Western Wall Tunnel (Klagemauertunnel)

Glaube, Klutur, Gesichte, vereint in einem 485m langen Tunnel entlang der westlichem Mauer (Klagemauer). An den Überresten des zweiten Tempels finden sich Gläubige, Touristen und Archäologen ein, um das Tunnelsystem zu besuchen und zu erkunden.

Geschichte:
In der Zeit des zweiten Tempels (515 v. Chr. bis zu seiner Zerstörung durch die Römer 70 n. Chr.) verband die Region westlich des Tempels den Tempel und die westlichen Gebiete Jerusalems. Auf dieser Seite der Tempelmauer wurde der Tempel durch vier Tore betreten. Zwei niedrig gelegene Tore und zwei größer Tore auf höherer Ebene. Diese höheren Tore waren durch große Rampen zugänglich. Entlang der Tempelmauer verlief eine gepflasterte Straße.
Nach der Zerstörung des Tempels wurden die Überreste an diese westliche Seite geräumt Im verlauf der nächsten Jahrhunderte entstanden neue Gebäude auf den Trümmern. Unter dieser neuen Struktur verblieben Hohlräume im Untergrund.
Im 19 Jahrhundert erregten diese Hohlräume das Interesse von Entdeckern und Archäologen Entdecker wie beispielsweise Warren und Wilson (welche u. a. als Vorlage für Indiana Jones dienten) gelang es teile des Tunnelsystems freizulegen. Ihr Forschungsdrang wurde durch die osmanischen Herrscher Jerusalems erheblich eingeschränkt. Diese befürchteten, dass eine Gang unter den Felsendom entstehen und somit z. B. auch Sprengsätze in diesen Gängen zünd bar wären. Nach dem Sechst-Tage-Krieg im Jahr 1967 begann die tiefgehende Erforschung und Rekonstruktion des Tunnels, welche noch bis heute fortläuft
Der für Touristen zugängliche 485m lange Tunnelteil, entlang der westlichen Mauer, wurde im Jahr 1996 eröffnet. Die Eröffnung begleiteten von gewaltsamen Protesten (mit Todesfolge) der arabischen Bevölkerung Jerusalems.

Tourbeginn:
Die Tour beginnt am nördlichen Eingang der Klagemauer und würde in der Via Dolorosa (nahe der ersten Station) enden. Die Tour endet geographisch an dieser Stelle. Nach dem Ende der Tour wird der Tunnel am Eingang verlassen. Aufgrund der limitierten Anzahl an Besuchern ist es anzuraten die Tour im Vorfeld zu buchen. Es starten vier Touren (mit ca. 15 bis 20 Personen) pro Stunde. Mindestens eine Tour pro Stunde wird in englischer Sprache angeboten.
Die erste Station der ca. 75 minütigen Tour ist ein kleiner „Warteraum“ mit einem Fernseher und einem topographischen Modell. Nach einer kurzen Powerpoint-Präsentation erklärt der Tourleiter am Modell die Entwicklung der Region um Jerusalem von der ersten Besiedlung bis zum Ende des zweiten Tempels. Persönlich habe im Vortrag noch einige neue Aspekte über das Judentum kennengelernt. Beispielsweise dass das „Foundation Stone“, der Stein auf dem die Bundeslade gestanden haben soll, der erste „Klumpen“ war, welchen Gott in das Weltall warf um um diesen Stein herum die Welt zu erschaffen. Ebenso wurde mir noch einmal klar, warum gerade die westliche Mauer (also die Klagemauer) eine herausragende Bedeutung im Judentum besitzt. Es hätte ebenso ein Mauerteil an einer andern Himmelsrichtung werden können. Die westliche Mauer ist jedoch die Mauer, welche am nächsten zum Foundation Stone und zum ehemaligen Standort der Bundeslade liegt. Näher als an dieser Stelle, gelangt keine Person jüdischen Glaubens an diesen Ort.

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Für die einzelnen Abschnitte der Tour haben sich die englischen Begriffe eingebürgert.
(a) Secret passage
Im Zeitraum der römischen Besetzung war einer der Zugänge zum Tempel über eine lange Rampe bzw. Brücke (heute als Wilson Bogen bezeichnet) zu erreichen. Im siebten Jahrhundert wurde diese Brücke durch die nun arabischen Herrscher erneuert um einen besseren Zugang zum nun muslimischen Felsendom zu erhalten. Im verlauf der nächsten Jahrhunderte wurde die Brücke erneut zerstört und nicht wieder errichtet.
Bereits im Mittelalter waren die Hohlräume an dieser Stelle unterhalb der Stadt bekannt. In diesem Zeitraum bildete sich für die damals ca. 70 Meter lange Passage der Name „secret passage“ heraus.

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(b) Second Temple period stairs
Die Umgebung um die „secret passage“ ist weiterhin ein Gebiet archäologischer Ausgrabungen. Nahe des Wilson Bogens wurde eine zweite Treppe bzw. ein zweiter Aufgang mit Stufen freigelegt.

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(c) Large Hall and Model
Nördlich des Wilson Bogens bzw. den Überresten der Brücke befindet sich eine große unterirdische Halle, die „large hall“. Die Halle bietet eine großartige Aussicht auf den unterirdischen Teil der westlichen Mauer.

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(d) Western Wall – section
An der östlichen Seite der großen Halle sind die verbleibenden Teile der Mauer aus den Zeiten Herodes zu sehen. Ins besonderem ragt hier der „base stone“ hervor. Der Stein ist ca. 14 Meter lang, 4 Meter hoch und hat ein Gewicht von ca. 600 Tonne. Bei genauen Hinsehen ist das abschüssige Gelände zu erkennen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Stein hierhin gerollt oder transportiert wurde unter Ausnutzung des Gefälles.
Die Einbuchtungen im Stein dienten der Befestigung von kleineren Steinen. An diesen Steinen wurde im Mittelalter eine Art Putz oder Verkleidung angebracht um die Halle in ein Wasserreservoir umzuwandeln.

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Bemerkenswert ist in der ganzen Halle bzw. dem gesamten Mauerabschnitt, dass kein Zement oder vergleichbares benutzt wurde Lediglich die perfekte Passform der Steine und der Druck lassen die Steine seit mehreren tausenden von Jahren aufeinander ruhen.
(e) Warren’s gate (facing the Holy of Holies)
Das 1867 durch Charles Warren entdeckte Warren´s gate ist eines der unteren Tote des zweiten Tempels und zur damaligen Zeit auf dem Straßenniveau. Zu seiner damaligen Zeit war durch das geöffnete Tor der Standpunkt der Bundeslade und der Foundation Stones zu sehen.

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(f) Opposite the Foundation stone
Der Gang entlang der westlichen Mauer wird durch eine kleine Aussparung bzw. Halle „opposite foundation stone“ unterbrochen. Diese Stelle ist gegenüber des foundation stones. Einige Ausprägungen des Judentums beten an dieser Stelle, anstelle der Klagemauer.

(g) Medieval Cistern
Im hinteren Teil der Tour ist der Weg durch größere Räume unterbrochen. Dabei handelt es sich um alte Zisternen.

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(h) Western Wall tunnel
Im Rahmen der Ausgrabungen zwischen 1980 und 1990 wurde ein modernere Tunnel entlang des unteren Ende der Mauer angelegt. Dieser Tunnel verläuft auf der Eben der ehemaligen Straße zu Römerzeiten. Nach heutigem Wissen stand wurde die Siedlungsstrukturen überhalb des Tunnels erst später erbaut. Im Rahmen der Ausgrabungen der alten Römerstraße ist man immer wieder auf große Felsen und eine große Anzahl von Steinen in Größe einer Wassermelone gestoßen. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um Steine welche römische Soldaten auf Angreifer, im Rahmen der Belagerung des Jerusalems, warfen.

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(i) Dressed Bedrock Begins
In der Bauphase des Tempels wurde es notwendig ein Teil des Grundgesteines zu bearbeiten. Dieses Grundgestein verläuft an der nördlichen Seite auf einen höheren Niveau. Die damaligen Ingenieure entschlossen sich dieses Grundgestein zu bearbeiten und den Felsen zu glätten, sodass er dem Mauerwerk an der südlichen Seite des Tempels äußerlich glich.

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(j) Hasmonean Cistern
Bereits in der Hasmoneischen Epoche (140 bis 37 vor Christus) wurde an dieser Stelle eine Zisterne genutzt. Diese wurde durch den im späteren Abschnitt der Tour noch besichtigten Hasmonean Water Tunnel gespeist.

(k) Ancient Guardrail
Die Ausgrabungen brachten einen großen Randstein zu Tage. Er diente dem Schutz der Fußgänger vor einem Sturz in den dahinter liegenden Regenwasserablauf.

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(l) Second Temple period street
Ein kleiner Abschnitt einer Straße aus der Römerzeit ist erhalten. Diese Straße führe entlang der westlichen Mauer. Entgegen der Mauer siedelten sich Händler an. Die sichtbaren Säulen markieren den Eingang zu einem kleinen Laden. Hinter den Säulen fanden die Archäologen kleine Gefäße mit Münzen.
Es ist bis heute unklar, warum der Felsen an dieser Stelle nicht weiter bearbeitet wurde und somit zu einer verengung der Straße bzw. zu einem veränderten Straßenverlauf führte.

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(m) Quarry
Eine Erklärung für das Ende der Straße könnte der Beginn des Steinbruches bzw. Steinlager sein. Es wird vermutet, dass von dieser Stelle aus die Steine zum Bau des Tempels transportiert wurden bzw. sich in den späteren Jahrhunderten an dieser Stelle die Steinmetze niederliesen.
(n) Hasmonean Water Tunnel
Die Tour führt im letzten Abschnitt durch einen Teil des Hasmoneischen Aquädukts bzw. eines Wasser-Tunnels. Bei Starkregen ist dieses heute noch teilweise überflutet. Das Wasser fliest von durch diesen Tunnel in die „Hamonean ciradel“. Zu den Zeiten Herodes nutzten die Einwohner den Tunnel nicht mehr. Das Ende des Tunnels bedingte die Erweiterung des Tempels in nördliche Richtung.

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(o) Ancient Pool
Die Tour endet an ihrem nördlichsten Punkt, dem sogenannten Struthion Pool. Einem großen Wasserreservoir welches das winterliche Regenwasser von den Dächern des angrenzenden Viertels sammelt. Seine erste Bestimmung hatte es als öffentliche Badeanstalt Später nutzten die römischen Besatzer diese Stelle ebenfalls als Badeanstalt, exclusiv für römische Bürger.
Der Pool liegt geographisch im Keller des Notre Dame De Sion (Ecce Homo) Klosters. Der Ursprüngliche Plan sah vor die Tour hier zu beenden. Dieses lehnten die Besitzern des Klosters ab. Alternativ entstand eine Ausgang nahe der ersten Station des Kreuzweges an der Via Dolorosa. Aktuell wird dieser Ausgang nicht genutzt. Flglich laufen die Besucher den Tunnel zurück, was teilweise zu Staus und Gedränge führt. Besuchern mit Platzangst ist die Tour nicht zu empfehlen.

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