Zugfahrt durch Sibirien (3 von 4) / Krasnojarsk bis Novosibirsk

Ab Krasnojarsk verändert sich die Landschaft erneut. Sumpfiger Wälder wechseln sich mit weiten Flächen Graslands ab. Je weiter der Zug ins Landesinnere vordringt, desto mehr wird die Landschaft zum borealen Nadelwald, der sogenannten Taiga.

Nächster Stopp ist der Bahnhof in Atschinsk. Dieser Bau in Form eines Quadrates fällt vorwiegend durch seine leicht kupferverspiegelte Glaswand auf. Ebenso ist die für die meisten russischen Bahnhöfe obligatorische Brücke über die Bahngleise mit Fenstern versehen.

Der darauffolgende Bahnhof Marinsk bietet mit zwei Besonderheiten auf. Zunächst wird die Lok gewechselt. Dieses geschieht immer in Marinsk, da sich hier das Bahnstromsystem ändert. Für uns ist Marinsk der erste (und einer von wenigen) Haltestellen, an welchen die in der Literatur beschriebenen fahrenden bzw. fliegenden Händler zum Zug kommen und Kaltgetränke, Chips, Spielzeug, Schokolade, aber auch Gurken, Birnen und Brot anbieten.

In Marinsk ist eine alte Dampflok ausgestellt und hier sehen wir die erste russische Fahne. Ein Anblick, welcher sich  mit zunehmender Näher zu Moskau sich häuft.

Nahezu exakt 3000 km Luftlinie von Moskau entfernt halten wir kurz in Anschero-Sudschens. Dieser Ort war in den Dreißigern für eine Kolonie deutscher Bergarbeiter bekannt. Unter Stalin wurden die noch verbliebenen Deutschen nahezu restlos  exekutiert. Auch der vorherige Halt Marinsk kann auf eine längere Geschichte von Inhaftierungen und Exekutionen verweisen. Es war Teil des Gulag Systems. Den Astronom Y. Perepelkin , nach welchem ein Krater auf dem Mond und dem Mars benannt ist, hat man hier umgebracht. Ein Fakt, der bis heute in Russland gerne verschwiegen wird, sodass man vergebens auf einen Gedenkstein oder ähnliches hofft. Gleiches gilt für die ermordeten Deutschen.  Nächster Halt ist der Bahnhof in Taiga, der neben seines stalinistischen Baustils durch seine von uns als gewagt interpretierte Farbwahl in Erinnerung bleibt. Später stellen wir fest, dass diese Farbwahl eine Standardfarbe der Bahnhöfe ist.

Bei der Fahrt durch Jaschinkow  versuchte ich vergeblich einen Blick auf die Seilbahn zu erlagen. Eine mehrere Kilometer lange Seilbahn versorgt das ortsnahe Zement- und Ziegelwerk mit Gestein. Es ist die einzige mir bekannte Seilbahn, die dauerhaft für einem anderen Zweck als den Transport von Menschen oder Material (im Sinne von Baumaterial) dient.

Haltestelle Moschkowo bedient sich der Farbwahl des Bahnhofs Taiga. Mittig des Bahnhofsgebäude steht ein Turm mit Umlauf der,  sofern man sich roter und weiser Farbe bedient, einen passablen Leuchtturm darstellt. Funktional dient dieser Turm den Ausblick über die auf sechs Spuren angewachsene Gleisanlage.

55 km weiter erreichen wir unsere Zwischenstation Novosibirsk, am Ob, im Herzen Sibiriens.