Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Alexandergarten (Kreml-Tickets und Zugang)

Unterhalb des Roten Platzes liegen der Manegeplatz sowie der an die nordwestliche Kremlmauer anschließende Alexandergarten.
Will man in den Kreml führt der Weg unweigerlich durch den Park zum Ticketcenter in der Mitte der Parkanlage. Seitlich wird der zur Straße führende Steg am Kuafya Turm, nach Sicherheitskontrolle, betreten.
Durch ein großes eisernes Tor gehen wir in den Alexandergarten, um zum Ticketverkauf des Kremls zu gelangen. Das Fundament des zum Gedenken an des an den Sieg über Napoleon erschaffene Tores besteht aus dem Schutt der im Rahmen der französischen Besatzung zerstörten Moskauer Häuser.
Der Park ist in drei Abschnitte untergliedert.
Am Eingang des Parks befindet sich das Grab des unbekannten Soldaten mit einer ewigen Flamme. Im Grab finden sich die Gebeine eines einzelnen, an der Kilometermarke 41 der Leningradskoe Straße gefallenen, Soldaten. Kilometer 41 repräsentiert die kürzeste Entfernung zwischen Moskau und den vorrückenden Truppen des Dritten Reiches. Das Grab wird durch eine Ehrengarde bewacht, welche in der Vergangenheit für die Bewachung bzw. Ehrenbezeugung am Lenin-Mausoleum Zuständigkeit zeichnete.
Unterhalb des mitteleren Turmes des Kreml-Arsenals sehen wir den Nachbau einer Grotte. Vor dieser Grotte ist ein Obelisk aufgestellt. Ursprünglich waren auf dem Obelisken alle Zaren der Romanov-Ära und die Wappen der russischen Provinzen aufgelistet. Lenin ließ den Obelisken umarbeiten und die Namen von 19 Persönlichkeiten des Kommunismus und Sozialismus einarbeiten. Ein schmiedeeiserner Zaun (oder Gitter) trennt diesen Parkabschnitt vom nächsten. In diesem Zaun sind verschieden Gesichter tragende Zweigbündel eingearbeitet. Meiner Interpretation nach handelt es sich um Fasces, Amtssymbole der höchsten Machthaber im Römischen Reich. Der Zaun dient weniger der Abgrenzung, sondern ist dem Gedenken des Sieges über Napoleon gewidmet
Der mittleren Teil, der sich durch gepflegte Grünflächen und großflächige Blumenarrangements auszeichnenden Parkanlage, wird durch den Kuafya Turm, den Eingang zum Kreml, dominiert. Ein einstöckiges, mit großen Glasflächen versehendes, Gebäude dient der Verkauf der Eintrittskarten. Wir sind frühzeitig dort und müssen somit lediglich 30 Minuten warten. Schneller wären wir vorangekommen, wenn die mitanstehenden Personen die umfangreichen Aushänge bzw. Anzeigen auf den Monitoren beachtet hätten. Preise und Umfang der verschiedenen Angebote (mit Arsenal oder ohne, Einzel/Gruppe, Student/Rentner/Behinderte oder Vollzahler) sind umfangreich beschrieben. Unbegreiflich, dass jeder italienische Besucher (bzw. italienisch sprechend) es sich nochmals von den Verkäufern erklären ließ. Wer davon ausgeht, dass die Erklärung an sich zwei hinter einander stehenden Personen aus Italien ausreichen würde, der irrt. Der oder die nächste Italiener/in ließ sich das gleiche nochmals erklären. Natürlich könnte es Zufall sein. In 30 Beobachtungsminuten, acht Beobachtungen, an acht unterschiedlichen Ticketschaltern zeigt uns jedoch ein deutliches Bild.
Der untere Teil der Parkanlage endet am Borovitskaya Turm, einen von zwei Fahrzeugzugängen zum Kreml. Dieser Teil wird augenscheinlich mehr von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt frequentiert und dient der Erholung. Durch den Besucherausgang verlassen wir den Park und laufen über die darüber verlaufende Straße zurück, entlang der heute als Kunstausstellung dienenden Manege, zum Manegeplatz.

Metro Moskau

Metro Moskau

Mancher Tourist fährt nur deshalb mit Moskaus Metro, weil diese als eine der prachtvollsten öffentlichen Verkehrsmittel weltweit gilt. Für diese Touristen ist die eigentliche Fahrt mit den häufig heillos überfüllten Zügen nur Mittel zum Weg, um die mit hochwertigen Marmor, prächtigen Stuckdeken und Mosaiken verzierten Wartehallen der U-Bahn Stationen zu erreichen. Die schönsten Stationen (meiner persönlichen Meinung nach) sind Novokuzneskaya (eine Station mit großen Deckenmosaiken und Buntglasscheiben), Komsomolskaya (mit Goldmosaiken), Kropotkinskaya (Granit und Marmor mit einer klaren Formensprache) und Kievskaya (eine Station mit Mosaikbildern, die der Freundschaft Russlands und der Ukraine gewidmet ist).

Wie täglich sieben Millionen Russen nutzen wir die im 90 Sekunden Takt fahrende Metro vorwiegend zum Zwecke der Fortbewegung. Mit einem Fahrpreis unter einem Euro die preisgünstigste Alternative, um lange Fußwege zu vermeiden.
Die 1935 eröffnete Metro hat 12, farblich voneinander getrennte, Linien mit über 200 Stationen. 331,5 km Strecke, auf welcher Rauchen, das Trinken von Alkohol und das Mitführen von Fahrrädern verboten ist.

Zum Fahrkartenkauf stehen Automaten und an den meisten Stationen Kassenstationen bereit. Eine Fahrkarte ist, nach Entwertung in der elektronischen Zugangsschranke, 90 Minuten gültig. Neben Einzelfahrten sind Universaltickets mit entweder einer definierten Anzahl an Fahrten (1 bis 60) oder Tagen (1 bis 365) preisgünstig zu erwerben. Nahezu jeder Gleiszugang der Metro ist an irgendeiner Stelle mit Metalldtektoren versehen. Häufig konnten wir feststellen, dass diese entweder aufgeschaltet waren oder es dem Sicherheitspersonal egal ist, ob Personen neben den Detektoren vorbeiging.

Die Orientierung gestaltet sich ambivalent. Der Streckenplan ist neben kyrillischer auch in lateinischer Schrift abgedruckt. Die Wegweiser der Metro, häufig sind lange Strecken zurückzulegen, sind auf russisch. Schnell lernten wir und zumindest die ersten drei Buchstaben des Wortes zu merken und uns somit die Orientierung zu erleichtern. Unabdingbar ist es sich den Namen der Umsteigestation und die entsprechende Nummer der gewünschten Linie zu merken. Umsteigestationen haben, je nach Linie, unterschiedliche Namen.

Alle Stationen verfügen über die aus Deutschland bekannten blau-roten Info- und Notrufsäulen. Videokameras sind auf allen Bahnhöfen und zumindest auch in den Wagen der Ringlinie und Linie 1 vorhanden.

Die Zügen verfügen Gratis-Wlan, welches sich selbst ohne Kenntnis der kyrillischen Schrift mit etwas ausprobieren einstellen lässt. Alle Züge, aber nicht alle Stationen, verfügen über W-Lan-Empfang.

Die eingesetzten Züge sind ausschließlich russischer Bauart und unterscheiden sich je nach Linie vorwiegend durch das Baujahr. Alle Züge haben seitlich an den Aussenwänden angebrachte lange Bänke. Sichtbar sind diese Züge auf den Transport großer, stehender, Menschenmengen ausgelegt.

Kaum haben wir einen gut besetzen Zug betreten, stehen zwei bis drei junge Russen auf, um meinem Vater einen Sitzplatz anzubieten. Ich bin die meiste Zeit stehen geblieben und habe versucht, das System des Aufstehens und Sitzplatzanbietens zu verstehen. Persönlich hätte ich eine Rangordnung wie beispielsweise: Gebrechliche und schwangere Frauen, ältere Frauen, ältere Männer und Frauen mit kleinen Kindern erwartet. Sichtbar ist dieses nicht der Fall. Meine erste Intention war es, dass ggf. Touristen ein Platz angeboten wird. Nachdem wir häufiger auf russisch angesprochen wurden, kann ich nahezu ausschließen, dass wir sofort als Touristen erkennbar waren. Möglicherweise existiert eine Rassen-Komponente. Je mehr die Gesichtszüge vom europäischen abwichen, umso seltener wurde ein Platz angeboten. Natürlich kann diese Beobachtung auch nur Zufall sein.
Anmerkung des Vaters: ich fand diese Geste einfach nur nett und freundlich und habe den angebotenen Platz gerne angenommen.

Auf den Bahnsteigen finde ich einen neuen Favoriten für den eintönigsten Job der Welt. Vor jeder längeren Rolltreppe ist ein Unterstand (zwei Telefonzellen groß) aufgestellt. Darin ein Stuhl und auf einem Tisch zwei kleine schwarz-weiss Monitore mit dem Video-Bild der Rolltreppe. Vermutlich noch irgendwo ein Knopf, um die Treppe anzuhalten. Darin sitzt jeweils eine Person, den Rücken zum Bahnsteig, vermutlich im Zweischichtbetrieb, innerhalb der Öffnungszeiten von 05:30 Uhr bis 01:00 Uhr.

Siegespark

Moskaus Siegespark, Hauptattraktion im Westen der Stadt, ist durch schlechte Informationspolitik durch Touristen schwach frequentiert. Wikipedia Deutschland kennt lediglich die S-Bahn Station und den Triumphbogen am Park.

Ursprünglich ganz auf den  zweiten Weltkrieg  ausgelegt, findet sich zum Beginn des Poklonnaja Hügels, seit 2014, ein Denkmal für die Soldaten und Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Ein langer Granitblock mit  Russischer Fahne . Das Relief zeigt  vorderseitig, mit aufgesetzten Bajonett, in die Schlacht zeihende Infanteristen. Eine Nonne hält einen verwundeten Körper im Arm, Geistliche spenden Segen. Rückseitig Soldaten zu Pferde im vollen Galopp. Erst seit kurzem arbeitet Russland den so genannten „Vergessenen Krieg“ öffentlich auf. In der Sowjetunion war er tabuisiert und mit den Zeiten des Zarenreiches verbunden.

Der Anstieg zum auf dem Poklonnaja Hügel gelegenen „Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges“ strotzt vor Symbolik. Fünf Platos führen zur 141.8 Meter hohen Siegessäule. Fünf Plateau´s für fünf Jahre Krieg, 141,8 Meter entsprechen zehn Zentimeter  pro Kriegstag.

Linkerhand säumen 15 mit Fahnen geschmückte Marmorsäulen – jede für eine Front des Großen Vaterländischen Krieges – den Weg. Sieben an der Ostseite – als Symbol für den Kriegsbeginn – und acht an der Westseite – als Symbol für die erfolgreiche Beendigung des Krieges im Westen. Am Fuße der Säulen sind Bronzeplatten mit der Abbildung von Soldaten angebracht. Diese Soldaten sind entweder tot, verletzt oder von den Schrecken des Krieges sichtbar gezeichnet.

Rechter Hand trägt jedes der fünf Plateau´s ein Wasserbecken mit Fontänen. Insgesamt 1418 Fontänen, eine pro Kriegstag. In den Abendstunden sind die Wasserspiele rot erleuchtet. Es bleibt dem Besucher freigestellt, ob dieses mit dem Rot die ruhmreichen Rote Armee, Blut oder beidem zu assoziieren ist.

Poklonnaja Hügel

Bei all der Kriegssymbolik kommt die weitere geschichtliche Symbolik des Hügels nahezu zu kurz. Napoleon wartete hier, vergebens, auf die Übergabe der Schlüssel des Kremls.
Der Name des Hügels leitet sich vom russischen Wort für Verneigung ab. Die höchste Erhebung vor Moskau diente in der Vergangenheit; Reisenden von kommend und nach Moskau ziehend, zum inne halten und zum Verbeugen vor den Kirchen der Stadt.

Säule/Stelle und ewige Flamme

Mittelpunkt des sich an die Platesau´s und eine Treppe anschließenden Hauptplatzes ist die, von der kurz unterhalb der Spitze durch die Göttin Nike gekrönte, 141,8 Meter hohe Säule bzw. Stele. Aus der Nähe betrachtet fällt an der Säule ein Relief (bzw. ein Basisrelief) auf. Erinnert es zunächst an ineinander verschlungene Zeichen oder Buchstaben, zeigt sich, dass es sich um die Abbildung von Soldaten handelt.

Die Säule oder Stele ist neben der Symbolik zum Thema Krieg ein erneuter Nadelstich gegen das ungeliebte Sankt Petersburg. Die Säule  ist eine Nachgestaltung der Säule am Schlossplatz in Sankt Petersburg. Die die Säule krönende Göttin Nike gleicht zunächst dem Engel auf der Petersburger Kathedrale. In Moskau steht „der Engel“ mit 142 Metern allerdings 20 Meter höher als in Sankt Petersburg.

Beachtenswert ist in Moskau die eher ungewöhnliche Darstellung der Göttin Nike, welche gewöhnlich den Arm in Siegerpose nach oben streckt. In Moskau senkt sie eine Fanfare nach unten, was als Aufforderung zu verstehen ist, sich vor den Gefallenen zu verbeugen.

Unterhalb der Säule veranschaulicht eine Reiterstatue des Heiligen Georg dessen siegreichen Kampf gegen einen Drachen. Sichtbar handelt es sich beim aufbäumenden Pferd um einen Hengst. Der Drache ist das symbolisierte Nazi-Deutschland, was spätestens die Hakenkreuze in der Haut des Drachens verdeutlichen. Die Bedeutung der Zerteilung des Drachens in fünf Teile bleibt mir offen. Vier Teile, eine für jede „Besatzungszone bzw. Siegermacht“, wäre mir einleuchtend gewesen.

Neben der Säule brennt eine ewige Flamme. In an Telefonzellen erinnernden Unterständen halten junge Russinnen und Russen Wache. Obgleich diese mit ihren roten Westen an DDR-Supermarktverkäuferinnen erinnern, sind ihnen Stolz und Wichtigkeit der Aufgabe im Gesicht anzusehen.

 Zentralmuseum

Direkt hinter dem Sieges-Monument befindet sich der semizirkuläre Bau des Zentralmuseums. Zwei Geschütze weisen den Eingang. Dieses Museum bietet neben typischen Museumsgegenständen, Videos und Zeitungsberichten sechs großen Dioramen bedeutender Schlachten

Open-Air Ausstellung

Das Wetter war gut und somit beschlossen wir, anstelle des Zentralmuseums das Open-Air Museum bzw. das Militär-Museum zu besuchen.  Die eher klein wirkende Ausstellung, zumindest im Vergleich zum Technik-Museum Sinsheim, beinhaltet ungefähr 300 Ausstellungsstücke von Panzern, Bunkern über Schiffe bis hin zu einem Eisenbahngeschütz.

Monument im Park

Die Parkanlage beinhaltet an verschiedenen Stellen mehrere Monumente. Beispielsweise das Monument für den unbekannten Soldaten ohne Grab. Die Statue zeigt einen getroffenen Soldaten, unfähig weiter zu laufen. Die Uniform und die Gesichtszüge sind in einer Art gestaltet, dass es ein Soldat jedes beteiligten Landes sein könnte.

Im hinteren Teil des Parkes befindet sich das Denkmal „ Im Kampf gegen den Faschismus waren wir (noch) vereint“.  Ein neueres Denkmal. Errichtet 2010 und allen ehemaligen Sowjet-Republiken gewidmet.  Dieses Denkmal ist von politischer Bedeutung. Es ist als direkte Antwort auf die Zerstörung eines Denkmales (das Hissen der Fahne über dem Reichstag) im Georgischen Kutaisi – auf Geheiß des Präsidenten Saakashvili – erbaut.

Ein weiteres Denkmal zeigt siegreiche Soldaten der vier Alliierten.

Bemerkenswert habe ich die Darstellung der deutschen Soldaten auf einem Denkmal zur Kapitulation Berlins wahrgenommen. Groß gewachsene, muskulöse Männer in sauberen Uniformen. Leni Riefenstahl hätte sich keine besseren Protagonisten vorstellen können. Eine intelligente Darstellung, diese kampferprobte Kriegerelite ruhmreich zu besiegen ist deutlich ehrenvoller als der Sieg über die Kinder und Greise die in den letzten Stunden zur Verteidigung Berlins herangezogen wurden.

Monument der menschlichen Tragödie 

Etwas seitlich, unterhalt des Zentralmuseums findet sich das Monument der menschlichen Tragödie. Ein vom Bildhauer Tsereteli erschaffene Komposition zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts.

Der Park an sich

Neben Denkmälern und Gotteshäusern für die großen Glaubensrichtungen ist der Siegespark ein ganz normaler
Park, der zum Fahrradfahren, Inline-Skaten (in Russland augenscheinlich immer noch ein großer Trend) und zu Spazierengehen einlädt.  Hin und wieder finden sich kleine Kioske und Toilettenanlagen. Die Wege sind gut ausgebaut und gekennzeichnet. Ein lohnendes Ausflugsziel.

Zugfahrt: Europa-Asien-Säule (Ural) bis Moskau

Zugfahrt: Europa-Asien-Säule (Ural) bis Moskau

Exakt um 12:10 Uhr ist die passiert: die Europa-Asien Säule ist erreicht. Wir sind wieder in Europa.
Am nächsten Tag um 12:57 Uhr werden wir, 27 Haltestellen später, Moskau erreichen. Ein Blick auf den Aushang zeigt, uns sind sechs längere Bahnhofsaufenthalte geboten. Die Nacht wird mit einem längeren Zwischenstopp um 00:41 und um 04:55 kurz ausfallen, sofern wir unser Aussteige-Foto-Ritual einhalten.

Zunächst durchqueren wird fünf Stunden das Uralvorland zwischen dem nördlichen und mittleren Ural. Die Landschaft ist hügelig bzw. bergig und hin und wieder von Flüssen durchzogen. Eine mit vielen deutschen Regionen vergleichbare Landschaft.

Die Transsib stoppt pünktlich in Perm. Die Anzahl der ein- und aussteigenden Personen verdeutlicht, dass dünnbesiedelten Regionen Sibiriens liegen hinter uns. Bis 1991 war es Ausländern verboten Perm zu betreten, die Durchfahrt mit der Transsib war möglich. Eine Plakette am Bahnhofsgebäude, dessen Aufmachung nach an die glorreichen Zeiten der Roten Armee erinnert, verweist auf die Bedeutung der Stadt als Standort der Rüstungsindustrie. Obgleich Perm die höchste Kriminalitätsrate Russlands aufweist, ist am Bahnhof weder Polizei noch Videoüberwachung erkennbar. Kurz hinter Perm passieren wir den Fluss Kama.

Wereschtschagino und Glasow sind Bahnhöfe mit Wassertürmen und einer ausgestellten Lok bzw. Radachsen. Das mit 22.000 Einwohnern kleine Wereschtschagino bietet eine Ausstellungs-Dampflokomotive auf.  Dieses ist der Fall, da eine Lok das Wappen sowie die Fahne der Stadt schmückt. In Tschepza wechseln wir die Lok und überqueren im Anschluss den gleichnamigen Fluss. Der Bahnhof der 100.000 Einwohnerstadt Glasow ist unspektakulär und gegen 22:30 Uhr ist nahezu jeder Kiosk geschlossen. Um 00:56 Uhr ist am Bahnhof Kirow ebenfalls nichts los, bis auf eine größere Anzahl an Mitfahrenden, die alle nochmals die Chance nutzen, sich die Beine zu vertreten. Das gleiche Bild bietet sich um 05:10 Uhr am Bahnhof Schachunja. Ebenso unspektakulär sind die nächsten Bahnhöfe, obgleich der Zug interessante Städte wie beispielsweise Kowrow oder Nischni Nowgorod, vor dessen Toren wird die Wolga überqueren, durchfährt.

Nach einem etwas längerer Aufenthalt in Jaroslawl, dort steigt auch das mitreisende Paar aus, beginnt die Einfahrt in das Einzugs- und Stadtgebiet Moskaus. Zwischenzeitlich wird die Bahnstrecke von den daneben verlaufenden Fernwärmerohren begleitet. Die Bahnstrecke führt durch Wohngebiete und vermittelt somit einen ersten Eindruck vom Leben in Moskau. Pünktlich erreichen wir den Jaroslwaer Bahnhof in Moskau. Der Zug endet an einem Gleis linkerhand des Bahnhofsgebäudes. Dieses Gleis ist das Gleis der Transib und auf die Länge des Zuges ausgelegt.
Am Ende des Gleises markiert ein Obelisk Kilometer Null bzw. Kilometer 9298. Ein obligatorisches Foto durfte darf nicht fehlen. Auf uns wartet Moskau und das Abenteuer, unser Hostel zu finden.

 

Moskau – Kosmonauten-Museum

Moskau – Kosmonauten-Museum

Im Nordosten Moskaus, nahe dem Gelände der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft, befindet sich das Kosmonautenmuseum.

Der Flachbau würde recht unscheinbar erscheinen, wenn nicht auf seinen Dach ein 107 Meter hoher TuDSCN1803rm, in Form des Abgasstrahles einer den Turm krönenden Rakete, stehen würde. Dach und Denkmal sind mit Titan verkleidet sodass, je nach Lichteinfall, ein silbriger Glanz entsteht.
Auf der Hinterseite des Turmes findet man eine Statue von Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski. Dessen größter Beitrag zur Raumfahrt die Raketengrundgleichung (Gesetzmäßigkeit des Raketenantriebs durch kontinuierlichen Ausstoß von Stützmasse) darstellt. Hinter dieser Statue befindet sich noch die die Kosmonautenallee, in welcher die Büsten sowjetischer Weltraumpioniere und Kosmonauten aufgebaut sind. Zwischen Turm und Statue befindet sich ein Oberlicht, welches den Blick auf eines sich darunter aufgebautes, und begehbares, Stück einer Raumstation erlaubt.

 

Das eigentliche Museum hat eine Ausstellungsfläche von 8500 Quadratmetern. Moskau wirbt damit, dass es kein vergleichbares Museum auf der Erde gibt. Die Exponate sind in verschiedenen thematischen Bereichen ausgestellt repräsentieren die jeweiligen Phasen der Geschichte der russischen Raumfahrt.

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Der erste Bereich widmet sich den Anfangszeiten der Raumfahrt. Dabei werden die Russen nicht müde zu betonen, dass sie als erste einen künstlichen Erdtrabanten, die ersten Tiere und den ersten Mensch in das Weltall geschickt haben. So sind im ersten Teil des Museums werden den ersten künstlichen Satelliten der Welt, ein Modul des „Wostok“ Raumschiffes und einen Weltraumanzug von Yuri Gagarin zu sehen. Außerdem befinden sich dort Dokumente, Fotos, AuDSCN1808szeichnungen und persönliche Gegenstände von Y. Gagarin.
Dominiert wird der Eingangsbereich bzw. der erste Teil jedoch von der 6 Meter hohen Bronzestatur eines Kosmonauten mit einer sich im Hintergrund befindenden angedeuteten Weltkugel, welche aus ineinander verwobenen Lebewesen besteht. Der Innenraum dieser Weltkugel wird von einer Art Kirchenfenster gebildet.

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Thematisch weiter geht es im angrenzenden Bereich, welcher sich mit den bemannten Orbital-Flüge beschäftigt. Hier sind „Sojus-„- und „Voshod-„-Module sowie Kosmonautenanzüge ausgestellt. Ebenso kann man etwas über die Austronautenausbildung, die Sicherheitseinrichtungen und u.a. auch über die Ernährung im Weltall erfahren.

DSCN1813Ein anderer Bereich widmet ist der Geschichte der Monderforschung. Zentrale Ausstellungsstücke sind hier „Luna-1“, das erste Mondraumschiff der Welt, „Luna-3“, das Raumschiff welches die ersten Bilder von der „dunklen Seite des Mondes“ machte und „Luna-9“, das erste Raumschiff, das auf dem Mond landete. Ebenso sind hier das erste Mondfahrzeug und das Modul „Luna-16“ zu sehen, welches die ersten Proben von der Mondoberfläche zur Erde brachte.

Ein weiterer Bereich des Museums behandelt die Erforschung der Planeten im Sonnensystem. Hauptausstellungsstücke sind hier die Stationen „Venera 4“ und „Mars 3“ , welchen wir die erste Informationen über die Atmosphärenzusammensetzung von Venus und Mars verdanken.
Der letzte Teil des Museums behandelt zwei Aspekte. Zum einen wird sich dem nun neu entstehenden Weltraumtourismus und der Privatisierung der Raumfahrt gewidmet. Zum anderen werden einige Bilder ausgestellt, welche zum Thema Raumfahrt und Weltall entstanden sind.

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Für den Besuch des Museums sollten sie ca. 2 bis 3 Stunden einplanen. Fast alle Ausstellungsstücke sind auch in englischer Sprache beschriftet, sodass man auch ohne Audio-Guide oder Führer sich einen guten Überblick verschaffen kann. Fotografieren ist erlaubt, hierzu muss man jedoch vorher einen Foto-Pass erwerben.

Gorky Park und Muzeon Kunstpark

„… follow the Moskva, down to Gorky Park …“, dieser Songzeile aus “Wind of Change” folgend besichtigten wir kurz den Gorky Park. Zunächst findet man hier kaum Touristen.

Plan Gorki Park

Dieses liegt einerseits daran, dass die nächsten U-Bahnhöfe auf der anderen Seite des Flusses liegen und somit ein längerer Fußweg notwendig ist. Andererseits auch daran, dass einige Attraktionen wie beispielsweise der Prototyp der Buran-Rakete oder die Achterbahn         Eurostar zwischenzeitlich verlegt wurden und bspw. die Schukowas Museum Art Garage noch relativ neu ist und zeitgenössische Kunst nicht die Sache jedes Touristen ist.

Moskau   Moskau   Lenin

Im Gorky-Park sind vorwiegend junge Russen. Es ist der Treffpunkt der Jugend. Auf dem Weg zum Park findet man mehrere Unterführungen mit Verkaufsständen von Maler und Künstlern.

Moskau   Gorki-Park

 

Im Park selbst sind mehrere kleine Seen mit Tretbootverleih. Fahrräder können geliehen werden und mehrere Volleyball- und Beachvolleyballfelder können genutzt werden. Teilweise wird Freiluft-Yoga und Tanzkurse angeboten. Innerhalb des Eingangsbereiches der Art Garage findet man eine Bücherei, welche auch internationale Literatur bereithält.

Neben dem Gorky Park ist der Muzeon Kunstpark. Etwas verächtlich wird dieser manchmal als Ablageplatz alter sowjetischen Emblems und Statuen bezeichnet. Dieses würde, wenngleich es tatsächlich einen großen Teil der Ausstellung ausmacht, jedoch eine deutlich zu kurze Beschreibung abgeben. Man findet hier auch Büsten von Niels Bohr, Albert Einstein und auch sehr modern anmutende Installationen. Der Besuch ist komplett kostenlos. Jedoch fehlt es an Beschreibungen und Erklärungen, welche Person bzw. was genau zu sehen ist. Wenn man den Gorky Park besucht, empfiehlt sich jedoch den Muzeon Kunstpark gleich mit zu besichtigen

 

Denkmal für Peter I. (der Große)

1997 wurde in Moskau eine der größten Statuen der Welt errichtet. Dabei schwanken die Angaben zwischen 96 und 98 Meter Höhe. Ein Unterschied, der sich dadurch ergibt, ob am die künstlich errichtete Insel zum Fuß der Statue als Teil der Statue ansieht, oder eben nicht.
Touristen wird das Monument als Statue Peter I. (Peter des Großen) vorgestellt. Die zutreffende Übersetzung des russischen Namens wäre jedoch eher „Denkmal zur Feier des 300jährigen Bestehen der russischen Marine“. Dieses erklärt auch den Aufbau der Statue aus Kombination aus Segelschiff und Peter des I.

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Peter der Große hält das Steuerrat und mit der anderen Hand reckt er eine Schriftrolle in die Höhe. Die Schriftrolle ist eine recht gute symbolische Wahl, bedenkt man das Peter der Große die Akademie der Wissenschaften initiierte und eine Schriftreform durchführte. Als Gründer der russischen Marine erklärt sich das Segelschiff von selbst. Hinter Peter dem Großen erhebt sich ist der Mast mit Takelage und 3 Segeln.
Die Größe des Mastes und der Statue verleiten dazu, dass man dem Postament weniger Beachtung schenkt. Dieses besteht auf Wellen und mehreren kleineren Schiffen. Die kleinen Schiffe sind, ebenso wie das große Schiff, mit dem Andreaskreuz beflaggt. Beim großen Schiff ist dieses, ebenso wie die Schriftrolle, mit Gold überzogen.
Nun liegt Schönheit zwar im Auge des Betrachters, doch zu diesem Denkmal besteht die fast einhellige Meinung, dass es äußert hässlich ist. Es taucht regelmäßig auf den Listen der hässlichsten Denkmäler der Welt auf. Selbst der ehemalige Präsident Boris Jelzin erklärte, öffentlich die Hässlichkeit des Monuments; und schlug vor, den Künstler zukünftig nicht mehr zu fördern oder mit öffentlichen Aufträgen zu bedenken.

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Von der Moskauer Bevölkerung wird das Denkmal übergehend abgelehnt. Möglicherweise liegt dieses aber auch etwas an der Person Peter des I., schließlich war dieser für die Verlegung der Hauptstadt nach St. Petersburg verantwortlich.
Im Juli 1997 hätte die letzte Stunde des Denkmals beinah schon geschlagen. Mit Zuhilfenahme spezieller Unterwasserausrüstung hatte eine kleine Gruppe bereits Sprengsätze unter dem Denkmal befestigt und geplant einen Sprengstoffanschlag zu verüben. Durch anonyme Hinweise konnte dieses jedoch verhindert werden.
Im Jahr 2010 wurde vom Nachfolger des für die Aufstellung verantwortlichen Bürgermeister vorgeschlagen, das Denkmal nach St. Petersburg zu verlegen. Das Geld dafür wäre über Spenden vermutlich aufzutreiben gewesen. Jedoch lehnte St. Petersburg die Aufstellung ab und schlug vor das Denkmal zu zerlegen und das Altmetall zu verkaufen.
Aktuell scheint es jedoch keine Überlegungen zum Abbau des Denkmals mehr zu geben.

Moskau – Bolschoi-Theater

Moskau – Bolschoi-Theater

Das 1776 gegründete Bolschoi-Theater beheimatet das berühmte Bolschoi-Ballett und ist eines der bekanntesten Opernhäuser Russlands.
In der Sowjetzeit war es darüber hinaus noch Tagungsort für den Parteitag der KPdSU.
Im Rahmen unseres Besuches haben wir keine Vorstellung besucht. Uns wurde jedoch versichert, dass die Gerüchte, dass man keine Karten bekommen könnte, tatsächlich nur Gerüchte seien. Die günstigsten Karten sind bereits ab 8 Euro zu haben. Es wird dringend abgeraten, Karten bei den Verkäufern vor dem Theater zu kaufen. Diese Preise seinen deutlich überteuert.

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Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand vor dem Bolschoi ein kleiner Markt statt. Darüber hinaus war eine kleine Bühne aufgebaut, in welcher für jeden der mitmachen wollte kurze Balletteinheiten bzw. Ballettstunden demonstriert wurden. Wer wollte, erhielt eine Unterrichtung durch die verschiedenen Tänzerinnen.

Bei der Stadtrundfahrt wurden auf die Statue des Apollo auf dem Dach des Eingangs hingewiesen. Früher gab es in Moskau wohl das Sprichwort, dass der Apollo auf dem Bolschoi der einzige nicht betrunkene Kutscher in ganz Moskau sei.
Eine weitere interessante Episode zum Apollo wurde uns im Rahmen der Stadtrundfahrt jedoch verschwiegen. Im Rahmen der Renovierung des Gebäudes, bis 2011, wurde auch die Apollo-Statue renoviert. Dabei wurde auch wieder ein Feigenblatt über dessen Penis angebracht. Dieses war wohl früher auch angebracht, dann aber im Rahmen des II.Weltkrieges „abgefallen“, sodass Apollo nackt die Kutsche steuerte und sein Penis zu sehen war (soweit ich es herausfinden konnte, dreht es sich tatsächlich nur um den Penis, ohne Hoden). In der Sowjetzeit schien sich niemand daran zu stören. Interessanterweise ist der Apollo auch auf dem 100 Rubel-Schein ohne „Bedeckung“ zu sehen.

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Bekannt ist, dass der Eingangsbereich des Bolschois 1941 von einer deutschen Fliegerbombe getroffen wurde (der Angriff galt wohl dem Parteitag der KPdSU). Ob Apollo dabei seine „Bedeckung“ verlor kann jedoch nicht mehr rekonstruiert werden.