Zugfahrt: Moskau – Grenze – Helsinki

Pünktlich um 23:10 Uhr verlassen wir im Nachtzug „Tostoy“ Moskau. Zwei Stunden später werden wir in Tver halten und um 05:46 Uhr St. Petersburg erreichen. Kurz überlegen wir, ob wir das Transsib-Ritual mit einem Ausstieg an jedem Bahnhof in diesem Zug fortsetzen. Schlaf ist mir wichtiger, Haltestelle Tver wird verschlafen. Bahnhof St.Petersburg  hat in Regen, Dunkelheit und Kälte nichts zu bieten. Mein Vater läuft kurz auf den Bahnsteig. Ich halte nur einen Fuß nach draußen und bin nach wenigen Sekunden wieder in meiner „Koje“.

Zwischen Wyborg und Vainikkala erwartet uns der Grenzübertritt in Buslovskaya. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt die Passkontrollen, sowie die Schließung des Restaurants für den Zeitraum des Übertrittes an. Die Kontrolle findet im Zug statt. Auf russischer Seite sind die Grenzer freundlich und erledigen die Passausgabe in wenigen Sekunden. Überraschenderweise sprechen die Grenzer englisch und verabschieden sich mit einem Deutschen „Auf Wiedersehen“. Die Lautsprecherdurchsage mahnt, dass das Aussteigen aus dem in unmittelbarer Grenznähe teilweise mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Zug unter allen Umständen zu unterlassen ist. Die russische Seite der Grenze ist Sperrgebiet, eine mehrjährige Freiheitsstrafe droht und im Ernstfall wird von der Schusswaffe gebrauch gemacht. An der tatsächlichen Grenze patrouillieren Hundeführer mit Deutschen Schäferhunden den Zug von außen. Für diesen Zweck ist extra ein kleiner Weg zwischen den einzelnen Gleisen angelegt. Der Zugang und Abgang zum Bahnhof ist für Fußgänger durch einen mit Stacheldraht gesicherten Weg möglich.

Die finnischen Grenzer kotrollieren uns eher nachlässig. Lediglich das Passfoto meines Vaters wird besprochen. Den Grenzern scheint es ungewöhnlich, dass der auf dem Bild vorhandene lange weise Bart zwischenzeitlich deutlich gekürzt ist. Der finnischen Sprache nicht mächtig verstehe ich nur die Worte „Santa Claus“.

Einerseits freuen wir uns wieder in Europa zu sein. Andererseits wirken die Sicherheitsvorkehrungen hier – im Vergleich zu China und Russland – deutlich lascher. In Anbetracht von Terror und der aufkommenden Flüchtlingsgriese für uns zu lasch.

Der Zug fährt mit den Zwischenstationen in Kouvola und Lathi durch eine beeindruckende Landschaft mit viel Wald und Seen. Teilweise fahren wir über einen Bahndamm zwischen größeren Seen an beiden Seiten vorbei. Die Haltestellen in Tikkurila und Pasila sind Industriell geprägt. Holzindustrie, Speditionen, große Hallen und Einkaufscenter sind links und rechts der Strecke immer wieder zusehen. Uns fallen die Bahnhofsbezeichnungen in den zwei Amtssprachen auf.

Um 12:27 Uhrfahren wir pünktlich in Helsinki ein.