Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Pünktlich verlassen wir den Pekinger Bahnhof in Richtung Mongolei. In den nächsten 45 Minuten zieht Peking an uns vorbei. Durch den gestrigen Regen und das Wochenende haben wir blauen Himmel und die überquerten Straßen sind für Pekinger Verhältnisse nahezu leer. Die Außenbezirke sind mit vielen Bäumen bewachsen und lediglich im Hintergrund sind die an Plattenbauten erinnernden Wohnhäuser zu erkennen.  Hin und wieder überqueren wir Kanäle mit grünbraunen Wasser.

Mit zunehmender Entfernung zur Stadt verändert sich die Landschaft. Links und rechts der Bahnstrecke türmen sich am Rande des durchfahrenden Tals die ersten Hügel auf. Große Zubringerstraßen und Brücken erinnern an die Nähe zur Peking.

Nachdem der Zug einen Tunnel durchquerte verändert sich die Landschaft zusehend. Wir überqueren nun blaue Flüsse und Täler mit einem Bergpanorama, wie sie aus typischen Bildern in deutschen China-Restaurants bekannt sind. Der Himmel ist strahlend Blau und die Landschaft ist grün.

Würde sich nicht an der die Bahnstrecke umgebenden Einzäunung der Plastikmüll sammeln, könnte man nahezu davon ausgehen, dass die Landschaft ausschließlich von Obstbauern bewirtschaftet wird.

Unser erster Zwischenhalt ist in Zhangjiakou, nach 193 km. In Reiseführern wird von fliegenden Händlern auf den Bahnsteigen berichtet. Diese gibt es hier nicht. Die Bahnsteige sind eingezäunt und dürfen einzig von Reisenden betreten werden. Unsere zukünftigen Routine folgend sind wir kurz ausgestiegen und haben ein Foto gemacht.

Vom Zugfenster aus die chinesische Mauer zu sehen war auf der Strecke noch zwei weiter male möglich. Hier fahren wir eine Zeit lang an einem See entlang. Der Hotelkomplex am Berghang stört das Panorama. Zhangjiakou gilt als Ski-Gebiet, was die Bestimmung des Komplexes erklärt.

Die Landschaft bleibt weiterhin grün und bergig. Hin und wieder zieht ein Dorf mit identisch aussehenden, in langen Reihen aufbereiten Häusern vorbei. Auf den großen Feldern wird vorwiegend Mais und hin und wieder Wein angebaut. In den Bergen ist hin und wieder ein Kloster zu erkennen.

Hin und wieder sehen wir große Kohlekraftwerke und lange Güterzüge mit Kohlewagons. Ebenso sind militärische Anlagen zu erkennen.

Zwischenzeitlich passieren wir Datong, welches für seine Yungang-Grotten (Grotten mit in den Fels geschlagenen Buddha-Figuren) bekannt ist. Kurz raus, Foto, fertig.

Mehrere Stunden durchqueren wir ein mit Feldern überzogenes Tal. Am Himmel ziehen Wolken auf. Die Windkraftanlage am Horizont, sowie die Ablaufkanäle lassen erahnen, dass es hier häufiger windig und regnerisch zugeht.

Nächster planmäßiger Halt Jining. Eine knapp neun Millionen Stadt, welche neben den Resten eine Stadtmauer aus der Ming-Dynastie vorwiegend durch die näher zur Heimat Konfizius bekannt ist. Wiederum niemand auf dem Bahnhof. Kurz ausgestiegen, Foto, fertig.

Hinter Jining verändert sich die Landschaft erneut. Wir durchfahren die ersten Ausläufer der Wüste Gobi bzw. der Steppenlandschaft der inneren Mongolei. Nach zwei Stunden Fahrt halten wir in Zhurihe. Ein großes Bahnhofsgebäude mit Kuppel umgeben von einfachen Häusern.

Die Nacht bricht an, was bei der Durchquerung der Wüste zumindest klimatisch ein Vorteil ist. Der die Strecke umgebene Zaun ist zwischenzeitlich nur noch ein Maschendrahtzaun mit Plastikmüllansammlungen an den Pfosten.

Die Nacht ist Dunkel und die Sterne sind hervorragend zu erkennen. Hin und wieder sind Siedlungen am Horizont auszumachen. Es könnte sich auch um Industrieanlagen handeln.  Zwischenzeitlich hat uns der Wagenschaffner Decken und die Formulare für den Zoll gereicht. Am Horizont sind die bunten Lichter der Casinos und Hotels aus Erlian zu erkennen. Bei der Einfahrt in die Stadt wird deutlich, dass zwischen den Betreibern ein Wettkampf um die meisten Lichter und das bunteste Blinken entbrannt zu seien scheint.

Am Ende der Stadt fahren wir in den Bahnhof ein (siehe gesonderter Bericht).

Von Ulaanbaatar bis zur Grenze

Von Ulaanbaatar bis zur Grenze

Abfahrt

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Von der Hauptstadt Ullanbaatar ging es mit der transmongolischen Eisenbahn weiter.

Mongolische Züge

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In vielen Reiseberichten ist nichts gutes über die Züge der Mongolischen Eisenbahn zu lesen. Wir können dieses jedoch nicht bestätigen. Möglicherweise sind die Züge tatsächlich älter und weniger modern, jedoch wird von den Mitarbeitern deutlich mehr Wert auf Sauberkeit und das „Wohlbefinden der Reisenden“ gelegt.

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Auch das WC war diesesmal in einem deutlich besseren Zustand – im Vergleich zum vorherigen chinesischen Zug.

 

Bahnhöfe unterwegs

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Die Zwischenstationen sind kaum der Rede wert. Offiziell hält die Eisenbahn in Erdenet, Darchan und Süchbaatar. Erdenet ist die zweitgrößte Stadt und Darchan die drittgrößte Stadt der Mongolei. Nun können wir die Städte nur nach deren Bahnhöfen beurteilen, danach scheint es jedoch keine Notwendigkeit zu geben sich, die Städte genauer anzusehen.

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Die Zwischenstation und Haltezeiten können -wie in den anderen Zügen auch- einem Aushang entnommen werden. Hier ist jedoch darauf zu achten, welche Zeit den Reverenzrahmen bildet (Moskau-Zeit, Peking-Zeit oder Orts-Zeit).

Abfahrt aus Ullanbaatar

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Ullanbaatar ist schnell verlassen. Nach ca. 10 Minuten hat man die Stadt hinter sich gelassen.

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Entlang am Fluss

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Lange folgt die Bahnstrecke einem Fluss. Das Wasser ist klar und hin und wieder sind Angler zu sehen. In der Mongolei gibt es etwa 1.200 Flüsse mit einer Gesamtlänge von fast 70.000 km. Es ist jedoch fraglich, wie lange dieses noch der Fall seien wird. Die Desertifikation der Gewässer ist ein großes Problem. Laut den letzten Angaben (aus 2007) sind 852 der Flüsse und Bäche und mehr als 1000 der Seen ausgetrocknet oder verschwunden.

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Es ist nicht verwunderlich, dass alle Flüsse der Mongolei im Winter zufrieren, bedenkt man die klimatischen Bedingungen.

Strecken-Impressionen

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In einigen Reiseführern steht geschrieben, die Strecke wäre eintönig und eher langweilig. Man kann dieser Meinung sein, wenn man auf spektakuläre Landschaftsformationen und Städte am Streckenrand hofft. Im Grunde schaut man lange Zeit nur auf „grün“. Persönlich haben wir die Weite und die verschiedenen Grünschattierungen jedoch sehr angenehmen und beruhigend empfunden.

Es gibt immer etwas zu entdecken

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Das geübte Auge kann immer wieder Tiere und kleine Jurten am Horizont erkennen. Ebenso kann man eine große Anzahl an Greifvögeln beobachten (jedoch aus der Bahn nicht gut fotographieren). Die großen Flächen lassen es dabei zu, dass man sich langsam einem „entdeckten“ Punkt nähert und sich anschließend wieder davon „entfernt“. Es mag Menschen geben, die mit der Bahn fahren um anzukommen – für dieses ist es sicherlich quälend lange. Wer jedoch mit der Bahn fährt um „zu schauen“ und “ unterwegs zu sein“, der wird an der Mongolei seinen Gefallen finden.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Transmongolischen Eisenbahn

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Die in 1520-mm-Breitspur trassierte Strecke wickelt etwa 90 % des Warenverkehrs mit den Nachbarstaaten ab. In der Mongolei ist die Strecke (der größte Teil) eingleisig . Somit begegnet man langen Güterzügen an Bahnhöfen und an wenigen Stellen entlang der Stecke. Grundlegend konnten wir drei wesentliche Wagontypen immer wieder beobachten. Öl, Holz und (leere) Kohlewagen.

Urbanisierung

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Immer mehr „Nomaden“ lassen sich in den letzten Jahren nieder. Das bedeutet, dass ein Stück Land gekauft und dort die Jurte errichtet wird. Nach und nach, wenn es die finanziellen Mittel zulassen, wir ein Haus gebaut. Auf unsere Fahrt sind uns immer wieder massive Holzzäune zur Grundstücksbegrenzung aufgefallen. In vielen Fällen war jedoch eine Seite (meistens hangabwärts) offen. Es konnte uns jedoch niemand erklären, ob dieses z.B.  dem Wind oder dem Schneefall geschuldet ist. Während der Zugfahrt sind wir mit einigen Mongolen ins Gespräch gekommmen. Niemand konnte uns erklären, warum die Grundstücke immer so massiv eingezäunt sind, während es im Land sonst kaum Zäune, Wände, Wälle etc. gibt.

Es wird Abend

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Gegen Abend verändern sich Landschaft und Licht. Das eher orange Abendlicht bildet mit der nun eher sandigen Steppe ein schönes Bild. Durch das Personal werden Bettbezüge gereicht. Diesmal in einer eigenen (verschlossenen) Plastiktüte. Die Bettbezüge sind frisch aus der Reinigung und sauber. Jedoch ist allen Reisenen klar, dass die Nacht kurz sein wird, da um 2 Uhr nachts der Grenzübergang nach Russland bevorsteht.

Grenzübgergang

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Kurz vor der Grenze fährt man durch´s Niemandsland. Ohne jegliche Lichtverschmutzung ist dies eine hervorragende Möglichkeit nach Sternen und der Milchstraße zu schauen. Es ist ein spektakulärer Ausblick. Insbesondere das Sternbild „Großer Wagen“ hängt tief über dem Land.

Wir wurden vor dem Grenzübertritt von den monglischen Staatsangehörigen vorgewarnt, dass es in Russland sehr streng zugehen würde. Für „uns Europäer“ war es jedoch „leicht“; lediglich die nachtschlafende Zeit störte alle Reisenden gewaltig.

Im Zug mussten alle Abdeckungen geöffnet werden. Schlafen war verboten und alle Mitreisenden mussten sich auf die unteren Betten setzen.

Auf nach Russland

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Zur Grenzkontrolle:
Ausweiskontrolle, Gepäck vorzeigen, Zoll-Formular abgeben. Nach ca. 30 Minten mussten wir unser Gepäck vorzeigen (in unsere Taschen wurde nicht geschaut – in die Taschen der Mongolen schon). Nach ca. 10 Mintuen ging ein Hundeführer mit Hund durch den Zug. Weitere 20 Minuten später lief (vermutlich) ein Ärztin mit einer Wärmebildkammera durch den Zug und filmte uns ab. Wir gehen davon aus, dass nach Fieber-Erkrankungen gesucht wurde.

Die Grenzerinnen waren junge russische blonde Frauen, die uns gegenüber sehr freundlich und nett waren. Wie man auf den Bildern erkennen kann, liegt die Grenze ziemlich im Niemandsland und die Grenzerinnen und Grenzer sind auch direkt dort untergebracht. Dann auch noch mitten in der Nacht arbeiten – es wundert mich nicht, wenn die Damen und Herren auch mal schlechte Laune haben.
Aber auch hier gilt: ist man selber nett und freundlich, bekommt man dieses auch zurück.