“ beinhaltete. Ohne diese Kenntnis wäre kein wichtiger Grund zu erkennen, warum der Platz plötzlich als Rot bezeichnet wurde. Der gerne angebrachte Verweis auf die rote Erde ist unzureichend, war diese Erde doch bereits zur Zeiten der Benennung mit anderen Namen vorhanden. „Urgeschichtlich“ ist dies eine Erklärung für die ursprüngliche Bezeichnung mit seiner doppelten Bedeutung.

Der zum Südosten hin abfallende Platz ist 500 Meter lang und 150 Meter breit. Das Pflaster ist mit allerlei bunten Linien bemalt, welche Straßen und Wege für die hier abgehaltenen Militärparaden vorgeben.

Stirnseitig, dem Fluss abgewandt, steht das aus roten Backstein und mit weisen Zinnen versehene Historische Museum. Seitlich des Museums fällt der Platz steil ab, sodass das vom direkt an das Museum grenzende Woskresenkie Tor (Auferstehungstor), zunächst nur beide Türme sichtbar sind. Dieses Tor ist erst 1996 wieder, nach historischen Vorbild, erbaut.

Im Nordosten des Roten Platzes sind zwei Gebäude für uns interessant. Die Kasaner Kathedrale, in welcher Gläubige von 1612 bis 1920 eine der berühmtesten Ikonen (Gottesmutter von Kasan) verehrten, sowie das legendäre Warenhaus Gum.

Am südöstlichen Ende des Platzes fotografieren wir die zweifellos berühmteste Sehenswürdigkeit der russischen Hauptstadt, die Basilius Kathedrale. Die Kathedrale besteht aus insgesamt acht Nebenkirchen und einem Hauptteil, welche jede an  einer farbigen Kuppel (Zwiebelturm)  erkennbar sind. Die eigentliche Hauptkirche trägt eine goldene Kuppel bzw. eine goldene Turmspitze in 115 m Höhe. Erstaunlicherweise trägt die Kapelle des Namensgebers die kleinste Kuppel. Die Zahl Neun ist eine geschichtliche Bedeutung, am neunten Tag wurde die Stadt Kasam eingenommen und die Tataren besiegt. Aus Dankbarkeit über diesen Sieg wurde 1553 der Bau durch Iwan den Schrecklichen in Auftrag gegeben. In diesem Zusammenhang erhalten die Zwiebeltürme die zusätzliche Bedeutung, an die Turbane der besiegten Tataren zu erinnern.

Im Rahmen einer Stadtrundfahrt erfahren Touristen allerlei Anekdoten zur Basilika. Eine der beliebtesten Geschichten ist, den Architekten wurden die Augen ausgestochen, dass sie keine Kirche vergleichbarer Schönheit bauen könnten. Sehr unglaubwürdig, nach der Fertigstellung der Basilika bauten die Architekten nachweislich noch weitere Kirchen. Nicht erzählt wird hingegen, dass neben dem Architekten P. Jakowlew auch I. Barma hauptverantwortlich für den Bau zeichnet. Ein gewisse Anerkennung erhielt Barma zu Beginn der 2000er Jahre. Ein Kraters auf dem Merkur trägt nun seinen Namen.

Eine weitere Geschichte unklaren Wahrheitsgehaltes ist, dass Napoleon  im Begriff war die Basilika zu sprengen. Die Zündschnur brannten, wurden durch einen wundersamen plötzlich eintretenden Regenschauer in letzter Minute gelöscht.

Vor der Basilika befindet sich der Richtplatz (Lobnoje mesto). Exakt übersetzt bedeutet Lobnoje mesto Schädelplatz, was auf seine historische Relevanz  für u.a. Exekutionen und öffentliche Hinrichtungen verweist. Ebenso steht direkt vor der Basilika das 1818 errichtet Denkmal von Mini und Poscharskij.

Die Westseite des Platzes ist durch den östlichen Abschnitt der Schutzmauer des Kremls geprägt. Drei Türme zeigen zum Platz. Nordöstlich der 70 Meter hohe Nikolausturm mit gotischer Spitze. Heute einer von vier Kremleingängen. Ein weiteres Eingangstor ist im Erlöser-Turm, der den Roten Platz zusammen mit der benachbarten Basilius-Kathedrale vom Süden her abschließt, beheimatet.  Diese beiden Türme tragen auf Ihrer Spitze einen drei Meter Spannweite messenden roten Stern. Mittig zwischen beiden Türmen liegt der Senatsturm welcher, wie es der Name schon verrät, kremlseitig gegenüber dem Senat steht.

Unterhalt der Mauer und des Senatsturm findet sich ein wichtiges Denkmal der Sowjetzeit, das Lenin-Mausoleum, sowie die zugehörige Nekropole, der ehemalige Ehrenfriedhof der Sowjetunion.

Lenin Mausoleum und Nekropole

Geöffnet von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, außer montags und freitags sowie an allen Feiertagen, bemühten wir uns um 09:30 Uhr am Mausoleum zu sein. Um 09:40 Uhr erreichten wir den Roten Platz und reiten uns in die bereits lange Warteschlange ein. Insgesamt warteten wir 75 Minuten, bis wir die Sicherheitskontrolle am Eingang des Komplexes erreichten.  Da das Mausoleum alle zwei Jahre für mehrere Monate total geschlossen ist, nehmen  wird dieses in Kauf. Wer weiß, wann wir nochmals die Chance dazu haben. In Russland häufen sich die Stimmen, Lenin einzuäschern und zu begraben. 2024 – Hundert Jahre nach dem Ableben Lenins könnte der Zeitpunkt gekommen sein.

Die Zeit des Wartens erlaubt einen Blick auf die weiteren Besucher. Vorrangig sind es große (über 100 Personen) Reisegruppen aus asiatischen Ländern. Dieses erklärt zum Teil auch die lange Wartezeit. Die Militärwache am Eingang achtet darauf, Besucher in kleinen Gruppen hinein zu lassen, um das vorbeiziehen sich langer drängelnder Menschenmassen zu vermeiden. Ein Konzept, dass asiatischen Gruppen fremd zu sein scheint. Kaum hat ein Teil der Reisegruppe die Sicherheitsschleuse passiert, warten diese auf die weiteren Teilnehmer. Irgendwann versteht der Guide das System, holt eine Gruppe ab, führt diese zum Eingang des eigentlichen Mausoleums, wartet bis er die Gruppe auf der andern Seite sieht … geht zurück zum Eingang, nimmt eine weiter Gruppe im Empfang und das Spiel wiederholt sich.
In Rahmen unserer Wartezeit fiel vor allem eine Gruppe aus Nepal negativ auf. Für mich zeigten sie das unverschämte Verhalten und die laute Art zu sprechen, welche ich in Nepal und Kathmandu täglich sah. Als die Gruppe anfing, anderen Besuchern die Kappen und Hüte auszuziehen, um sich damit zu fotografieren, rechnetet ich jede Minute mit einem Polizeieinsatz. Zunehmend stieg die Verärgerung der anderen Wartenden. Der Guide einer asiatischen Reisegruppe schaffte es schließlich dem Treiben Einhalt zu gebieten, Sekunden vor dem „Zerreisen meiner Hutschnur“ – innerlich hatte ich bereits Luft geholt, um ein deutliches Machtwort zu sprechen. In Nepal musste ich mich als Gast noch zurückhalten und dieses Verhalten ertragen. Nun hätte sich die Chance geboten, Nepalesen einmal deutlich die Meinung zu sagen. Vermutlich besser, dass es nicht dazu gekommen ist. Für Zerstreuung sorgen als  Lenin und Stalin oder in Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg  verkleidete Russen, welche sich den wartenden Besuchern gegen Geld als Fotoattraktion anbieten. Kurz vor Eingang des Mausoleums-Geländes gibt es eine saubere Toilettenanlage. Auf dem Platz vor dem Staatliche Historische Museum wird ein kleiner Markt abgehalten. Somit kann sich einer von uns die Beine vertreten und der Andere in der Schlange den Platz freihalten.

Vor dem Eingang auf das Gelände wird  eine Sicherheitsschleuse passiert. Schilder verdeutlichen die Regeln. Respektvolles Verhalten, Mobiltelefone sind auszuschalten, keine Fotos und Videos im eigentlichen Mausoleum, kein Sprechen im Mausoleum, Hände aus den Taschen, kein Rauchen und für Männer ein striktes Verbot von Hüten und Mützen.

Vor und hinter dem Mausoleum führt der Weg durch die so genannte Nekropole entlang der Kremlmauer. Von den 1920er- bis in die 1980er Jahre wurden hier, auf dem Ehrenfriedhof, hunderte Personen bestattet. Neben russischen Staatsmännern und Militärs sind u.a. Juri Gagarin, Maxim Gorki, aber auch die deutsche Frauenrechtlerin Zetkin, der Mitbegründer des KPD, Fritz Heckert,  oder John Reed, erster Vorsitzender der Kommunistischen Partei der USA, bestattet. Neben Einzelgräbern und Sammelgräbern sind die überwiegende Zahl der letzten Ruhestätten die in die Mauer eingelassenen Urnengräber.

Die bedeutenderen Persönlichkeiten sind mit Einzelgrab und darüber angebrachter Büste geehrt. Bereits von der Ferne ist das Grab Stalins zu erkennen. Auf diesen Grab finden sich die meisten durch Besucher niedergelegten Blumen.

Das aus Labradorstein und dunkelroten Granit erbaute Lenin-Mausoleum greift baulich Elemente der Stufenpyramiden der prä-kolumbianischen Maya-Grabmäler  sowie des Sarkophages Alexander des Großen auf. Insgesamt 24 Meter lang und 12 Meter hoch, ein fünfstufiges Gebäude mit dem Herzstück der  10 auf 10 Meter hohen Aufbewahrungshalle mit terrakottafarbener Deckenverkleidung und kleinen roten Streifen an der Wand.

Im Gebäude ist es düster und kalt. Eine lange Treppe führt nach unten zur Halle mit dem aufgebahrten Leichnam Lenins. Düster dreinblickende Gardisten sind damit beschäftigt, laut „psst“ zu zischen und die Besucher zum Schweigen aufzufordern.

Lenin bzw. die Hülle seines Körpers (das Gehirn ist nicht vorhanden) liegt in einem kugelsicheren Sarkophag aus rotem Granit. In 15 Sekunden ist die Halle durchschritten.

Die 1993 abgeschaffte Ehrenwache vor dem Mausoleum bewacht seit 1997 stattdessen die Ewige Flamme im Alexandergarten. Nichts desto weniger sorgen Gardisten für Ordnung. Seitlich des Komplexes stehen zwei Armeeangehörige, in Galauniform, Wache.  Diese scheinen mehr damit beschäftigt zu sein, sich mit den jungen Russinnen zu unterhalten. Als eine junge Asiatin die Absperrung überspringt, um ein Selfie vor dem Mausoleum zu machen zeigt sich, dass diese die Situation im Auge haben. Nach drei bis vier Metern ist die Besucherin abgefangen und wird freundlich aber bestimmt abgeführt. Soweit es mir möglich war die Szenerie zu verfolgen, wurde sie noch zurück auf dem Platz weiter in Gewahrsam gehalten und der Polizei übergeben.