Zugfahrt durch Sibirien (2 von 4) / Irkutsk bis Krasnojarsk

Die Irkutsk nachfolgende Landschaft erfüllt die Erwartungen an Sibirien. Getreidefelder bis zum Horizont, Seen, Wälder. Hin und wieder unterbrochen von großen Holz- oder Zellstofffabriken.  Wir queren mehrere kleinere Flüsse bis zu den nächsten Haltestellen in Salari und wenige Minuten später in Sima. Dass beide Städte einen Haltepunkt der Eisenbahn bilden ist im Falle des circa  32.000 Einwohner fassenden Sima seiner Bedeutung für die Holzindustrie und im mit nur 9.00 Einwohner zählendem Salari einer Güteranschlussstrecke nach Nowonukutski, welches durch seine Gipsvorkommen eine wirtschaftliche Bedeutung erhält, zu verdanken.

Die Haltestellen in Tulun und Taischet (Abzweigung der Baikal-Amur Magistrale) bieten die Möglichkeit, sich auf den Nebengleisen etwas umzusehen. Zwischenzeitlich häufen sich die uns entgegenkommenden Güterzüge. Der Wandel von der vor Irkutsk vorherrschenden Holzindustrie zum Kohle-Tagebau ist erkennbar.

Der Bahnhof in Taischet erinnert mit seinem grünen Dach und der Kuppel an den Bahnhof in Irkutsk. Wie sich später herausstellte, wird dieser Baustil noch mehrfach für Bahnhöfe entlang der Strecke verwendet. Neben den Bahnsteig steht ein steinerner Wasserturm. Dieses wird uns später noch hin und wieder begegnen. Gleich der nächste Bahnhof Ujar  wartet ebenfalls mit Wasserturm auf. Mit Ausnahme einer Ziegelfabrik ist hier nichts weiter zu sehen.

Nächstes landschaftliches Highlight ist die zweimalige Überquerung des Jenissei. Zunächst in Krasnojarsk-Ost und fünf Kilometer später noch einmal kurz vor dem Bahnhofsgebäude.

Nahezu exakt 4100 km trennen uns nun von Moskau. Das große Bahnhofsgebäude ist in Umfang und Ausdehnung der mit ungefähr 970.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Sibiriens angemessen. Den etwas längeren Aufenthalt der Bahn nutzen wir, um vor das Bahnhofsgebäude zu laufen und einen kleinen Blick in den Bahnhof zu werfen. Eine riesige menschenleere Halle. Die Metalldetektoren im Eingangsbereich wurden nicht überwacht. Bemerkenswert ist ein großes Mosaik an der Außenfassade eines Gebäudes. Umso interessanter ist eine darunter angebrachte rosafarbene Tür mit der Aufschrift Minimarkt. Die Zeit reichte nicht für eine Überprüfung, ob sich dort tatsächlich ein Supermarkt findet.

Unsere Fahrt setzte sich fort und somit werde ich bei Krasnojarsk auch weiterhin eher zwei Fakten im Hinterkopf haben, welche selbstverständlich in keinerlei Zusammenhang stehen. Erstens: die ehemals verbotene Stadt Krasnojarsk ist Standort des ersten russischen Atommüllendlagers und zweitens: Helene Fischer wurde hier geboren.