Zugfahrt: Warschau-Berlin

Die Strecke Warschau-Berlin bewältigten wird mit dem seit 2002 auf dieser Strecke unter dem Namen „Berlin-Warszawa-Express“ vermarkteten Euro-City. Der Zug besteht immer aus sechs Großraumwagen mit Fahrradabteil (unser Wagen), drei Abteilwagen, ein Bordrestaurant und Bordbistro sowie einen Wagen für die erste Klasse. Alle Wagen sind klimatisiert und die Breite der Sitze ist mit deutschen Standardzügen vergleichbar. Die in der Grundfarbe gehaltenen Wagen tragen unterhalb der Fensterkante zusätzlich einen dunkelblauen Streifen mit der integrierten Beschriftung „Berlin-Warszawa-Express“.

In rund 5 1/2 Stunden sind die 570 km zwischen Wasrzawa Centrain und Berlin Hauptbahnhof zurückgelegt. Vier Minuten nach Einstieg stoppt der Zug am Bahnhof Warszawa Zachodnia, anschließend durchfahren wir ländliches Gebiet mit Halt in Kutno, Konin und Poznan Glowny. Vor dem Halt in der  ehemaligen Grenzstadt Zbąszynek unterbrechen Bahngleise und Güterzüge das Landschaftsbild. Mehr Ausblick, trotz zwischenzeitlich immer dunkler werdenden Himmel, bietet die Gegend vor Rypin mit ausgedehnten Wäldern und Heidelandschaft.  Über die Oder wechseln wir nach Frankfurt an der Oder und sind zurück auf deutschen Boden. Ohne patriotischen Unterton stellen wir fest: schön, wieder zuhause zu sein. 70 km weiter beginnt die Einfahrt nach Berlin. Zwischenhalt in Berlin-Ost und Ankunft im Hauptbahnhof.

Was fällt uns zuallererst auf? Bettelnde Roma und verschleierte Frauen. Ein Anblick, der uns in den letzten drei Wochen nahezu fremd wurde. Insgesamt haben wir von Peking bis Warschau drei Frauen mit Schleier (kein Vollschleier wie in Berlin) und in Moskau maximal zweimal bettelnde Roma gesehen. Hier sehen wir beides im Überfluss.

Für uns gilt es nun, im Bahnhof etwas Zeit totzuschlagen, bis wir in den Nachtzug nach Frankfurt am Main wechseln. In weniger als 12 Stunden werde ich meinen Arbeitsplatz aufsuchen und die angefallenen 400 E-Mails lesen.
Nach mehreren Wochen kommt mir zu hier zum ersten Mal meine Arbeit wieder in den Sinn.