Von der Grenze bis Ulaanbaatar

Von der Grenze bis Ulaanbaatar

In den ersten Morgenstunden durchqueren wir Steppe, um anschließend für eine Stunde eine karge, wüstenähnliche Landschaft zu durchqueren. Zum Ende der Wüstenlandschaft stoppte der Zug in einer befestigten Ortschaft. Die monotonen eingeschossigen Häuser vermittelten ein tristes Bild. Ein menschenleerer Bahnhof verfestigte diesen Eindruck. Wie gewohnt folgten wir unserm Ritual: aussteigen, Foto machen, einsteigen, fertig.

Mit zunehmender Fahrtdauer nehmen die Gräser zu und die Farbe der Landschaft wird grüner. Aus dem Fenster der Bahn sind die ersten Tiere zu beobachten. Zunächst Kamele und Pferde, später Ziegen und Scharfe. Mit Zunahme der Sättigung der Grünfärbung kommen weitere Tiere hinzu. Frei weidende Kuhherden und Greifvögel sind nahezu alle zehn Minuten zu erspähen, sowie immer wieder Gruppen von Pferden.

Hin und wieder sehen wir Jurten in der Landschaft. An der Unterführung eines Bahndammes warten mongolische Hirten – in traditioneller Kleidung -. Mit zunehmender Nähe zur Hauptstadt wandelten sich die Pferde zu Motorrädern und Quads. Vor den Jurten parkten Geländewagen und auf den Jurten sind Satellitenschüsseln befestigt.

Mehrere Stunden fahren wir, immer leicht ansteigend, durch eine grüne Landschaft mit an den Seiten leicht ansteigenden Hängen. Die Bahnstrecke führt in langgezogenen Kurven an den sich nun rechter Hand auftürmenden Hügeln vorbei und ermöglicht somit tolle Fotogelegenheiten, um die Länge des Zuges festzuhalten.

 

Circa zwei Stunden vor Erreichen der Hauptstadt sind hin und wieder kleinere feste Siedlungen zu erkennen. Die Häuser sind buntgestrichen. In der Nähe einer Ortschaft führt die Bahnstrecke an einer vergoldeten Statue und mehreren aufgereihten Stupas  vorbei.

Die Einfahrt nach Ulaanbaatar erfolgt entlang eines Berges, sodass die Ausdehnung der Stadt gut zu erkennen ist. Wir überqueren den Fluss Tuul mit seinem glassklaren Wasser und sehen neben der Bahnstrecke die MCS Tiger Brewery, einen orange-roten Kasten im sonst eher einstöckigen Industriegebiet.

Nach ungefähr 10 Minuten ist der Bahnhof erreicht. Zuvor sind am Rande noch mehrere alte Lokomotiven zu erkennen, welche zwischen Bahnlinie und Straße ausgestellt sind.

Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Transmongolische Strecke / Peking – Erlian

Pünktlich verlassen wir den Pekinger Bahnhof in Richtung Mongolei. In den nächsten 45 Minuten zieht Peking an uns vorbei. Durch den gestrigen Regen und das Wochenende haben wir blauen Himmel und die überquerten Straßen sind für Pekinger Verhältnisse nahezu leer. Die Außenbezirke sind mit vielen Bäumen bewachsen und lediglich im Hintergrund sind die an Plattenbauten erinnernden Wohnhäuser zu erkennen.  Hin und wieder überqueren wir Kanäle mit grünbraunen Wasser.

Mit zunehmender Entfernung zur Stadt verändert sich die Landschaft. Links und rechts der Bahnstrecke türmen sich am Rande des durchfahrenden Tals die ersten Hügel auf. Große Zubringerstraßen und Brücken erinnern an die Nähe zur Peking.

Nachdem der Zug einen Tunnel durchquerte verändert sich die Landschaft zusehend. Wir überqueren nun blaue Flüsse und Täler mit einem Bergpanorama, wie sie aus typischen Bildern in deutschen China-Restaurants bekannt sind. Der Himmel ist strahlend Blau und die Landschaft ist grün.

Würde sich nicht an der die Bahnstrecke umgebenden Einzäunung der Plastikmüll sammeln, könnte man nahezu davon ausgehen, dass die Landschaft ausschließlich von Obstbauern bewirtschaftet wird.

Unser erster Zwischenhalt ist in Zhangjiakou, nach 193 km. In Reiseführern wird von fliegenden Händlern auf den Bahnsteigen berichtet. Diese gibt es hier nicht. Die Bahnsteige sind eingezäunt und dürfen einzig von Reisenden betreten werden. Unsere zukünftigen Routine folgend sind wir kurz ausgestiegen und haben ein Foto gemacht.

Vom Zugfenster aus die chinesische Mauer zu sehen war auf der Strecke noch zwei weiter male möglich. Hier fahren wir eine Zeit lang an einem See entlang. Der Hotelkomplex am Berghang stört das Panorama. Zhangjiakou gilt als Ski-Gebiet, was die Bestimmung des Komplexes erklärt.

Die Landschaft bleibt weiterhin grün und bergig. Hin und wieder zieht ein Dorf mit identisch aussehenden, in langen Reihen aufbereiten Häusern vorbei. Auf den großen Feldern wird vorwiegend Mais und hin und wieder Wein angebaut. In den Bergen ist hin und wieder ein Kloster zu erkennen.

Hin und wieder sehen wir große Kohlekraftwerke und lange Güterzüge mit Kohlewagons. Ebenso sind militärische Anlagen zu erkennen.

Zwischenzeitlich passieren wir Datong, welches für seine Yungang-Grotten (Grotten mit in den Fels geschlagenen Buddha-Figuren) bekannt ist. Kurz raus, Foto, fertig.

Mehrere Stunden durchqueren wir ein mit Feldern überzogenes Tal. Am Himmel ziehen Wolken auf. Die Windkraftanlage am Horizont, sowie die Ablaufkanäle lassen erahnen, dass es hier häufiger windig und regnerisch zugeht.

Nächster planmäßiger Halt Jining. Eine knapp neun Millionen Stadt, welche neben den Resten eine Stadtmauer aus der Ming-Dynastie vorwiegend durch die näher zur Heimat Konfizius bekannt ist. Wiederum niemand auf dem Bahnhof. Kurz ausgestiegen, Foto, fertig.

Hinter Jining verändert sich die Landschaft erneut. Wir durchfahren die ersten Ausläufer der Wüste Gobi bzw. der Steppenlandschaft der inneren Mongolei. Nach zwei Stunden Fahrt halten wir in Zhurihe. Ein großes Bahnhofsgebäude mit Kuppel umgeben von einfachen Häusern.

Die Nacht bricht an, was bei der Durchquerung der Wüste zumindest klimatisch ein Vorteil ist. Der die Strecke umgebene Zaun ist zwischenzeitlich nur noch ein Maschendrahtzaun mit Plastikmüllansammlungen an den Pfosten.

Die Nacht ist Dunkel und die Sterne sind hervorragend zu erkennen. Hin und wieder sind Siedlungen am Horizont auszumachen. Es könnte sich auch um Industrieanlagen handeln.  Zwischenzeitlich hat uns der Wagenschaffner Decken und die Formulare für den Zoll gereicht. Am Horizont sind die bunten Lichter der Casinos und Hotels aus Erlian zu erkennen. Bei der Einfahrt in die Stadt wird deutlich, dass zwischen den Betreibern ein Wettkampf um die meisten Lichter und das bunteste Blinken entbrannt zu seien scheint.

Am Ende der Stadt fahren wir in den Bahnhof ein (siehe gesonderter Bericht).